Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Irland war gestern

Vor drei Jahren wäre das heutige irische Problem ein erschütterndes Ereignis gewesen. Es hätte die Börsen crashen lassen. In der Tat handelt es sich beim Fall Irland nicht um einen Pappenstiel. Gleich mehrere Banken sind de facto insolvent. Der Staat springt helfend ein und übernimmt sich dabei selbst. Staatspleite. Vor drei Jahren war dieser Fall unvorstellbar, zumindest in Europa. Und heute?

Heute ist der Fall ein unschönes, aber durchaus normales Ereignis. Es dämpft den bullischen Trend der Aktienindizes. Öl wird nicht teurer, sondern billiger. Die Preisbewegung lässt nichts Ungewöhnliches vermuten. Der Dollar legt zu. Eigentlich sollte er sinken, weil die US-Notenbank an seinem Wertverfall arbeitet. Nun sinkt der Euro, weil die Staatsverschuldungen innerhalb der EU besser in das Spekulationsmuster der Finanzindustrie passen. Seit gestern ist der Fall Irland für eben diese Finanzindustrie so gut wie abgehakt. Sie bereitet sich auf die Fälle Portugal, Spanien und Italien vor. Weitere Namen werden in Kürze folgen.

Was da geschieht, ist nichts anderes als das Plündern des verteilten Volksvermögens durch eine kleine Szene intelligenter Finanzjongleure. Es ist keine kriminelle Tat, weil es gesetzlich abgesichert und politisch unterstützt wird. Seit Jahrzehnten arbeitet die Finanzszene an der wundersamen Mehrung ihrer Gewinne. Dafür hat sie geballten Sachverstand von den Wissenschaften erhalten. Mathematiker und Philosophen lieferten den Volkswirten schlagkräftige Handwerkszeuge zur Erfindung eines finanztechnischen Perpetuum Mobiles. Es schien zu funktionieren. Das Finanzkapital mehrte sich wie nie zuvor. Wer sehen wollte, konnte allerdings einen Fehler erkennen. Der Wert des Finanzkapitals wuchs weit stärker als der Wert von Waren und Dienstleistungen. Die Finanzwirtschaft galoppierte der Realwirtschaft davon. Schließlich verfügt sie über 20 Mal mehr Geld als Realinvestitionsmöglichkeiten auf der Erde vorhanden sind. Waren können heute wie Kunstwerke bepreist werden, also wie Produkte, die ausschließlich einen ideellen Wert haben. Dieser kann beliebig hoch sein. Er wird einzig vom Vermögen interessierter Kreise festgelegt. Bei vielen Rohstoffen gibt es eine Tendenz zu derartiger Preisbildung. Öl gehört dazu. Dass die menschenverachtende Preisbildung Rohstoffe trifft, ist aus Sicht der vermögenden Kreise, also der Finanzwirtschaft, naheliegend. Diese Stoffe bieten auf Grund ihres begrenzten Vorkommens interessante Wertsteigerungsperspektiven.

Vor zwei Jahren zerbrach die wunderbare „Perpetuum Finanzmaschine“ plötzlich und scheinbar unerwartet. Finanzjongleure waren, wie der Rest der Welt auch, geschockt. Das ganze Wirtschaftssystem schien schlagartig ins Wanken zu geraten. Politiker reagierten panisch. Im festen Glauben, dass das abgehobene, man könnte auch diagnostizieren krebskranke, Finanzsystem die Grundlage der Realwirtschaft sei, bemühten sie sich postwendend um seine Rettung. Sie schufen, ohne es zu realisieren, den Sündenfall der Marktwirtschaft und der Demokratie. Damit gaben sie den am Boden zerstörten Finanzjongleuren ein vollkommen neues Instrument an die Hand, um ihre absurde „Perpetuum Finanzmaschine“ weiter betreiben zu können. Die Plünderung des verteilten Volksvermögens. Im Fallen begriffen viele Finanzjongleure, dass ihre Maschine nicht funktionieren kann. Dass sie dennoch vom Staat unterstützt wurden, konnten sie kaum fassen. Seither nehmen sie die Geschenke an und schweigen. Die „Perpetuum Finanzmaschine“ wird niemals funktionieren und das Volksvermögen wandert immer schneller in wenige begünstigte Hände. Staat und Volk verfügen über immer weniger Finanzmittel zur Führung einer Realwirtschaft. Die Finanzelite indes zieht diese Mittel, mit denen sie nichts Reales anfangen kann, gerade zu magisch an. So wie der Absolutismus und später die Monarchie zu Ende gingen, so wird auch die Phase dieser Finanzelite zu Ende gehen. Vermutlich wissen das ihre Protagonisten bereits besser als Volk und Volksvertreter.

Neben der geradezu surrealen Finanzwirtschaft gibt es eine Realwirtschaft, die leider auch vom Bazillus der Finanzwelt befallen ist. Das gilt zumindest für die Idee vom grenzenlosen Wachstum. Die vollkommene Grenzenlosigkeit könnte man der entflogenen Finanzwirtschaft theoretisch sogar zugestehen. Das grenzenlose Wachstum der Realwirtschaft scheitert definitiv an der Endlichkeit aller dinglichen Grundlagen. Zurück auf dem Boden öliger Tatsachen heißt das, dass wir uns darauf einstellen müssen, in nicht all zu ferner Zukunft ohne das Verfeuern und Verfahren fossilen Öls zu wirtschaften. Wir haben die spannende Aufgabe vor uns, Wirtschaft und Gesellschaft neu zu denken und zu installieren. Es ist mittlerweile Eile geboten, diese Aufgabe zu lösen. Für irgendeine Form von Panik wegen des ausgehenden Öls gibt es allerdings keinen Grund. Es steht genug Öl zur Verfügung, um den Übergang in ein postfossiles Zeitalter zu schaffen. Die Zeit dorthin wird in Jahrzehnten und nicht etwa in Monaten oder Jahren gemessen.

Heute Morgen gibt es keinen Irlandeffekt mehr an den Börsen. Öl- und Dollarnotierungen irren seitwärts dahin. Tendenziell liegen die Fortsetzungen des Abstiegs beim Öl und des Aufstiegs beim Dollar auf der Hand. Wohin auch immer die Reise geht, sie wird ohne Schockwellen gehen. Die Tonne Gasöl kostet heute Morgen 697,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 81,37 Dollar und in London 83,68 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,78 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sinken. Die Ölbörsen geben das vor. Der Dollar hält verhalten dagegen. Diese Konstellation dürfte im Wesentlichen erhalten bleiben. Insgesamt gehen wir weiterhin davon aus, dass die Heizölpreise ihren seit einem halben Jahr gültigen Seitwärtstrend fortsetzen werden. Aktuell befinden sie sich mitten zwischen der oberen und unteren Grenze des Trends. Wenn Sie sicher sein wollen, weniger Geld für Heizöl ausgeben zu müssen, schauen Sie sich mal das hier an: www.heizkosten-50.de.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen