Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Ist das ungerecht?

Öl sollte teurer werden. Die globale Konjunktur läuft gut. In den letzen Wochen wächst die Hoffnung, dass sogar die angeschlagenen USA wieder voran kommen. Sie sind immer noch die Nummer eins aller Staaten gemessen am BIP gefolgt von China und Japan. Nur die EU hat eine größere Volkswirtschaft. Die ist aber kein Staat. Gute Konjunktur heißt Steigerung der Ölnachfrage. Allein diese Tatsache treibt den Preis tendenziell aufwärts. Wenn dann noch eine Reduktion des Angebots hinzukommt, wird die Preisbewegung rasant. Genau diese Gefahr droht durch die Sanktionen gegen den Iran als Antwort auf die unnachgiebige Atompolitik des Landes.

Die Kurzbeschreibung skizziert die gestrige Ausgangslage. Sie bestimmte den Verlauf der Notierungen. Die zogen unaufgeregt und folgsam aufwärts. Bestätigt wurde die Stimmung durch überraschend positive Einzelhandelsumsätze in der EU im Oktober. Danach startete eine andere Geschichte. Für die USA wurden plötzlich schlechte Wirtschaftsdaten gemeldet. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) droht den relativ gut aufgestellten Ländern der Eurozone den Entzug der Bestmarke AAA an. Mit diesen Informationen im Gepäck drehten die Akteure die Preisbewegung beim Öl um. Die Notierungen fielen zügig ins Minus. Charttechnisch spricht vieles dafür, dass sie dort noch eine Weile vorankommen werden.

Die Androhung von S&P erhitzt die Gemüter hierzulande. Als anerkannter Musterschüler der EU fühlt man sich total ungerecht benotet. Die Notengeber sehen sie Sache emotionslos. Sie stellen fest, dass die wirtschaftlich starken Länder der Eurozone überfordert sind, die Schieflage des Gesamtkonstrukts schultern zu können. Das ist nach Lage der Dinge aber ihre Aufgabe, da die schiefliegenden Staaten selbst kaum etwas zur Behebung der akuten Not beitragen können. Die Aussage trifft ins Herz. Sie legt offen, was die meisten Volksvertreter denken, was einige von ihnen auch sagen, wonach sie aber der politischen Korrektheit wegen nicht handeln. Es gilt immer noch der das Denken limitierende Satz: „Fällt der Euro, fällt Europa.“

Was ist nun die Faktenlage? Zunächst ist die Verschuldung der AAA-Länder in der Eurozone vergleichbar mit der der USA. Die haben ihr AAA im Sommer verloren. Die Neuverschuldung der „guten“ EU-Länder ist geringer als die der USA. Für die Eurozone als Ganzes sieht die Lage ähnlich problematisch aus wie für die USA. Vergleichbar ist auch die Situation im Hinblick auf die Handlungsfähigkeit der Politik. Zerstrittenheit herrscht hier wie dort. Allein dieser schnelle Blick zeigt, dass S&P durchaus gerecht urteilt. Schaut man sich die hier betroffenen Länder im Einzelnen an, eröffnet sich eine weitere unangenehme Wahrheit. Von den 17 Ländern der Eurozone reißen 15 Länder die Defizitgrenze von drei Prozent. Deutschland gehört dazu. Nur Finnland und Estland führen ihre Staaten gemäß den Euro-Statuten. Da die Wirtschaft hierzulande bekanntermaßen floriert - bei leicht rückläufiger Tendenz - wiegt die Tatsache, dass die Defizitgrenze erneut gerissen wird, doppelt schwer. Entweder ist sie Ausdruck kompletter Unfähigkeit der Politik oder sie ist das unmissverständliche Signal, dass weit mehr aus dem Ruder gelaufen ist als ein paar Randstaaten der Gemeinschaft. Wenn die Gesamtlage des Geld- und Finanzsystems der kritischen Betrachtung entzogen wird, kann man die erste Annahme gelten lassen. Es wäre gleichwohl eine unzulässige Einschränkung der Bestandsaufnahme.

Bei unvoreingenommener Betrachtung der Situation tritt eine komplexe Gemengelage von Problemen zutage. Allen voran steht das aus dem Ruder gelaufene Geld- und Finanzsystem, dessen Rettung vor drei Jahren mehr Probleme geschaffen als gelöst hat. Weiterhin dämpft die zunehmend spürbare Limitierung von Ressourcen die gewohnte wirtschaftliche Entwicklung. Dies geschieht wie beim Öl vornehmlich über den Preis. Konjunkturwachstum über Konsumwachstum zu erzielen, ist kein Zukunftsmodell mehr, weil die Grundlagen für den Konsum knapp und teuer werden. Ohne Konjunkturwachstum lässt sich das Geld- und Finanzsystem aber nicht aufrecht erhalten. Erst an dritter Stelle kommt das EU-Problem. Seine tiefe Ursache liegt im Konstruktionsfehler der Eurozone. Dass es in dieser Zeit virulent wurde, liegt wiederum am aus dem Runder gelaufenen Geld- und Finanzsystem. Das dritte Problem lässt sich nicht ohne eine Lösung für die Probleme eins und zwei aus der Welt schaffen. Ob die Lösung dann als Gemeinschaftsaufgabe oder als Aufgabe einzelner Nationalstaaten angepackt wird, ist angesichts des Gesamtkomplexes eher zweitrangig. Unangebracht sind in dem Zusammenhang Äußerungen, die der Gemeinschaftswährung einen friedenserhaltenden und damit gleichsam heiligen Sinn zuweisen. Es gibt 27 EU-Länder. Unter ihnen bilden 17 Länder die Eurozone. Nichts deutet darauf hin, dass die 10 Nicht-Euro-Länder demnächst feindliche Absichten gegenüber ihren europäischen Nachbarn hegen könnten oder umgekehrt. Aus deutscher Sicht gilt eher, Schweden und Dänen sind uns genauso angenehme Mitbewohner im gemeinsamen Haus Europa wie Franzosen und Italiener. Das Geld, mit dem wir hantieren, ist in diesem Zusammenhang hingegen nur ein Instrument.

Indem S&P den Eurostaaten und den USA das Topranking entzieht, entzieht es dem Geld- und Finanzsystem selbst das Topranking. Dieses System in seiner aktuellen Aufstellung ist nicht das Beste, was Menschen für sich als Maßstab zur Beurteilung von Lebensqualität verdient haben. Von allen notwendigen Reformmaßnahmen, die die Welt braucht, verdient die Reform dieses System das Topranking.

Heute Morgen bewegen sich die Ölpreise verhalten seitwärts. Nach dem gestrigen Schock über eine einzelne Äußerung zu Euroländern ist wieder nachdenkliche Ruhe eingekehrt. Die wird extreme Preisbewegungen ausschließen. Es bleibt noch etwas Platz für fallende Preise. Die Tonne Gasöl kostet 965,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 100,78 Dollar und in London zu 109,55 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,77 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben dank der heftigen Reaktion an den Ölbörsen auf die gestrigen Nachrichten ein wenig nach. Der Dollar dämpfte die Bewegung. Er konnte sie nicht annullieren. In den nächsten Tagen könnte sich der Abgang fortsetzen. Sowohl die Börsen als auch die Pegelstände auf dem Rhein lassen freundliche Fantasien beim Heizölpreis zu. Er befindet sich im kurzfristigen Abwärtstrend. Einen großen Abgang sollte man nicht erwarten. Über allem liegt ein mittel- und langfristiger Aufwärtstrend. Wer eine nennenswerte Einsparung beim Ölkauf einfahren will, sollte für die Reduzierung des eigenen Verbrauchs sorgen. Bei dieser Maßnahme hier gibt es sogar eine Bonusreduktion auf den Heizölpreis.

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