Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Katrina lässt Preise explodieren

Am Ölmarkt geht es drunter und drüber. Wetterämter bringen die Preise zum Schwingen. Am Freitag fiel der Preis für US-Rohöl um fast 2$, nachdem eine Entwarnung für den Hurrikan Katrina gegeben wurde. Mittlerweile wurde die höchste Warnstufe ausgelöst. Der schwerste zu Lande tretende Sturm wird erwartet. Das trieb die Preise in der Nacht zum Montag um fast 5$ in die Höhe. Die Marke von 70$ pro Barrel wurde überschritten.

Katrina wird über New Orleans das Festland erreichen. Die Region ist reich an Ölanlagen. Diese wurden teilweise geschlossen. Evakuiert wurden zudem Bohrinseln im vorgelagerten Meeresraum. Insgesamt wird der Ausfall momentan auf ca. 1,0 Mio. Barrel pro Tag geschätzt.

Die erheblich gestiegenen Preise sind u.a. ein Produkt von Sturmängsten. Mit dem Angebots-Nachfrage-Verhältnis haben sie nicht mehr viel zu tun. Bei realistischer Betrachtung des Ölmarktes sollte ein Hurrikan bereits eingepreist sein. Das, was sich derzeit in New Orleans abspielt, übersteigt allerdings alle bisher da gewesenen Szenarien. Insofern kann es nicht überraschen, dass auch die Preisbewegung das bisher Gewohnte übersteigt. Eine reguläre Preisbildung findet zur Zeit nicht statt.

In Deutschland ist die Nachfrage nach Heizöl so hoch, dass es in einigen Regionen zu Engpässen kommt. Das treibt die Preise zusätzlich in die Höhe. Auch hier hat sich eine außergewöhnliche Situation ergeben. Diese ist allerdings nicht durch Naturereignisse bestimmt. Sie hat ihre Ursache allein im Verbraucherverhalten. Im letzten Jahr wurde der Bedarf zu gering abgedeckt. Grund hierfür war u.a. eine falsche Einschätzung der Preisentwicklung. Verbraucher hielten gedanklich immer noch an Preisen der 1990er Jahre fest. Diese waren unterdurchschnittlich tief. In der Erwartung, dass die Vergangenheitspreise zurückkehren müssten, wurden nötige Beschaffungen nicht oder nur ungenügend getätigt. Die extrem geringe Bevorratung in den Verbrauchertanks und die sich verbreitende Einschätzung, dass die zukünftige Preisentwicklung nicht mit den Preisen der letzten 20 Jahre in Deckung zu bringen ist, löste eine ans Panische grenzende Kaufwelle aus.

Die Verbraucher standen mit der falschen Preiseinschätzung allerdings nicht allein da. Auch Profis haben die Lage nicht richtig eingeschätzt. So fielen die Preisprognosen von Ölgesellschaften und Analysten in den letzten Jahren grundsätzlich zu niedrig aus. Hierfür gibt es eine geschichtliche Erklärung. Am Anfang der 1980er Jahre stand eine Ölpreisexplosion. Sie hatte ihre Ursache im Wesentlichen in der iranischen Revolution und im Iran-Irak-Krieg. Man befürchtete damals Ölknappheit. Das führte zu großen Investitionen in Ölanlagen. Der Markt entwickelte sich anders. Im fortschreitenden Jahrzehnt gab es ein Überangebot an Rohöl und Ölprodukten. Dieses Überangebot bestand bis zur Jahrtausendwende. Es ließ die Preise erodieren und bescherte den Ölgesellschaften Verluste. Als Folge investierten sie nicht mehr in Anlagen.

Heute steigt der Bedarf stärker als erwartet. Dennoch halten sich die Ölgesellschaften mit Investitionen in Raffinerien zurück. Nach wie vor sitzt der Schock über die verlustbringende Fehleinschätzung in den 1980er Jahren tief. Tendenziell versucht man heute, erst das Geld für neue Investitionen zu verdienen. Das erhält unweigerlich die mittlerweile zu knapp bemessene Versorgungslage aufrecht und wird die Preise weiter anheizen. Wann und wodurch ein erneuter Wechsel im Denk- und Investitionsverhalten ausgelöst wird, ist noch nicht absehbar. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass der Markt nach einer Phase sehr hoher Preise wieder eine Phase niedriger Preise erleben wird. Früher oder später wird eine erneute Fehleinschätzung der Entwicklung dazu führen.

Die in den Industrieländern als teuer beurteilten Ölpreise verdienen dieses Prädikat übrigens nicht immer zu Recht. Die historisch hohen Benzin- und Heizölpreise sind beispielsweise in den USA deutlich geringer gestiegen als andere Preise. Der Anstieg seit 1982 liegt nach einer Studie des Marktforschers John S. Herold ca. 25% unter dem für Nahrungsmittel, ca. 50% unter dem für Wohnraum, ca. 70% unter dem für medizinische Versorgung und 80% unter dem für Bildung. Das historisch ?teure? Benzin geht in den USA zu weniger 15% in die gesamten Betriebskosten eines Fahrzeugs ein. Die Zahlen lassen befürchten, dass der für die Welt wichtige Veränderungsdruck im Verbraucherverhalten der US-Bürger noch lange nicht stattfinden wird.

Heute Morgen gehen die Preisexzesse am Ölmarkt in die nächste Runde. Die Tonne Gasöl koste 635$.

Unsere Heizölpreise steigen dramatisch. Der Hurrikan Katrina versetzt die Preisbewegung in eine absolute Ausnahmesituation. Die hohe Binnennachfrage verstärkt den Auftrieb. In den kommenden Tagen könnte eine Übertreibung auflaufen, die sich in Kürze wieder entspannen wird. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass die Preise in absehbarer Zeit unter das Niveau der letzten Wochen fallen werden. Wer kurzfristig Heizöl braucht, sollte eine Halbjahresmenge bestellen und auf bessere Preise nach Wintereintritt hoffen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen