Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Kraft der Nachfrage

Einer geht noch, einer geht noch rein. Das ist die Devise in den US-Vorratslagern. Deren Füllstände sind historisch hoch. Ein Ende der Nettozuflüsse ist nicht in Sicht, obwohl Produzenten ihre Lieferungen reduzierten. Die Abflüsse sind verstopft. Spätestens seit Beginn der Wirtschaftskrise ist es die Nachfrage, die die Ölwelt regiert. Das funktioniert sogar ohne staatliche Steuerungspolitik. Konsumenten haben ihren Verbrauch reduziert. Sie kommen mit erheblich weniger Öl aus als in der Zeit, in der die Wirtschaftswelt noch in Ordnung zu sein schien. Dass das ganze einen Einfluss auf die Preise hat, versteht sich von selbst, auch wenn diese das Angebot-Nachfrage-Verhältnis nicht immer eins zu eins abbilden. Spekulation sorgt bisweilen für erhebliche Störungen. Aktuell sind die Ölpreise nahe dran. Sie fallen. Damit spiegeln sie die wirtschaftliche Stimmung deutlich besser wider als die Aktienkurse, die einem merkwürdig anmutenden Aufschwung folgen. Hier wird viel heiße Luft gehandelt. Von derartigen Absurditäten ist der Ölmarkt momentan einigermaßen befreit. Er dürfte noch länger mit moderaten Preisen auf den realen Gang der Konjunktur reagieren. Was den Dollar bewegt, ist schwer zu verstehen. Die länger gültige umgekehrte Bindung an den Aktienmarkt ist es jedenfalls nicht mehr. Seit Mitte März könnte es eine Verschiebung des Vertrauens zu Gunsten der US-Währung und gegen den Euro sein.

Gestern toppten die von DOE (Department of Energy) gemeldeten Daten über die US-Vorräte die Vorstellungen der Ölmarktteilnehmer. Sie belegen die außerordentlich gute Versorgungslage bzw. die außerordentlich schlechte Nachfrage. Die Zahlen stehen im Widerspruch zu den Konkurrenzdaten von API (American Petroleum Institute). Derartige Widersprüche werden üblicherweise dadurch gelöst, dass man nur dem DOE glaubt. Im Einzelnen wurde Folgendes gemeldet:

Rohöl: +3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 7,4 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe waren höher als in der Vorwoche und auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 83 Prozent angewachsen. Das ist für amerikanische Verhältnisse fast sensationell. Wohlwollend könnte man meinen, dass US-Raffineure an eine Erholung der Geschäfte glauben, auf die sie sich schon mal vorbereiten.

An eine solche Erholung glauben Ökonomen nicht. Den jüngsten Äußerungen zu Folge kommt es eher noch schlimmer als bisher kalkuliert. Gut, dass diese Äußerungen nur Prognosen sind. Die sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, wie der in diesen Tagen so oft zitierte Herr Keynes einst sagte.

Weniger schwierig ist die Veränderung des langfristigen Energieangebots. Das wird auf alle Fälle grüner werden. Zwar wehren sich Konzerne noch öffentlich gegen entsprechende Vorgaben der Politik. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass sie in ihren Planungen längst mit einer grüneren Zukunft kalkulieren. Das klingt gut. Und das ist gut für die Umwelt. Für den Verbraucher bringt das keine neue Situation. Denn im Kern geht es darum, die herrschenden Machtverhältnisse zu festigen oder sogar auszubauen. Das bedeutet im Klartext Gewinn vor Ausgleich, Eigeninteresse vor Gemeinschaftsinteresse, Bereicherung von Managern vor Wohlergehen von Mitarbeitern. Die einseitige Sicht auf ein wie auch immer geartetes Energieangebot festigt die Verhältnisse, die sich als ursächlich für die aktuelle Krise erwiesen haben.

Einen anderen Weg eröffnet die Veränderung der Nachfrageseite. Wie erfolgreich das sein kann, zeigt sich am Preisrückgang der letzten Monate, der durch reduzierte Nachfrage ausgelöst wurde. Dass dieser Preisrückgang bei Gas und Strom nicht so greift wie bei Öl, macht deutlich, wie groß die Macht der leitungsgebundenen Versorgungskonzerne über die Verbraucher mittlerweile ist. Wer sich mit leitungsungebundener Energie versorgt, ist im Vorteil. Und wer den Bedarf ständig weiter senkt, muss sich über den Einfluss von Anbietern auf das eigene Leben immer weniger Sorgen machen. In kaum einem Sektor ist das Potenzial zur Reduzierung des Einflusses der Energieanbieter so groß wie im Bereich Raumwärme. Häuser kann man ohne fossile Energie warm halten. Die Techniken dafür gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. Sie einzuführen ist ein Zukunftsprogramm, das erst in vielen Jahren nennenswerte Erfolge zeigen wird. Deshalb macht es Sinn, sich einstweilen weiter mit der Entwicklung der Ölpreise zu beschäftigen.

Heute Morgen sind diese tendenziell auf Abwärts eingestellt. Die Tonne Gasöl kostet 417 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 48,64 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,77 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sinken weiter. Sie folgen dem Weltmarkt nun gut, weil der Dollar nicht mehr dagegen arbeitet. Derzeit gehen wir davon aus, dass die Preisspanne des Monats März einen denkbaren Bewegungsrahmen darstellt. Das betrifft als Etappenziel vor allen Dingen die Untergrenze, die ein Vier-Jahres-Tief markierte. Entsprechend der wirtschaftlichen Negativschlagzeilen könnte diese dann fallen. Dabei darf man aber nicht die deutsche Wirtschaft zugrunde legen. Man muss die Weltwirtschaft als Maßstab heranziehen. Trotz guter Preisaussichten erinnern wir an das Thema Energiesparen. Wir helfen dabei mit unserem kostenlosen Analysetool www.esytrol.com.

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