Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Marktverhältnisse, welche Marktverhältnisse?

Der Wille, den Ölmarkt als Finanzcasino zu nutzen, ist nicht zu bändigen. Gestern wetteten Spekulanten abermals auf Randnotizen mit bullischer Note, während starke bärischen Fakten unbeachtet blieben. Und sie hatten Erfolg. Die Preise stiegen um drei Prozent. Als Ursache des Anstiegs wurde ein Teilausfall der Förderung im Nordseefeld Buzzard in Nordengland genannt. Die Fehlmenge beträgt ungefähr 0,04 Mio. Barrel pro Tag. Unterstützung fanden Spekulanten zudem in einzelnen US-Konjunkturindikatoren. Das Geschäftsklima in der Region Philadelphia entwickelte sich besser als erwartet. Unterlegt wird das Ganze vom Atomstreit mit dem Iran. Spekulanten assoziieren damit Ausfälle von Öllieferungen.

Der Ausfallmenge in Nordengland steht eine Überproduktion gegenüber, die allein auf OPEC-Seite rund zwei Mio. Barrel pro Tag beträgt. Ein theoretisch denkbarer Totalausfall des iranischen Öls würde knapp vier Mio. Barrel pro Tag betreffen. Diese Fehlmenge kann derzeit von anderen Lieferanten ersetzt werden. Ein Ausfall ist allerdings kein realistisches Szenario. China würde ungeachtet aller denkbaren Maßnahmen gegen den Iran als Käufer des Öls einspringen. Das würde eventuelle Anspannungen in anderen Förderstaaten lösen. In den USA steigt die Zahl der Arbeitslosen entgegen anders lautender Prognosen weiter. Das Geschäftsklima im ganzen Land entwickelt sich schwächer als erwartet. Weitere bärische Faktoren sind die Straffung der chinesischen Geldpolitik, die Lage hochverschuldeter Staaten wie Griechenland und die hohen Lagervorräte in den USA. Ganz neu hinzu kommen ein erstes Zeichen zum Ende der lockeren amerikanischen Geldpolitik und ernste Schuldenprobleme Großbritanniens. Die könnten die griechische Tragödie bei weitem übertreffen.

Das stärkste bullische Argument ist kein Faktum, sondern eine Einschätzung. Diese kommt, wie so oft in der Rohstoffspekulation, von der Bank Goldman & Sachs. Das ist das Institut, dem Griechenland das Wissen zur Verschleierung von Staatsfinanzen zu verdanken hat. Diese Einschätzung sieht bereits für kommenden Herbst einen akuten Ölmangel voraus. Dann soll der Verbrauch das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben, weil sich die Wirtschaft komplett von der Krise erholt haben wird. In der Folgezeit wird sich der Investitionsstau der jüngeren Vergangenheit als Verknappung bemerkbar machen. Bei der Ölpreisentwicklung halten sich die Goldmänner trotz dieses Extremszenarios erstaunlicherweise zurück. Für dieses Jahr sehen sie einen Durchschnittspreis über 90 Dollar pro Barrel voraus. In 2011 soll er dann über 110 Dollar steigen. Angesichts dieser Darstellung des Zentralorgans der Preismanipulation bleibt dem gemeinen Spekulanten keine andere Möglichkeit, als dem bullischen Ruf zu folgen.

Vor dem Mangel kommt der Abbau von Vorräten. Wie es darum bestellt ist, zeigen die Daten zu den US-Beständen. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) liefern ein unterschiedliches Bild, das auf ein ähnliches Ergebnis hinausläuft. Ein Vorratsabbau ist darin nicht zuerkennen.

Rohöl: +3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,8 (DOE) bzw. 2,6 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung stieg auf 80 Prozent. In den Zahlen ist kein Ende der Nachfrageschwäche erkennbar.

Heute Morgen geben die hoch aufgelaufenen Ölnotierungen deutlich nach. Dabei kann es sich um ein kurzes Kassemachen handeln. Es kann aber auch eine Reaktion auf die neue Situation in der US-Geldpolitik sein. Für den zweiten Fall spricht der abrupte Anstieg des Dollars in der vergangenen Nacht. Die Tonne Gasöl kostet 613,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 77,90 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,21 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten gestern erneut zu. Sie kommen nun in den Bereich des letzten Preishochs vom Jahresbeginn. Die gesamte Bandbreite der vermuteten Seitwärtsbewegung wird dadurch ausgeschöpft. Nach oben geht es bald nur noch in einem Aufwärtstrend weiter. Angesichts der Randbedingungen ist es unwahrscheinlich, dass es dazu kommt. Unmöglich ist es allerdings nicht. Das zeigt die Preisentwicklung der letzten Tage, die eben diese Randbedingungen komplett ignoriert. Plausibel wäre eine Umkehr der aktuellen Preisrichtung nun allemal. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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