Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Motor der Preistreiberei stottert

Wenn man sich einmal mit der modernen Ausprägung der italienischen Mafia beschäftigt, kann man sich des Eindrucks einer inhärenten Affinität zur Investmentindustrie nicht erwehren. Beide Gruppen zeichnen sich durch starke, nach innen wirkende Subkulturen aus, die dem allgemeinen Wertesystem der sie aufnehmenden Gesellschaften diametral entgegen stehen. Gleichwohl gilt ihnen eine konservativ interpretierte allgemeingültige Moralauffassung, in der Religion und Leistungsbereitschaft hohe Bedeutung haben, als seelische oder psychologische Verankerung. Beide Gruppen agieren international. Beide Gruppen sind tief in politischen Entscheidungssphären vernetzt. Und beide Gruppen wachsen scheinbar grenzenlos. Neben weiteren Gemeinsamkeiten ergänzen sich beide Gruppen schließlich in der Ausprägung ihrer Geldgeschäfte. Dem Führungspersonal der Hauptkulturen in den unterschiedlichen Gesellschaften sollte es ein dringendes Anliegen sein, den genannten Subkulturen den Boden zu entziehen. In den USA ist dieses Anliegen augenfällig. Als Folge der Finanzkrise und des Regierungswechsels hat sich dort eine öffentliche Debatte über die Rolle der Investmentindustrie entwickelt, die zarte Pflanzen eines politisch konsequenten Vorgehens zeigt. Man bemüht sich, exzessive und preisverzerrende Spekulation am Ölmarkt zu limitieren. Man ist bestrebt Staatsgelder zur Stabilisierung „notleidender“ Banken wieder einzusammeln. Und man schaut bei Finanzgeschäften stärker als früher auf ihre korrekte Handhabe. Angesichts der skizzierten Affinität zwischen Mafia und Investmentindustrie muss es nicht wundern, dass bei genauerem Hinschauen Unkorrektheiten entdeckt wurden. Im Falle von Goldman Sachs wird so eine Unkorrektheit nun zur Anklage gebracht. Das sorgte für einen Paukenschlag in der Investmentszene, bei der Kurse gewaltig ins Rutschen kamen. Stark betroffen waren Ölnotierungen. Um diese hat sich Goldman Sachs in besonderer Weise „verdient“ gemacht. Die Bank ist der Motor der Ölpreistreiberei. Spekulanten fürchteten, dass der Casus Goldman Sachs kein Einzelfall bleiben wird. Die Angst ging um, dass weitere Klagen folgen werden.

Am Ende der 1980er Jahre als die Welt der Blockbildung müde war, gab es nicht nur einen Frühling für politische Freiheiten. Es gab auch einen Frühling in der Bekämpfung der Mafia. Insbesondere in Italien war die Hoffnung groß, dass man sich des gefräßigen Phänomens entledigen könnte. Aber in den drauf folgenden beiden Jahrzehnten entwickelten sich andere Werte. Diese Werte waren geprägt von einem neuen Glauben an wirtschaftliches Wachstum. Ausdruck fanden sie im rasanten Aufstieg der Investmentindustrie. Eine ganze Generation wuchs in einem wohlstandsorientierten, entsolidarisierten Wertesystem auf, in dem man sich eher mit der subversiven Subkultur Mafia arrangierte, als diese zu bekämpfen. So konnten sich zwei in ihrem Kern gesellschaftsgefährdende Branchen ungestört entwickeln.

Mindestens die Investmentindustrie ist natürlich nicht per se schlecht. Schlecht ist nur ihre mafiöse Ausbreitung. Ursprünglich wurde sie beispielsweise zum Abfedern von wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und zum Funktionieren einer sinnvollen Preisfindung am Ölmarkt gebraucht. Je erfolgreicher sie ihre Aufgabe verrichtete und je mehr Geld ihr zur Verfügung stand, desto mehr wurde sie allerdings zum Problem. Mittlerweile bestimmt sie die Ölpreisbildung durch pure Finanzmacht, die sie sich zuletzt durch sogenannte Staatshilfen erschlich. Realwirtschaftliche Zusammenhänge des Ölmarkts wie Angebot und Nachfrage, Reservekapazitäten, Öllagerbestände und Kosten der Förderung spielen heute keine Rolle mehr. Aktuell liegt der Rohölpreis geschätzte 30 Dollar pro Barrel oder 60 Prozent über dem fairen Preis. Die Differenz geht ausschließlich auf das Konto der Investmentszene. Diese reklamiert für sich, lediglich die Zukunft vorweg zunehmen. Da Öl in absehbarer Zeit knapp wird, wird der Preis ohnehin steigen.

Selbst wenn Öl bald knapp werden sollte, weil Peak Oil (Erreichen der maximal möglichen Fördermenge) erreicht werden würde, werden die Kosten für die Förderung niemals die erwarteten Preise von deutlich über 150 Dollar pro Barrel rechtfertigen. Die durchschnittlichen Kosten dürften kaum über 40 Dollar pro Barrel steigen.

Den Umgang mit der Verknappung einer für die Realwirtschaft und die Menschheit so wichtigen Ressource wie Öl einer unkontrollierten Subkulturszene zu überlassen, zeugt nicht von gesellschaftspolitischer Weitsicht oder Kompetenz. Die eine oder andere Nachhilfestunde zum Thema wäre der Elite dringend anzuraten. Man kann trefflich darüber diskutieren, ob das Thema noch marktwirtschaftlich zu behandeln sei oder ob Verstaatlichung angemessen ist. Man sollte aber nicht mehr über den Sinn oder Unsinn von Wetten auf Ölpreise diskutieren. Man sollte nur noch darüber sprechen, wie diese einzuschränken sind. Heiner Flassbeck, Direktor bei der UN-Handelsorganisation Unctad, bringt das Problem mit folgender Aussage auf den Punkt: An den Märkten kann man „unglaublich viel Geld verdienen, auch dann, wenn man nicht Werte schafft, sondern Werte vernichtet.“ Schlimm ist es, dass sich deutsche Politiker von den Finanzjongleuren blenden und wie „Zirkusbären am Nasenring“ herumführen ließen.

Heute Morgen scheinen sich die Herumführenden einigermaßen gut vom Goldman-Schock erholt zu haben. Sie sorgen schon wieder für anziehende Ölpreise. Die Tonne Gasöl kostet 690,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 82,21 Dollar. In London ist Rohöl 2,60 Dollar teurer. Das ist ungewöhnlich und zeugt von einer Schieflage des Marktes. Der US-Dollar wird zu 74,24 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise gaben in den letzten Tagen geradezu wunderbar nach. Der Anklage gegen Goldman Sachs sei Dank. Sie sind dadurch leicht unter ihre zuletzt gültige mittlere Anstiegslinie gefallen. Wir haben Zweifel daran, dass ohne eine weitere Anklage gegen die Investmentszene mehr Preisrückgang möglich ist. Noch sind die Zocker nicht in ihren Grundfesten angezählt. Noch können sie sich schnell erholen. Und dann ziehen die Preise umgehend wieder aufwärts. Deshalb scheint es uns ratsam, den Tank nach seinem Vorrat zu befragen (dabei hilft übrigens der elektronische Peilstab). Wenn der den baldigen Kauf nahelegt, sollte man handeln. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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