Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Motor stottert

Tags zuvor sah die Welt eines Finanzjongleurs wieder richtig freundlich aus. Insbesondere die unerwartet positiven Geschäftsaussichten Deutschlands, die auf ganz Europa ausstrahlen, animierten dazu, Geld in Unternehmenspapiere und Öltitel zu investieren. Kaum erworben verloren diese gestern erheblich an Wert, weil ein anderes Konjunkturdatum, der Einkaufmanagerindex, schlechte Aussichten anzeigt. So kann es gehen, wenn man Indikatoren aus Modellrechnungen folgt, die den Bezug zum realen Geschehen längst verloren haben. Politische Ereignisse in Frankreich und den Niederlanden verstärkten den Verlust der Aktien. Neue Produktionsausfälle an einer Ölplattform in der Nordsee glichen den Verlust bei Öltiteln bis zum Handelsschluss wieder aus.

Das gestrige Abtauchen der Aktiennotierungen ist keine schöne Begleiterscheinung zur Eröffnung der weltgrößten Industrieschau in Hannover. Zusammen mit dem diesjährigen Partnerland China möchte man eigentlich demonstrieren, dass der Wirtschaftskarren besser läuft als je zuvor. Aus Deutschland soll nichts Geringeres als die vierte industrielle Revolution in die Welt getragen werden. Sie soll die Warenproduktion auf eine neue Stufe heben. Man ist allerdings noch nicht mit der dritten industriellen Revolution fertig. Die demokratisiert und regionalisiert die Energieversorgung. Kommunikationstechnik und regenerative Erzeugung sind ihre technischen Grundlagen. Genaugenommen hat man kaum mit dieser dritten Revolution angefangen. Demokratisch ist die Energieversorgung beileibe nicht. Sie wird von wenigen großen Konzernen dominiert. Erzeugung und Verwendung von Energie basiert nach wie vor im Wesentlichen auf Öl, Gas und Kohle. Immerhin, China spielt in dieser Revolution eine wichtige Rolle. Zwar steht die Führungselite des Landes mit demokratischen Kommunikationstechniken auf Kriegsfuß. Bei der regenerativen Energieerzeugung ist das Land aber mittlerweile Weltspitze. Leider fällt das angesichts des gewaltigen Energiebedarfs kaum ins Gewicht.

Unter Nutzung regenerativer Energie soll nach dem Plan der Regierung die individuelle Mobilisierung der Volksrepublik geradezu explodieren. China soll globaler Leitmarkt für Elektromobilität sein. In drei Jahren sollen eine halbe Million Elektroautos auf den Straßen surren. In acht Jahren plant man mit fünf Millionen solcher Fahrzeuge. Bis heute ist ihre Zahl überschaubar. Ihr Zulassungsanteil liegt unter einer Promille. Technisch können die neuen Geräte nicht mit den eher klassischen Glanzprodukten europäischer Hersteller konkurrieren. Insofern ist es weder erstaunlich, dass Chinesen unsere Autos lieben, noch dass unsere Autoindustrie nicht das produziert, was wir brauchen, sondern was Chinesen und anderen wirtschaftlich emporstrebende Nationen gefällt. Die orientieren sich heute nicht an Ölpreisen, Nachhaltigkeitsfragen oder gar einer dritten industriellen Revolution. Sie dürften das Wort nicht einmal kennen. Die orientieren sich an dem, was uns einst glücklich machte und sozialen Status ausstrahlt. Unser der Wirtschaftswunderzeit entsprungenes Lebensmodell ist nach wie vor unser größter Exportschlager.

Es ist gut möglich, dass die chinesische Regierung von einer grünen Erkenntnis getragen wurde, als sie zum Leitmarkt für E-Mobilität blies. Definitiv ist ihr klar, dass der Öldurst eines klassischen chinesischen Automarkts bereits um 2020 nicht mehr von den Ressourcen dieser Welt gespeist werden könnte. Zudem war es folgerichtig, auf einen anderen Markt zu setzen, da die ölgetriebene Mobilität der etablierten Hersteller uneinholbar weit fortgeschritten ist. Auf diesem Gebiet kann die aufstrebende Industrienation China kaum punkten. Sie braucht ein eigenes Feld, das sie zur Blüte treiben kann. Mit der Proklamation zur E-Mobilität hat die Regierung die Industriepolitik der alten Autonation Deutschland ordentlich aufgewirbelt. Getrieben von Untergangsängsten wurde ein eigener Leitmarkt für Elektroautos ausgerufen. Zweifel am medial aufgewühlten Thema waren und sind in technisch kenntnisreichen Kreisen von Beginn an angezeigt. Geäußert werden sie indes kaum, weil sie im Widerspruch zum Zeitgeist stehen. Sie basieren auf grottenschlechten Energiebilanzen und auf Machbarkeitsgrenzen der vermeintlich sauberen Technologie. Die Fortentwicklung der Öl- und Gasmobilität im Individualverkehr bei konsequenter Ausrichtung auf Effizienz verspricht sowohl kurzfristig als auch über Jahrzehnte weit mehr energie- und ressourcensparenden Erfolg, als die Elektromobilität das auf lange Sicht erreichen kann. Wirklich hemmend für den „schnellen“ Weg ist der vermeintliche Käuferwunsch nach schweren und kraftvollen rollenden Hochsicherheitszellen, statt nach leichten, motorisierten Energiewundern. Um den konservativen Wunsch zu beflügeln, investiert die Autoindustrie jährlich Milliarden in entsprechende Propaganda.

Der Plan zur E-Mobilität funktioniert nicht. Das hat die chinesische Regierung mittlerweile erkannt. Sie korrigierte die ambitionierten Zahlen nach unten und lenkte die Industrie von reinen E-Mobilen weg zur Hybridtechnologie. Hauptgrund ist das Problem der Stromspeicherung. Die Batterien sind zu teuer und zu gefährlich. Ein konkreter Weg aus dem Dilemma ist immer noch nicht in Sicht. Hybridfahrzeuge entschärfen die Batterieprobleme. Sie verschärfen aber den Ressourcenverbrauch für die Fahrzeuge selbst. Früher oder später wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die Mobilitätsidee der alten Industrienationen kein global funktionierendes Modell sein kann, weil es zu ressourcenintensiv ist. Die Welt braucht vollkommen neue Ideen, wie Menschen zusammen leben und zusammenfinden können. Neue Kommunikationstechnologien werden dabei eine große Rolle spielen. Mit denen hat China aufgrund seiner undemokratischen Kultur ein besonderes Problem. Solange das so ist, wird das zu Wohlstand gekommene Volk die Autos unserer Industrie weiter lieben. Solange das so ist, gibt es zudem einen relativ ungestörten Raum, neue Dienstleistungen und Produkte für die postautomobile Gesellschaft zu entwickeln, die zukünftig exportiert werden wollen.

Bis es soweit ist, müssen wir steigenden Ölpreisen ins Auge schauen. Heute Morgen bewegen sie sich auf dem gestern erreichten Niveau. In den kommenden Wochen könnten sie aufgrund der guten Versorgungslage sogar etwas nachgeben. Am langen Ende wird die weitere Teuerung aber nicht zu verhindern sein, es sei denn, das Geld- und Finanzsystem crasht. Das wird die Politik unter Ausnutzung aller Mittel, auch der der Geringverdiener, zu verhindern suchen. Die Tonne Gasöl kostet 1.006,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,09 Dollar und in London zu 118,49 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,9 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen zu. Gestern waren dafür etwas Ölpreis- und mehr Dollarbewegung verantwortlich. Das Resultat ist erneut ein Tagesereignis, das wenig trendig ist. Wahrscheinlich wird die leichte Abwärtsbewegung dem Begriff Trend in den kommenden Wochen eher gerecht werden. Große Preisänderungen sollte man allerdings nicht erwarten. Und man sollte gerüstet sein, jederzeit auf ein plötzliches Ansteigen der Ölpreise aufgrund politischer Störfeuer reagieren zu können. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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