Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Na also, es geht doch

Die im besten Sinn des Wortes märchenhafte Preisbewegung der letzten Tage wurde gestern beendet. Die Protagonisten sind in die Realität zurückgekehrt. Dort finden sie eine gänzlich andere Lage, als sie zuvor im Börsengeschacher simulierten. Infolge des Realitätsschocks brachen die Notierungen ein. An der Spitze lag US-Rohöl WTI mit einem Minus von fast fünf Prozent. Es folgten Nordseeöl Brent mit knapp vier und Gasöl mit gut drei Prozent Verlust. Der Euro verlor knapp ein Prozent.

Die bullischen Aktionen der letzten Tage bleiben ein Rätsel, für dessen Klärung keine Zeit verschwendet werden sollte. Dieser finanzspirituelle Unsinn war bestimmt nicht der letzte seiner Art. Interessanter ist es, die Realität zu begreifen. Die hat eine Menge Öl zu bieten. Rund um den Globus wird viel Geld investiert, um die Förderung zu steigern. In den meisten Fällen geht es dabei schlicht um den Ausbau des Exportgeschäfts durch Mengen- und Umsatzwachstum. Russland und Saudi Arabien konkurrieren um den ersten Platz der Produktionsländer. Derzeit liegt Russland vorn. Die dritten ganz Großen im Bunde sind die USA. Auch sie bauen die Förderung aus. Auch sie wollen Geld verdienen. Sie wollen dabei aber weniger Außenhandel betreiben, um unabhängiger von Fremdlieferungen zu werden. Kuwait, der Irak, Venezuela und andere Länder in der zweiten Reihe der großen Ölproduzenten bemühen sich ebenfalls um mehr Erlöse aus dem Ölgeschäft. Sie alle investieren sehr viel Geld in ihre Infrastruktur. Dadurch wird das Angebot in den nächsten Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesteigert. Etwas Unsicherheit über das Gelingen besteht, weil die Ressourcen nicht mehr jungfräulich sind. Sie sind bereits zur Hälfte ausgebeutet. Diese Tatsache birgt die Gefahr, dass vereinzelt plötzlich kein Öl mehr im Bohrloch ist. Wirklich scharf sollte dieses Problem aber erst nach dem Jahr 2020 werden.

Nun muss das viele Öl auch verkauft werden, damit aus der Idee ein Geschäft wird. Diese Aufgabe könnte sich temporär als die schwierigere erweisen, weil die Weltkonjunktur kaum noch expandiert. Europa und die USA haben sich als Konsequenz des jahrelangen neoliberalen Umgangs mit Geld ein Suchtproblem eingehandelt, an dem sie heute leiden. In weiten Teilen ist die solide Funktion ihrer Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Und wie es bei nicht geheilten Süchtigen üblich ist, schreitet der Zersetzungsprozess fort. Die Therapie gegen die Sucht ist immer noch nicht gefunden. Im Gegenteil, noch wird der abhängigmachende Stoff, das Geld, gedruckt und gedrückt. Und selbst wenn die Therapie eines Tages gefunden und angetreten ist, wird die ordentliche Funktion des Organismus nicht umgehend wiederhergestellt sein. Die Wirtschaft wird weiter leiden. Für diese weit verbreitete These mehren sich die Belege. So meldete Deutschland einen Einbruch der Industrieproduktion von über drei Prozent im September. Ähnliches erleben europäische Nachbarn nun schon seit Jahren. In den USA sieht die Lage nicht viel besser aus. Daraus allein kann man schließen, dass die Ölnachfrage der alten Industrienationen schwach sein wird. Verstärkt wird die Schwäche durch sinnvolle Bestrebungen, Öl und andere fossile Energieträger einzusparen. Diese Tendenz besteht sogar in Schwellenländern. Dort wird sie allerdings durch das Wirtschaftswachstum konterkariert.

Alles in allem kann es also bald zu einem noch deutlicheren Überangebot an Öl kommen. Der hohe Preis dürfte dann nicht mehr zu halten sein. Es ist nicht angebracht, aus dem Realmarkt einen regelrechten Preiseinbruch zu prognostizieren. Dafür ist das virtuelle Geschehen am Finanzmarkt mit seiner pathologischen Psychologie zuständig. Dennoch bietet der Realmarkt in den nächsten Jahren Preissenkungspotenzial.

Aktuell wird dies bereits in den US-Bestandsdaten deutlich. Die aktuellen Zahlen des DOE (Department of Energy) nennen Aufbauten in allen Kategorien, trotz der infolge des Sturms Sandy eingetretenen Produktionsschwäche. Die Zahlen des API (American Petroleum Institute) sind weniger klar. Sie spielen für die Preisbildung grundsätzlich eine geringere Rolle.

Rohöl: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,8 (DOE) bzw. 1,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 85 Prozent gesunken. Das ist vor dem Hintergrund geringer Produktenbestände schwach. Der Umstand wird allerdings durch die noch schwächere Nachfrage glattgestellt. Die Bestandsdaten belegen den Verdacht, dass die Nachfrageschwäche stärker ausfällt als die Angebotsschwäche. Die Gesamtbevorratung ist vor dem Hintergrund der sinkenden Nachfrage üppig. Sie liegt drei Prozent über Vorjahresniveau, wie diese Grafik zeigt.

Heute Morgen ist eine kleine Gegenbewegung zum gestrigen Verlust zu beobachten. Grundsätzlich sollte der Rückgang aber weitergehen. Die Tonne Gasöl kostet 925,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 85,06 Dollar und in London zu 107,23 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 78,30 Eurocent.

Unsere Heizölpreise befinden sich wieder in guter Richtung. Sie geben nach. Die Bewegung vollzieht sich derzeit noch innerhalb eines kurzfristig gültigen charttechnischen Dreiecks, das einen Ausbruch zu höheren Preisen vermuten lässt. Ich halte die Charttechnik hier für unangebracht, um die nahe Zukunft zu prognostizieren. Der Markt signalisiert Preisrückgang. Dieser wird sicher keine berauschende Angelegenheit werden. Finanzjongleure wissen das zu verhindern. Wenn Ölangebot und Weltkonjunktur ihre Tendenz halten und wenn der Konflikt mit dem Iran nicht kriegerisch wird, sollte Heizöl im Winter dennoch günstiger werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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