Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Nachhaltigkeit jenseits des Modeworts

Die Ölpreise sind hoch, zu hoch mit Blick auf die gute Versorgungslage, zu hoch nach Meinung vieler Verbraucher, aber nicht hoch genug nach Meinung derjenigen, die um die Begrenztheit des kostbaren Stoffs wissen. Letzte sind keine Finanzjongleure, für die der Preis ohnehin nie hoch genug sein kann. Es sind Leute, die sich um gute Lebensperspektiven für die Menschheit sorgen. Viele von Ihnen haben für die Ölindustrie gearbeitet, als Wissenschaftler, als Geologen. Sie können das, was ihnen Sorgen bereitet, fundiert begründen. Diese Leute plädieren für einen geordneten Rückzug aus dem Vielverbrauch von Öl und anderen Rohstoffen. Nach vielen Jahrzehnten steigenden Verbrauchs muss sich die Menschheit ihrer Meinung nach umorientieren und einen bescheideneren Weg im Umgang mit endlichen Ressourcen finden.

Eine andere Gruppe von Wissenschaftlern hat bereits eine Klassifizierung der einzelnen Schritte zur Umorientierung entwickelt. Sie werden unter dem oft missbrauchten Titel der Nachhaltigkeit zusammengefasst. Im Einzelnen geht es dabei um Effizienz, Konsistenz und Vermeidung sowie um Suffizienz und Umverteilung. Einige dieser Worte rufen Befremden hervor, weil sie im normalen Sprachgebrauch kaum vorkommen. Schwer zu vermitteln sind ihre Inhalte deshalb aber nicht. Im wissenschaftlichen Sinn ist Effizienz die Frage nach der Ressourcenproduktivität. Hiermit braucht man nicht zu geizen, da ihr Mehr ein Weniger an Ressourcenverbrauch bedeutet. Konsistenz meint ein im ökologischen Sinn neutrales Wirtschaften in Kreislaufprozessen. Ins öffentliche Bewusstsein tritt Konsistenz mit der Müllwirtschaft. Für die rohstoffintensive Industrie ist ein entsprechendes Handeln längst Normalität, weil es nicht zuletzt kosteneffizient ist. Die Vermeidung im Nachhaltigkeitskontext schließt das Wort Gefährdung ein. Gemeint ist der Verzicht auf Handlungen und Techniken, durch die eine unbotmäßige Gefährdung der Menschheit verursacht wird. Die Atomenergie ist eine Technologie, für die nach Abwägung des Für und Wider Verzicht geboten ist.

Die drei genannten Aspekte betrachten die reine Technik, nicht den mit ihr agierenden Menschen. Sie behandeln die Sparsamkeit der Dinge. Die folgenden zwei Aspekte sind kultureller Natur. Sie behandeln die Sparsamkeit der Menschen. Suffizienz kann als menschliche Effizienz bezeichnet werden. Sie meint die Zufriedenheit mit dem Ausreichenden bzw. die Befreiung vom Überflüssigen. Als Genügsamkeit genießt sie einen mystischen oder gar kontemplativen Ruf. Suffizienz steht im krassen Widerspruch zum gängigen gesellschaftlichen Anreizsystem. Gleichwohl wird Genügsamkeit in der Überflussgesellschaft zunehmend attraktiv. Umverteilung als fünfter Begriff zur wissenschaftlichen Betrachtung von Nachhaltigkeit ist scheinbar gleichbedeutend mit der Umverteilung, wie sie in sozialpolitischen Gesellschaftsmodellen beschrieben wurde. Es geht in der Tat um die Nivellierung von Einkommen und Vermögen. Ziel ist aber nicht das grenzenlose Mehr an Vermögen, sondern die daraus resultierende Begrenzung des Bedarfs. Nach neoliberaler Denkweise fällt beim unbegrenzten Aufbau des Vermögens Einzelner genug Überfluss zum Wohl Vieler ab. Wirtschaftliches Wachstum ist dabei notwendige Voraussetzung für soziale Sicherheit. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass diese Denkweise nicht funktioniert. Bereits vor der Finanzkrise sanken die Realeinkommen der meisten Menschen hierzulande und weltweit trotz steigender Bruttoinlandsprodukte. Der Verzicht auf Umverteilung führt zu Verarmung des Groß der Menschheit und zu Umweltzerstörung. Dabei ist Deutschland im Weltvergleich noch eine relativ ausgewogene, intakte Gesellschaft.

Mit der Umverteilung schließt sich der Kreis zu den Ölpreisen. Ihre außerordentliche Höhe nützt wenigen Menschen und benachteiligt viele. Die einfache Formel, nach billigeren Preisen zu rufen, kann aber angesichts endlicher Ressourcen keine erkennbare Lösung sein. Die stereotype Idee der Politik, mehr Wettbewerb zu fordern, ist lächerlich. Wettbewerb funktioniert nur mit gleichberechtigten Marktteilnehmern. Die Gleichberechtigung ist aber längst zugunsten weniger allmächtiger Interessenvertreter von Banken und Energiekonzernen aufgegeben. Statt sich aus diesen Gruppen beraten zu lassen, wäre Politik besser beraten, sich mit den oben genannten Wissenschaftlergruppen ins Benehmen zu setzen und die Lösung der aktuellen Probleme losgelöst vom Tagesgeschehen mit Weitblick anzupacken. Grundlagen zum Denken des Neuen sind mittlerweile hinlänglich vorhanden.

An den Ölbörsen spielen diese Grundlagen keine Rolle. Das müssen sie auch nicht, denn schließlich geht es dort ausschließlich um das Mehren von Geld im Hier und Jetzt. Und das funktioniert immer noch sehr gut. Die Preise sind hoch und sie werden noch höher steigen. Um das vorherzusagen, muss man kein Prophet sein. Einzig bei der Vorhersage einzelner Preiseinbrüche ist die Fähigkeit des Propheten gefragt. Unsere Erwartungen wurden zuletzt enttäuscht. Jede identifizierte Abwärtschance erwies sich schnell als Chance für die Preissteigerungsfraktion. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 1.022,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 111,91 und in London zu 123, 68 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 68,49 Eurocent.

Unsere Heizölpreise halten sich wacker auf einem relativ guten Niveau. Das heißt nicht, dass sie günstig sind. Aber gemäß den Ölbörsen könnten sie teurer sein. Der schwache Dollar verhilft ihnen immerhin dazu, seit Anfang März nicht mehr gestiegen zu sein. Dieses Glück wurde einem US-amerikanischen Verbraucher nicht zuteil. Er muss mit ständiger Preiserhöhung leben. In den kommenden Tagen rechnen wir mit keiner nennenswerten Änderung der Lage. Nicht zuletzt deshalb ist es gut, weniger Energie zu verbrauchen. So kann das beispielsweise zuhause geschehen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen