Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Politik muss reden

Fällt die Börse, freut sich der Heizölkunde. Das klingt gut. Es stimmt aber nicht. Aus den Unruhen an den Finanzmärkten konnten Verbraucher bisher keinen Vorteil ziehen. Die Heizölpreise haben sich auf hohem Niveau festgesetzt. Kaum anders sieht es beim Rohstoff Öl und bei Gasöl aus. Ihre Preise folgen zwar seit April einem Abwärtstrend. Der ist aber so schwach, dass er in Euroland nicht wahrgenommen wird. Einzig US-Rohöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate) verbilligte sich im genannten Zeitraum spürbar. Das kommt Raffineriegesellschaften und Autofahrern in den USA zugute. Einstandskosten und Benzinpreise sinken seit einem halben Jahr. Das geschieht nicht im Gleichtakt. Es erfolgt mit einem Unterschied, der den Produzenten wachsende Margen in die Kassen spült. Verbrauchern ist Benzin trotzdem zu teuer. Sie reagieren mit Verzicht. Heizölpreise bewegen sich in den USA ähnlich wie in Europa, nämlich seitwärts. Fazit: Den Ölgesellschaften geht es mit wenigen Ausnahmen prächtig, Verbrauchern nicht. Sie fühlen sich betrogen. Viele suchen das Heil im drohenden Finanzkollaps gemäß dem Motto, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Dem kann die Politik nicht folgen. Drastische Lösungen gehören nicht zu ihrem Repertoire. Ihr Handwerkszeug ist in erster Linie die beruhigende Kommunikation. Es gilt überbordende Emotionen in aufbrausenden Bevölkerungskreisen, zu denen heute auch Finanzjongleure gehören, zu kanalisieren und zu besänftigen. In demokratischen Gesellschaften kommt der Politik nicht die Rolle des Lenkens, sondern die der politischen Unterhaltung und Moderation zu. Das Lenken ist Sache des Volkes. Weil Volkes Meinung plural ist, erfolgt Lenkung behäbig.

Am Beispiel unseres Finanz- und Geldsystems wird die Behäbigkeit deutlich. Dieses System ist aus dem Ruder gelaufen. Den meisten Menschen ist es mehr Last als Dienst, da es ungerechte Vermögensverteilung befördert und Gerechtigkeit behindert. Die Konstruktion des Systems führt zwangsläufig zu außerordentlichem Wohlstand sehr weniger Menschen und zu sinkendem Wohlbefinden der großen Mehrheit. In den alten Industrieländern befinden sich die großen Vermögen in den Händen weniger Familien. Sie sind die wesentlichen Kreditgeber ihrer Gesellschaften. Jahr für Jahr sinkt die Handlungsfähigkeit der öffentlichen Institutionen, weil ihr die freien Finanzmittel fehlen. Hinter diesem Vorgang steckt keine Böswilligkeit, sondern Sachzwang. Als Ausweg aus dieser Lage bietet sich, wenn man einen radikalen Systemwechsel ausschließt, nur die Umverteilung der extrem hohen Vermögen zugunsten der gesamten Gesellschaft. Das tut niemandem wirklich weh, da dabei niemand das menschliche Wohl verlieren wird. Nun ist Umverteilung in den entwickelten Gesellschaften selbst im Verständnis breiter Bevölkerungskreise ein Sakrileg. Heute ist keine Mehrheit dafür denkbar. Somit bleibt Politik keine andere Wahl als Umverteilung in ablehnenden Bildern und Geschichten zu beschreiben. Die politische Kommunikation folgt der Mehrheitsmeinung.

Beim Thema Energie hat sich Politik bewegt, weil sie sich bewegen musste. Die Bewegung kam deutlich erkennbar nicht aus dem Innenleben der beherrschenden politischen Strömungen. Sie folgte der Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung. Innerhalb der arrivierten Politik gibt es wahrscheinlich mehr Zweifel am eingeschlagenen Kurs als in der Bevölkerung. Diese Zweifel sind, wenn man den Status quo als stabil ansieht, sehr berechtigt. Die Abkehr vom bekannten Energiesystem ist ein Weg in unbekanntes und unsicheres Terrain. Dieser Weg wird Fehlentwicklungen und ihre Korrekturen mit sich bringen. Bis heute gibt es keine verlässlichen Beschreibungen über das oder die Ziele. Es gibt lediglich Hoffnungen und biblische Bilder. Die enorme Gefährdung, die von der Atomenergie als Teil des alten Energiesystems ausgeht, legt den neuen Weg dennoch nahe. Für viele Menschen macht sie ihn zur Pflicht. Das gleiche Argument gilt mit Blick auf das Öl. Zwar ist die akute Gefährdung vor Ort nicht ansatzweise vergleichbar mit der durch die Atomenergie. Leben und Wohlergehen sind auf Dauer aber ebenso betroffen. Öl ist ein endlicher Stoff, um dessen Ressourcen gerungen wird. Das Ringen wird zunehmend Kriege auslösen, aus denen sich unser Land nicht heraushalten kann. Für jeden Bürger ist das Problem im Ölpreis und den an den Ölpreis angeschlossenen Waren und Leistungen bereits heute spürbar. Wir hoffen, ihm durch geschicktes spekulatives Handeln begegnen zu können. Wir warten auf den kurzen, günstigen Moment, der den Vorteil bringt. Die Taktik kann funktionieren. Eine Strategie für Wohlergehen ist das nicht. Die muss aus der Energiewende geboren werden. Und diese wiederum ist in erster Linie eine Sache des Konsumentenverhaltens. Die Politik wird auch hierzu am Ende die Geschichte erzählen, die nach einem von ihr gelenkten Prozess klingt. In diesem Prozess spielt heute immer noch das Energieangebot die dominierende Rolle. Das enorme Potenzial, das in der Reduzierung der Energienachfrage steckt, wird ungenügend aufgegriffen. Es ist das Potenzial des „kleines Mannes“, das Großes hervorbringen kann. Wer sich darum kümmert, fragt nicht zuerst nach dem richtigen Energieträger, sondern nach dem angemessenen Verbrauch. Und mit eben diesem angemessenen Verbrauch ist selbst Öl noch lange Zeit ein guter Energieträger.

Heute Morgen tendieren die Ölpreise wieder seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet 945 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 87,86 Dollar und in London zu 112,03 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,73 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Der kurzfristige Aufwärtstrend, in dem sie sich befinden, ist gleichwohl intakt. Der übergeordnete mittelfristige Trend zeigt seitwärts. Dieser bildet bis auf Weiteres den dominanten Preisrahmen. Von den Börsen kommen derzeit Preiskomponenten aus dem Öl- und aus dem Devisenmarkt, die sich gegenseitig weitgehend annullieren. Es bleibt die Hoffnung auf einen kräftigen Einbruch der Heizölpreise im Zuge einer veritablen Finanzkrise. Dass diese kommt, ist durchaus wahrscheinlich. Dass man mit ihr ein zeitlich passendes Geschäft machen kann, ist höchst spekulativ und gering empfehlenswert, da es mit dem Leerstand des Heizöltanks enden kann. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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