Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Preisdruck ist heute

Wer in Öl macht, hat derzeit nichts zu lachen. Es wird mehr produziert, als die Kunden brauchen. Die OPEC hält ihre Quoten immer weniger ein. Übervolle Lager lassen sich nicht abbauen. Hoffnungen auf einen spürbaren Konjunkturanstieg werden nicht bestätigt. Nun kommen Sorgen hinzu, dass China durch eine übertriebene Straffung der Geldpolitik den für andere Länder wichtigen Aufschwung abwürgt. In den USA brechen die Hausverkäufe rasant ein. In Deutschland kühlt sich das Konsumklima hartnäckig ab. Und selbst der Winter, der diesen Namen nach Jahren gelebten Klimawandels mal wieder verdient, erweist sich nicht als Heizölhändlers Freund. Kunden wollen keinen Brennstoff kaufen. Sie üben sich erneut in der Praxis des Aussitzens. Statt in eine Schockstarre zu verfallen, versuchen Händler den wirtschaftlichen Meuchelmord der Konkurrenz durch radikalen Margenverzicht. Das Gros der Verbraucher lässt das unbemerkt und unbeeindruckt geschehen. Ein allgemeiner Kaufanreiz sieht anders aus.

Der könnte durch den Angriff auf das Zentralorgan der Ölpreisbildung, die Finanzindustrie, ausgelöst werden. Dass eben diese Finanzindustrie mit ihren Casinoinvestments maßgeblich für den Anstieg der Ölpreise verantwortlich ist, weiß nur ein kleiner, gut informierter Teil der Heizölverbraucher. Gleichwohl drängt sich das Bild auf, dass es bei allen Verbrauchern einen siebten Sinn für ungerechtfertigt hohe Preise gibt. Wenn sie zur Marktrealität werden, setzt ein Verweigerungsreflex ein. So war es in 2007. So scheint es nun wieder zu sein. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es zu einer Nachfragewelle kommen, sobald die Preise die Umklammerung der Finanzspekulanten los sind. Obamas Attacke auf die Casinomentalität der Finanzindustrie ist definitiv ein freundlicher Akt für den Verbraucher und den Heizölhandel. Trotz vieler Widerstände ist es nicht ausgeschlossen, dass diese Attacke erfolgreich sein wird.

Sollte sie die Finanzindustrie in die Schranken weisen, ist der Weg frei zu tieferen Preisen. Damit wäre die Welt der Verbraucher und der Ölwelt aber nur temporär in Ordnung. Es gibt preistreibende Einflüsse, die derzeit unter den Teppich gekehrt sind. Sie werden früher oder später ans Tageslicht kommen. Zum einen ist da das langfristige Problem des endlichen Rohstoffs. Dieser wird eine natürliche Teuerung erleben, die weniger auf Finanzexzesse als vielmehr auf spürbare Knappheit zurückzuführen sein wird. Zum anderen steht die Ölwelt in ihrem ergiebigsten Zentrum am Persischen Golf vor einer Zerreisprobe. In Saudi Arabien lagern die größten Reserven der Erde. Die gesamte Region verfügt über 60 Prozent des Weltöls. Ausgerechnet hier wachsen vielfältige Bedrohungen. Es gibt eine große gesellschaftliche Kluft zwischen Arm und Reich. Religiös motivierte Terrorzellen finden ihren Nährboden. Dieser wird teilweise durch die extreme politische Ausrichtung der iranischen Regierung befruchtet. Teheran strebt die Herrschaft über die gesamte Region an. Dabei wird die politische Führung von einer messianischen Weltverbesserungsidee getrieben. Sie findet unter anderem Ausdruck im Atomprogramm, das in spätestens zwei Jahren zum Bau der Bombe führen wird. Sie zeigt sich in kleineren, offen ausgetragenen Scharmützeln um ein irakisches Ölfeld, wie jüngst geschehen. Und sie kommt verdeckt durch die Unterstützung verschiedener politischer Gruppen in benachbarten Ländern daher. Die besonders im Libanon öffentlich tätige Hisbollah ist das bekannteste Beispiel. Der Arm dieser Gruppe reicht bis nach Venezuela und Lateinamerika. Derzeit betreibt der Iran die intensive Einflussnahme im Jemen. Die westliche Welt ist bemüht, dem Herrschaftsstreben politisch entgegenzutreten. Erfolge sind kaum zu erwarten. Denn mit China, das an Irans Öl und Gas interessiert ist, gibt es einen potenten Gegenpart zu den USA und zur EU. Wie aufgeladen die Lage ist, wird aus einer Umfrage Katars deutlich, die vor einigen Wochen in der Region stattfand. Die Frage, ob der Iran oder Israel als größere Bedrohung an gesehen wird, wurde eindeutig mit Iran beantwortet. Aus heutiger Sicht ist nicht zu erwarten, dass sich die Probleme demnächst auflösen werden. Wahrscheinlicher ist, dass sie in Zukunft eine unangenehme Auswirkung auf die Ölpreise haben werden. Die Finanzszene mag sich daran ergötzen. Aber wer weiß, ob sie es dann noch kann. Verbraucher werden sich daran nicht erfreuen.

Heute Morgen hat der Ölpreis mit derlei Themen nichts zu tun. Er orientiert sich am Druck auf die Finanzindustrie und am bärischen Markt. Die Preise fallen wieder. Die Tonne Gasöl kostet 584 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,29 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,93 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise haben ein ordentliches Stück nachgegeben. Die aktuelle Marktstimmung deutet auf weiteren Rückgang hin. Es ist schwer vorzustellen, dass die Finanzindustrie die jüngsten Nackenschläge locker wegstecken kann. Aber dass sie es schafft, hat sie immer wieder bewiesen. Insofern wäre jede vermeintliche Gewissheit, dass die Preise nach unten gehen müssen, fehl am Platz. Der vorsichtige Rat lautet, wer es sich auf Grund seiner Tankfüllung leisten kann, sollte die Zeit aussitzen, bis sich noch günstigere Preise bieten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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