Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Preistendenz aufwärts

Die aktuellen US-Bestandsdaten fallen besser aus als erwartet. Das dämpfte die Aufwärtsbewegung der Preise. Die grundsätzliche Tendenz zur Teuerung bleibt aber im Markt. Der Dollar legte nach zwei sehr verlustreichen Tagen gestern eine Pause ein. Die Tendenz eines Kursrückgangs gegenüber dem Euro bleibt ebenfalls erhalten.

Nachdem die Stimmung an den Ölbörsen über Wochen sehr ausgeglichen, teilweise sogar bärisch war, ist sie nun mehrheitlich bullisch. Verschiedene Umstände haben in den letzten Tagen zum Wandel der Einstellung beigetragen. Begonnen hat die Veränderung mit Spekulationen über Versorgungsengpässe für Benzin in den USA. Börsianer antizipierten die üblicherweise im Frühjahr einsetzende Sorge, weil die aktuellen Daten über Vorräte und Raffineriekapazitäten erwarten lassen, dass sich die alljährlich wiederkehrende Situation auch in diesem Jahr einstellen wird. Da das weltweite Nachfragewachstum sehr hoch ist, ist der Gedanke an eine Auflösung des Problems abwegig.

Der vom Benzin ausgehende Aufwärtsimpuls wurde von Forderungen einiger OPEC-Mitglieder nach Drosselung der Liefermengen unterstützt. Die OPEC kann die Märkte z.Z. übermäßig gut versorgen. Auf Grund des Nachfragewachstums ist die Wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende Ölschwemme aber gegen Null gehend. Daran wird selbst Russland mit einer Erhöhung der Förderung nichts ändern. Im Gegenteil, Russland hat es trotz dieser Erhöhung geschafft, die Märkte zu erschüttern. Der Gasstreit mit der Ukraine hat aufblitzen lassen, welche Gefahren für Verbraucher in einer Versorgung durch das öl- und gasreiche Land liegen. Die Nähe der russischen Versorgungsunternehmen zur Politik führt dazu, dass Kunden dieser Unternehmen nicht nur solvent sondern auch politisch genehm sein müssen, um sichere Geschäftsbeziehungen pflegen zu können. Die Lage in Russland ist zwar grundsätzlich anders als in den unsicheren arabischen Wüstenstaaten. Die Versorgungssicherheit, die westliche Industrienationen erwarten, ist aber keineswegs höher. Die Erkenntnis ist zumindest für die Börse neu bzw. neu belebt. Für die Preisbildung ist sie brisant.

Nachdem die Märkte durch den russischen Akt aufgescheucht waren, meldete sich der als Endzeitprophet bekannte, ehemalige Berater George Bushs Matthew R. Simmons zu Wort. Die von ihm lancierte Behauptung, dass eine Steigerung der Ölförderung nicht mehr möglich sei, weil die Ausbeutung der Reserven am Limit sei, ist zwar nicht neu. Ihre giftige Wirkung an den Börsen tat sie aber doch. Simmons argumentiert in die gleiche Richtung wie Colin Campbell. Unter dem Begriff Peak Oil veröffentlichen sie und andere ihre Ideen von der überschrittenen höchstmöglichen Ölförderung. Ihr Kredo lautet, von nun an geht?s bergab. Das Nachfragewachstum wird sich in den kommenden Jahren aber eher beschleunigen. Daher muss, so die Argumentation, der Ölpreis explodieren. Peak Oil wird unter Fachleuten sehr kontrovers diskutiert. Die Thesen sind äußerst umstritten. Zur richtigen Zeit aufgefrischt verhelfen sie Spekulanten üblicherweise zu lukrativen Gewinnen mit Ölpapieren.

Ein weiteres bullisches Argument kommt aus den USA. Nach den Hurrikanen des Jahres 2005 gab es eine spürbare Bewegung zum Energiesparen. Sie trug mit dazu bei, dass sich die Preise im Herbst entspannten. Skeptiker bezweifelten die Nachhaltigkeit der ?neuen Sparsamkeit? in den USA. Nun scheinen diese Skeptiker recht zu bekommen. Sowohl der Benzin- als auch der Heizölverbrauch sollen in den letzten vier Wochen über dem Verbrauch des entsprechenden Vorjahreszeitraums gelegen haben.

Keine Unterstützung der bullischen Stimmung kam dagegen von den Bestandsdaten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten folgende Werte vor:

Rohöl: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,5 (DOE) bzw. 4,9 (API) Mio. Barrel. Das ist befriedigend. Weniger befriedigend ist der Umstand, dass die Importe gegenüber der Vorwoche und dem Vorjahr gefallen sind und dass die Raffinerieverfügbarkeit nicht besser wird. Sie beträgt nur 90 Prozent. In Deutschland wird ein Jahresdurchschnittswert von 99 Prozent erreicht.

Im mehrjährigen Vergleich ist die Rohöllagerung gut, die Heizöl- und Benzinlagerung durchschnittlich. Das Problem bleiben die knappen Raffineriekapazitäten. Dennoch geht ein relevanter Teil der Ölpreissteigerung z.Z. vom Rohöl aus. Es stellt sich die Frage, ob Rohöl die Heizölpreise als nächstes hochziehen wird, oder ob Heizöl die Rohölpreise dämpfen wird. Aktuell legt die Stimmungslage den ersten Teil des Satzes nahe. Die Einschätzung ist aber allemal spekulativ.

Heute Morgen ist Dämpfung angesagt. Der Gasölpreis gibt etwas nach. Die Tonne kostet 534 $.

Unsere Heizölpreise verlaufen weiter seitwärts. Den deutlichen Preissprung des Weltmarkts machten sie nicht mit. Der stark fallende Dollar wirkte sich sehr verbraucherfreundlich aus. Zwar wächst die Gefahr steigender Heizölpreise. Dennoch halten wir noch an unserer Prognose fest, dass sich Heizöl in nächster Zeit in den Grenzen der Novemberpreise bewegen wird.

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