Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Quo vadis Ölpreis?

Der Ölpreis hat kaum etwas mit dem Ölmarkt zu tun. Diese absurd klingende Feststellung gilt als ultima ratio zur Preisbildung. Der Preis der physischen Ware Öl folgt den Börsenkursen des Warenterminhandels. Die meist bilateralen Verträge zwischen Verkäufern und Käufern zum Warengeschäft enthalten mehrheitlich entsprechende Formeln, die auf den Papierhandel verweisen. Der Sachverhalt ist vergleichbar mit der Gaspreisbindung an den Ölpreis. Häufig wird diese Bindung kritisiert, weil die physischen Gegebenheiten beider Märkte nicht vergleichbar sind. Trotz angebrachter Kritik kennt man bis heute keine effizientere Methode, zur Implementierung von Marktverhältnissen.

Der Börsenhandel von Ölpapieren ist effektiv, weil er ein hohes Volumen bzw. hohe Liquidität aufweist. Kritikwürdig ist er, weil er sich nicht mehr an den durch Angebot und Nachfrage der Ware beschriebenen Gegebenheiten orientiert, sondern am Interesse der Finanzindustrie an den Papieren. Ihre Wertentwicklung ist insbesondere nach der Finanzkrise zu einem Markt finanzieller Möglichkeiten verkommen. Wie bei bestimmten Glücksspielen können Gewinne durch den Einsatz besonders hoher Mittel erzwungen werden. Voraussetzung für die Dominanz der Finanzindustrie ist ihre außerordentlich hohe Liquidität. Durch neue Regeln wäre es möglich, den Primat des Finanzinteresses zu Gunsten physischer Handelsinteressen zurückzudrängen. Da es sich um ein komplexes System handelt, das durch Hinzufügen neuer Regeln eine Komplexitätssteigerung erfährt, ist nicht gewährleistet, dass solche Regeln den gewünschten Erfolg bringen. Die Erfahrung lehrt, dass höhere Komplexität Chancen für besonders intelligente Einflussnahme eröffnet. Die Herausgeber der Regeln verfügen meist nicht über eine adäquate Intelligenz, so dass die Einflussnehmer erneut im Vorteil sind. Im Falle staatlicher Regelungen ist das definitiv der Fall. Staaten müssten vernunftgemäß Komplexität abbauen, um handlungsfähig zu bleiben.

Überlegungen zur Ölpreisentwicklung müssen bis auf Weiteres ohne neue Handelsregeln angestellt werden. Während früher einzig das Ölangebot und die Ölnachfrage preisbestimmend waren, kommt heute die Liquiditätslage der Finanzindustrie hinzu. Das heißt nicht, dass früher keine vielfältigen Einflüsse aus Politik, Wirtschaft, Natur, Technik und Finanzen auf den Preis einwirkten. Das Potenzial finanzieller Mittel war aber noch nie so groß wie heutzutage. Ein simples Modell sieht nun folgende Möglichkeiten der Preisbildung vor: Hohes Ölangebot und hohe Liquidität wirken, wie jüngst deutlich wurde, bullisch. Geringes Ölangebot und hohe Liquidität wirken, wie vor der Krise zu beobachten war, ebenfalls bulllisch. Hohes Ölangebot und geringe Liquidität wirken bärisch. Geringes Ölangebot und geringe Liquidität werden wahrscheinlich auch bärisch wirken. Beide bärischen Fälle sind Depressionsszenarien.

Momentan sieht es so aus, als sollte die Phase hoher Liquidität zu Ende gehen. Ausgelöst wird das Ende durch die mittlerweile zum Thema gewordenen Staatsverschuldungen. Zwar war die Verschuldung der Marktteilnehmer schon lange außerordentlich hoch, ohne dass das der Liquidität abträglich war. Im Gegenteil, sie war die Voraussetzung für die hohe Liquidität. Solange das Modell Wachstum über Verschuldung salonfähig war, funktionierte es. Indem aber klar wird, dass Verschuldung die Funktion von Staaten infrage stellt, droht es zu kippen. Seit dem der Lauf zu immer mehr Finanzvolumen losgetreten wurde, drängte die Finanzwelt auf Rückzug der Staaten aus ihren Belangen. Sie war sich offenkundig nicht darüber im Klaren, dass nach weniger Staat gar kein Staat folgt und dass gar kein Staat die Auflösung jedweder Ordnung und schließlich ihres eigenen Handlungsrahmens bedeutet. Nun scheint die Lektion gelernt zu werden. Das kann eine neue Krise auslösen. Sie besteht im Verlust der selbstverständlichen Geschäftsgrundlage oder anders ausgedrückt im Verlust ihres bis dato gültigen Sinns. Dadurch wird ein Zwang zur Auflösung von Verschuldung ausgelöst. Dem Markt wird Liquidität entzogen. Die Wirkung auf die Ölpreise ist bärisch.

Heute Morgen wehrt sich die Finanzszene am Ölmarkt gegen ein solches Szenario. Die Preise steigen. Dass das als Grundlage für den ganzen Tag und darüber hinaus Bestand haben soll, darf bezweifelt werde. Der Abwärtstrend sieht zumindest sehr stabil aus. Die Tonne Gasöl kostet 571 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 72,17 Dollar. Der US-Dollar wird zu 72,89 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie profitierten zuletzt von fallenden Ölnotierungen und einem kaum veränderten Dollar. Der generelle Trend zu tieferen Preisen sollte erhalten bleiben. Der Dollar wird diesen Trend in den Heizölpreisen weiterhin stören. Mit Gegenreaktion einer sich wehrenden Finanzindustrie muss gerechnet werden. In dem Moment, in dem ihr die Staatengemeinschaft mittelbar durch die Hilfe für notleidende Staaten erneut zu Hilfe kommt, wird sich der Trend zunächst aufwärts drehen. Derzeit können Verbraucher noch auf tiefere Preise mit recht guten Erfolgsaussichten spekulieren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir das kostenlose www.esytrol.com.

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