Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Verbraucher drücken Ölpreis

Der Dampf ist aus dem Kessel. An den Ölbörsen wird der Status quo gehalten. Um die Preise tiefer fallen zu lassen, brauchen Finanzjongleure das nächste Schockerlebnis. Irgendwo in der industrialisierten Welt muss ein weiterer Teil der Nachfrage wegbrechen. Der bisher aufgelaufene Preiseinbruch ist dem Benzinschock vom US-Markt zu verdanken. Die Frühjahrsnachfrage hat dort den niedrigsten Stand seit neun Jahren erreicht. Spekulanten hatten auf einen kräftigen Anstieg zum Sommer gesetzt. An den glauben sie nun nicht mehr.

Es ist gut zu sehen, dass es neben nicht vorhandenen oder versagenden Regierungsaktivitäten zum Einfangen hemmungsloser Finanzaktivisten eine weitere Instanz gibt, die Einfluss nehmen kann. Dieser Instanz ist von einflussreicher Seite die Rolle des hemmungslosen Verbrauchers zugewiesen. Mit dieser Rolle sind viele Amerikaner offensichtlich nicht mehr einverstanden. Sie verweigern die Darstellung benzinabhängiger Monster, die die Welt teilweise bewundernd, teilweise angewidert in ihnen bisher sah. Anders als in Deutschland, wo man, wenn man Energiewende sagt, Atomausstieg meint, führt in angelsächsischen Ländern das nahende Ende des Ölrauschs zu einer kritischen Reflektion der eigenen Verhaltensweise. Während Veränderung hierzulande als verbrauchsneutrale Technologieerneuerung diskutiert wird, kümmern sich fortschrittliche Angelsachsen um die Veränderung der eigenen Lebensverhältnisse. Der Atomenergienutzung stehen sie dabei ebenfalls zunehmend kritisch gegenüber.

In ihrer Eigenschaft als Verbraucher agieren US-Amerikaner effektiver als wir, da sie den bei weitem relevanteren Teil der Versorgung thematisieren, den Ölverbrauch. Dieser bestimmt den primären Energiekomplex hier wie dort zu 39 Prozent. Atomenergie hat in den USA lediglich einen Primäranteil von neun, in Deutschland von zehn Prozent. Die informierten Bevölkerungsteile der alten Industriegesellschaften wissen längst, dass die Herausforderung der Zukunft darin besteht, einen deutlich niedrigeren Energieverbrauch zu erreichen. Dass die Ökonomien dabei keinen Totalschaden nehmen dürfen, versteht sich von selbst. Wenn die Drosselung des Energieverbrauchs in höheren als lediglich homöopathischen Dosen zur Aufgabe wird, liegt es nahe, eher über den ersatzlosen Verzicht von Atomenergie zu diskutieren als über ihre Substitution durch regenerative Energieträger. Abwegig ist es zudem, in Deutschland pompöse Bilder einer solaren Energieversorgung zu entwerfen. Diese passen nicht in unsere Breitengrade. Sonne in Form von Photovoltaik deckt trotz der gewaltigen Förderung, die sie erfahren hat, nicht einmal zwei Prozent des Strombedarfs. Am Primärenergieaufkommen hat ihr Anteil eine Null vor dem Komma.

Verzicht ist nicht die Ausdrucksweise von Regierungen und nicht die Denkweise von Wirtschaftskapitänen. Die heben die Bedeutung billiger Energie für ihre Unternehmen hervor. Der Wunsch ist so verständlich wie unrealistisch. Strom wird seit Jahren trotz vermeintlich billiger Atomkraft, bei der die wirklichen Kosten nie gezahlt werden, teurer. Gleiches gilt für Öl. An der Entwicklung wird sich solange nichts ändern, wie der Energiebedarf steigt. Dabei ist nicht die nationale Grenze des Bedarfs entscheidend, sondern das, was global nachgefragt wird. Der vorausschauende Lenker tut gut daran, nicht an unhaltbaren Umständen festzuhalten. Unter den vielen tausend Energieversorgern Deutschlands hat die große Mehrheit längst begriffen, welche Geschäftspolitik Zukunft hat. Öffentliches Gehör finden aber meist nur die vier ganz großen Versorger, die am Gestern festhalten. Es sind die vier Atomanlagenbetreiber. Ähnlich verhält es sich im produzierenden Gewerbe. Wer ein Unternehmen zukunftsfähig macht, klagt nicht über steigende Energiepreise. Er bemüht sich um Unabhängigkeit von diesen Preisen.

Und der Verbraucher? Auch er muss sich um sinkende Abhängigkeit von Energiepreisen bemühen. Der Verbrauch muss gesenkt werden. Dass dabei bisweilen ein doppelter Erfolg herauskommen kann, haben uns die US-Bürger in diesen Tagen gezeigt. Sie kaufen weniger Sprit für ihre Autos und erhalten diesen sogar noch billiger, weil sie die Finanzszene mit ihrem fortschrittlichen Verhalten schocken konnten. Weniger Auto zu fahren und sich zu Fahrgemeinschaften zusammenzufinden, ist auch hierzulande ein Weg, gegen unzulängliche Politik zu opponieren und die Energiekosten zu senken. Er kann aussichtsreich sein. Der aussichtsreichste Ansatz zur Senkung des Energieverbrauchs steckt nach einhelliger Meinung in den Gebäuden. Die energetische Erneuerung der Wohnsubstanz Deutschlands bietet das größte Einsparpotenzial unseres Energiekomplexes. Europaweit angewendet hat es sogar die Kraft, Öl- und Gaspreise zu drücken.

An den Börsen würde man mit einem visionären Zukunftsprogramm „Erneuerung des Wohnraums“ für Bewegung sorgen. Ein solches Programm würde die Wirtschaft beflügeln und die Energiepreise dämpfen. Ein solches Programm wird nicht kommen, weil Politik nicht den Mut dazu aufbringt. So müssen Verbraucher versuchen, ihre individuellen Lösungen zu einem Programm werden zu lassen. Heute Morgen gibt es keine programmatische Bewegung beim Ölpreis. Er dümpelt uninspiriert herum. Die Tonne Gasöl kostet 921,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,91 Dollar und in London zu 110,50 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,58 Eurocent.

Unsere Heizölpreise schwingen ohne große Ausschläge seitwärts. Weder die Öl- noch die Devisenbörsen lassen derzeit eine zielgerichtete Gangart erwarten. Mit ein paar Wirtschaftsdaten, die die Abkehr vom exzessiven Ölkonsum unterstreichen würden, ließe sich das sicher ändern. Sie könnten die Preise drücken. Auch wenn der Einfluss des einzelnen Verbrauchers auf den Gang im Großen verschwindend gering ist, ist es allemal richtig, zur Senkung des Energieverbrauchs beizutragen. Dabei ist Wärme der Riese im Wohnbereich.

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