Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Vom Gerede um den Preis

Nachrichten sind das Brot der Börse und die Butter der Täuschung. Ohne Nachrichten gäbe es keine Preisbewegung. Zu viele Nachrichten führen zur Degeneration der Märkte. Die relevante Nachricht dieser Tage handelt von den Freiheitsbemühungen unterdrückter Bevölkerungen in Nordafrika und angrenzenden Regionen. Betroffen ist ein Gebiet, das für 36 Prozent der weltweiten Ölproduktion steht. Mehr muss man nicht wissen, um einen Eindruck von der Brisanz der Ereignisse für den Ölpreis zu bekommen. Es versteht sich von selbst, dass der Ölpreis steigt und dass er gewaltiges Anstiegspotenzial hat. Zielpreisschätzungen können auf einer nach oben offenen Skala abgegeben werden. Sie sind spannend für um Aufmerksamkeit ringende Medien. Sie sind irrelevant für Verbraucher.

Bevor der Freiheitsdrang in die Ölpreise kam, wurde Wirtschaftswachstum gehandelt. Hierzu gibt es dieser Tage weiteres Futter. Das hat allerdings eher den Charakter einer Knabberei. Es wird nebenbei gegessen. Wirtschaftswachstum war und ist ebenfalls ein Grund für steigende Ölpreise. Um das Wachstum gibt es viel Gerede und viele Nachrichten, so dass der Nettogehalt der Information oft unklar bleibt. Fakt ist, dass die Konjunkturwerte in vielen Fällen unter denen des Jahres 2007 liegen, dass der Ölverbrauch vielerorts geringer ist als damals und dass das Ölangebot höher ist. Gleichwohl kann man davon ausgehen, dass die Versorgungslage des Marktes in naher Zukunft nicht mehr üppig sein wird, weil die Nachfrage Chinas, Indiens und einiger anderer Wachstumsländer stark zunimmt. Die Gemengelage lässt kein klares Bild über den realen Stand der Versorgung zu. In den Preisen steckt sehr viel Spekulation.

Wie viel Blödsinn erzählt wird, zeigt sich exemplarisch am Preisgeschehen der Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate). Während alle anderen Ölnotierungen seit September 2010 im Aufwärtstrend stecken, vollzog WTI bis vor Kurzem eine abwärtstrendige Bewegung. Die meist zitierte Erklärung hierzu war die Überfüllung des relevanten Lagers im Zentrum der USA. Die Erklärung handelte von einer abgeschlossenen Welt der Sorte WTI, die keine Verbindung mit dem globalen Ölsystem hat. Angesichts der weltweiten Warenströme, denen Öl in besonderem Maße folgt, ist diese Erklärung höchst verdächtig, durch interessierte Kreise zum Zweck der Preismanipulation lanciert worden zu sein. Hierfür gibt es diverse Indizien. Ein weiteres liefern die jüngsten US-Bestandsdaten. Sie weisen in fast allen Belangen rückläufige Vorräte aus. Damit sind sie bullisch zu interpretieren und sie wurden gestern bullisch interpretiert. Bullisch waren sie aber auch schon Anfang Februar. Dennoch fiel der Preis für WTI, weil, so die Begründung, sein relevantes Lager in Cushing (Oklahoma) im Gegensatz zu allen anderen Lagern keinen Rückgang des Bestands vollzog. Dieses Lager wurde in der letzten Woche noch voller gepumpt. Nun hat es einen historischen Höchststand erreicht. Aber der Preis für WTI fiel nicht, er stieg gestern und zwar stärker als alle anderen Notierungen. Offensichtlich haben die Preismanipulateure die Richtung gewechselt. Der Gewinn ist ihnen gewiss.

Die aktuellen Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur Lage in den US-Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,8 (DOE) bzw. 7,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt weiterhin schwache 81 Prozent.

Heute Morgen vollzieht sich ein interessantes Schauspiel an den Ölbörsen. Die Preise purzeln kräftig. Die Nachricht hierzu kennen wir nicht. Wahrscheinlich gibt es diese auch nicht. Finanzjongleure sind vermutlich gerade Opfer ihrer Psyche. Diese ist so wechselhaft wie der Wind. Eine Tendenz des Tages ergibt sich aus dem Geschehen nicht. Der Trend bleibt in jedem Fall äußerst bullisch. Die Tonne Gasöl kostet 971 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,15 Dollar und in London zu 114,74 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,14 Eurocent.

Unsere Heizölpreise halten momentan das Niveau. Gestern wurde der Ölpreisanstieg durch den Dollarrückgang kompensiert. Dieser früher oft aufgetretene Zusammenhang ist mittlerweile selten geworden, da die Stärke der beiden Bewegungen sehr unterschiedlich ist. Öl schlägt Dollar deutlich. Es wird auch in dieser Zeit Tage geben, an denen Heizöl billiger wird. Gleichwohl muss man davon ausgehen, dass es in den kommenden Wochen und Monaten deutlich teurer werden wird. Deshalb ist der frühe Kauf besser als der späte. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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