Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Vom Kaufrausch überwältigt

An den Ölbörsen regiert der Superlativ. Die ohnehin steile Bahn des Preisaufstiegs wurde gestern nach oben durchbrochen. Locker knackten die Rohölkontrakte die Marke von 130 Dollar pro Barrel. Gasöl geht hart auf 1.300 Dollar pro Tonne zu. Damit wurde seit Jahresbeginn eine Preissteigerung von über 40 Prozent beim Rohöl und über 50 Prozent beim Gasöl eingefahren. Allein im Mai verteuerten sich die Kontrakte um 20 Prozent. Rationale Erklärungsversuche für das Phänomen sollte man nicht suchen. Der Markt ist hysterisch. Die unausgerufene Frage, wollt ihr den totalen Preis, würde mit einem schallenden Ja beantwortet werden. Passend zur Ölpreisentwicklung verlor der Dollar gestern erneut deutlich an Wert. Entgegengesetzte Erwartungen von Devisenexperten wurden konterkarriert. Begründet wird der Rückgang mit einem unerwartet gut ausgefallenen ifo-Index für Deutschland und wiederaufflammenden Sorgen um die US-Wirtschaft.

Den gestrigen Ölpreissprung versucht man mit den in der letzten Woche gefallenen US-Rohölbeständen zu begründen. Außerdem kocht die Spekulation über das Erreichen des Fördermaximums. Die Bestandsdaten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) weisen in der Tat Rückgänge auf. Die absoluten Vorratswerte geben allerdings keinen Anlass zur Panik. Die Zahlen lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: -5,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,5 (DOE) bzw. 1,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 88 Prozent gestiegen. Der Wert ist immer noch schwach gegenüber europäischen Zahlen. Ob er ein Ausdruck technischer Unzulänglichkeit oder einer renditeorientierten, künstlichen Mangelerzeugung ist, bleibt weiterhin eine offene Frage, die uns selbst Insider nicht beantworten konnten.

Dem Rückgang in den US-Rohöllagern von bis zu 5,4 Mio. Barrel im Laufe der letzten Erhebungswoche ging ein Anstieg von 43 Mio. Barrel seit Anfang Januar voraus. Vor fünf Jahren waren die Rohöllager dauerhaft um 10 Prozent niedriger befüllt als heute. Die Zahlen geben einen Eindruck von der irrationalen Situation um die Preisbildung. Die wird auch durch die Peak-Oil-Diskussion nicht erklärbarer. Es ist durchaus möglich, dass die Förderung ein Maximum erreicht hat. Ob dies Maximum physischer Natur ist und damit Peak Oil bedeutet oder ob es auf mangelnde Investitionen zurückzuführen ist und damit veränderbar wäre, ist trefflich diskutierbar. Auch die Tatsache, dass die verfügbaren Reserven nahe einem Allzeitmaximum stehen, sollte fanatischen Bullen zu denken geben.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in der Zeit des Peak Oils leben ist hoch. Die Menge verfügbaren Öls gibt uns ausreichend Zeit, unser Leben auf eine weniger energieverbrauchende Grundlage zu stellen. Damit sollten wir allerdings schleunigst beginnen, damit wir nicht unvorbereitet in den langfristig erkennbaren Öl- und Gasmangel hineinlaufen. Die Ahnung, verändernd handeln zu müssen, wird nun mit grenzenlosen Ölpreisen flankiert. Diese Preise sind ein Ärgernis, teilweise sogar ein Desaster für jeden, der Öl benötigt. Sie sind aber auch der ultimative Grund, die menschliche Trägheit zu überwinden und mit dem Handeln zu beginnen.

Vollkommen abwegig sind dagegen politische Ansätze, die die freie Preisbildung per Gesetz einschränken wollen. Ein solches Gesetz wurde in dieser Woche unter dem Namen Anti-OPEC-Gesetz vom US-Repräsentantenhaus auf den Weg gebracht. Es ermächtigt die US-Regierung, vor der US-Justiz gegen mutmaßliche Preisabsprachen der OPEC-Länder zu klagen. Wie eine eventuelle Rechtsprechung gegen die OPEC zum Vollzug gebracht werden soll, lässt das Gesetz offen. Was geschieht, wenn die USA hierbei auf ihr Militär setzen, hat der Irakkrieg gezeigt. Er wirkt definitiv negativ auf den Ölpreis. Ein anderes Beispiel politischer Einflussnahme zeigt noch verheerendere Wirkung auf die Preisbildung. Es ist die Preisfestsetzung in China. Verbraucher zahlen für Ölprodukte weniger, als diese am internationalen Markt kosten. Was dem deutschen Heizölkäufer als weise Ausübung politischer Macht erscheint, ist in Wahrheit ein Grund für Preistreiberei. Weil chinesische Verbraucher den aktuellen Preis der Ware gar nicht kennen, verschwenden sie diese und tragen so zur schnelleren Verknappung bei. Der den freien Markt zelebrierende Hochpreisspekulant und der kommunistische Machthaber reichen sich bei diesem Thema die Hand.

Heute Morgen machen die Preise eine Gipfelpause. Es handelt sich aber sicher nur um einen Zwischengipfel. Die Tonne Gasöl kostet 1.286,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 135,04 Dollar.

Unsere Heizölpreise ziehen zu den Sternen. Die Kurve der Preisentwicklung in diesem Jahr ist beeindruckend, wenn auch beeindruckend negativ. Einen solchen Anstieg haben selbst die größten Pessimisten nicht für möglich gehalten. Man muss kein Prophet sein, um das Erreichen der magischen Zahl von einem Euro pro Liter Heizöl vorherzusagen. Je steiler die Kurve verläuft, um so näher wähnen wir uns an einem Umkehrpunkt. Der mag in der Tat kommen. Man sollte aber keine all zu großen Hoffnungen in die Tiefe des dann folgenden Falls setzen. Setzen Sie Ihre Hoffnungen lieber in Ihre Fähigkeit, den Verbrauch zu reduzieren. Wir helfen Ihnen dabei mit esytrol.

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