Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Von OPEC, Autos und Heizungen

Die Ölpreise steigen wieder. Ob es sich dabei um eine vorübergehende Gegenreaktion auf den vorausgegangenen Preisverfall handelt oder um die Rückkehr zum Aufwärtstrend, darf spekuliert werden. Für beide Möglichkeiten gäbe es Gründe. Dass die Preise steigen, ist in erster Linie dem Hoffnungsschimmer für die US-Konjunktur zu verdanken, den George W. Bush verbreitet. Wenn sie bald wieder fielen, wäre das ein Zeichen, dass er kein Vertrauen mehr genösse. Der Dollar fällt momentan, weil Marktteilnehmer eine weitere Zinssenkung durch die US-Notenbank (FED) fest einkalkulieren. Dem Dollar- und dem Ölpreischart gemeinsam ist der Umstand, dass prominente Indikatoren eine erneute Umkehr der Bewegungsrichtung erahnen lassen.

Neben der FED wird die OPEC in dieser Woche eine Entscheidung verkünden. Sie betrifft die Liefermengen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie konstant bleiben. Der knappe Spruch, wenn er denn so kommt, verhüllt eine schwierige Diskussion. Es geht um mehr Öl aber auch um weniger Öl. Für letzteres plädieren wichtige Mitglieder des Kartells. Sie haben gute Gründe auf ihrer Seite. Es gibt derzeit genug Öl auf dem Markt. Das ahnt man, wenn man die Worte Abdullah al-Attiyah, er ist Qatars Ölminister, zitiert: „Ich habe niemals einen Anruf von einem meiner Kunden erhalten mit der Bitte um eine Extra-Menge“. Das weiß man, wenn die Entwicklung der Frachtraten für Tankschiffe kennt. Sie sind seit Jahresbeginn um 25 bis knapp 50 Prozent gefallen. Die Verbraucher ordern weniger Öl. Das gilt vor allen Dingen für die USA. Und hier gilt es für Rohöl und für Produkte. An der Westküste erwägt man, den Raffineriedurchsatz zu drosseln, weil das Kochen von Öl defizitär geworden ist. Auf Grund der gesunkenen Nachfrage hat sich zuviel Benzin in den Lagern gesammelt. Das drückt auf die Verkaufspreise.

Am lange Ende muss sich die OPEC keine Sorgen darüber machen, ob sie ihr Öl verkaufen kann. Für die Nachfrage sorgen auf alle Fälle China und Indien. Sie werden die Möglichkeiten des Kartells sogar überfordern. Der beste Beweis für diese These ist die Entwicklung des Billigautos Nano. Damit soll ein Milliardenvolk mobilisiert werden. Wenn es tatsächlich so kommt, kommt auf die Erde ein Problem zu. Das anfänglich wegen seines niedrigen Preises bejubelte Fahrzeug erweist sich bei näherer Betrachtung als höchst problematisch. Mit seinem rund 30 PS starken Motor soll es ca. 100 Stundenkilometer schnell fahren. Dabei verbraucht es rund fünf Liter Sprit auf 100 km. Die Zahl hört sich passabel an. Sie ist es aber nicht. Ein hierzulande in der Entwicklung befindliches Auto namens Loremo, das wie der Nano vier Personen transportieren soll, würde mit etwas weniger Motorleistung deutlich schneller fahren und weniger als zwei Liter Sprit pro 100 Km verbrauchen. Das Auto kommt in seiner sparsamsten Version allerdings nicht auf den Markt, weil es unseren Ansprüchen an Beschleunigung nicht genügen würde. Mit Blick auf die Energiereserven der Erde muss man konstatieren, dass die Dinge dort wie hier aus dem Lot geraten sind.

Nicht im Lot ist auch der bundesdeutsche Heizungsmarkt. Er leidet weiterhin an überalterten Bestandsanlagen und mangelnden Aufträgen. Dabei ist vielen Verbrauchern die Notwendigkeit einer Heizungsmodernisierung bewusst. Sie lassen sich sogar mehr denn je zum Thema beraten. Hauptgrund hierfür sind die hohen Energiekosten. Aber allem Interesse zum Trotz werden kaum energiesparende Heizungen gekauft. Nach eingehender Beratung entschließen sich viele Verbraucher, ihre alten Heizungen bis zum Exitus zu betrieben. Dabei spricht die Kosten-Nutzen-Rechung für eine neue Anlage. Den Grund für dieses Verhalten hat noch kein Psychologe untersucht.

Möglicherweise verbirgt sich dahinter die Hoffnung auf fallende Energiepreise. Diese Hoffnung hat aktuell durchaus eine Daseinberechtigung. Langfristig kann sie nicht befriedigt werden. Dagegen sprechen der Wille Chinas und Indiens, Teile unserer aufwendigen Lebensweise zu kopieren, und der noch in der Erde verbliebene Ölvorrat.

Heute Morgen hält sich der Ölpreis an der Grenze zwischen weiter herauf und wieder herunter. Die Tonne Gasöl kostet 804,50 $.

Unsere Heizölpreise legen leicht zu. Der fallende Dollar dämpft den Ölpreisanstieg am Weltmarkt. Die Aussichten für einen weiteren Preisrückgang sind aktuell durchwachsen. Insgesamt reduzieren wir die Chance auf 51/49. Mit fortlaufender Zeit wird der Druck, den eine mögliche US-Rezession auf den Preis ausübt zu Gunsten des Preisauftriebs aus China und Indien schwinden.

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