Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Wachstum durch Konsum?

Im Nachhinein betrachtet war die Ölpreisspitze von annähernd 150 Dollar pro Barrel im Jahr 2008 absurd. Die Versorgungslage war zwar deutlich weniger üppig als heute. Gefühlt war sie zeitweise sogar „auf Kante genäht“. Gleichwohl herrschte auch damals zu keinem Zeitpunkt eine reale Knappheit. Die war in Anerkennung der Tatsache, dass Öl ein endliches Gut ist, allenfalls ein Zukunftsszenario. Das macht den respektvollen Umgang mit dem Thema keinesfalls überflüssig. Im Gegenteil, wie bei vielen anderen Themen unseres Alltags liegt die Frage auf der Hand, wie wollen wir eigentlich leben? Der aufmerksame Zeitgeist fügt der Frage meist den Satz hinzu, so kann es jedenfalls auf Dauer nicht weiter gehen, was nicht als Antwort, sondern als Ansporn verstanden werden will, sich mit der Frage endlich auseinanderzusetzen. Gern zitierte Wachstumsplattitüden sind in diesem Zusammenhang außerordentlich unbefriedigend. Sie ersticken die fällige Debatte im Keim. In ihnen blitzt der Zeitgeist der späten Nachkriegsjahre auf, in denen eine ganze Generation die erlösende Kommunikation verweigerte.

Heute wissen wir im Fall des Ölpreises, dass er bereits vor zwei Jahren im Spekulationsfieber steckte. Die drohende Überhitzung wurde durch eine ungewollte Schocktherapie abgekühlt. Mit kühlem Kopf hätte man die sich unerwartet bietende Möglichkeit für eine Neuausrichtung der Wirtschaft nutzen können. Das wurde bekanntermaßen ausgeschlossen. Nicht das erste Mal wurde eine Abzweigung der Geschichte verkannt. Stattdessen verabreichte man Gaben, die das Fieber erneut anfachten. Das sichert zumindest den Beschäftigten der Intensivstation für lange Zeit die Arbeit. Therapeuten und Selbsthilfegruppen zur Neujustierung der Wirtschaft kommen nicht zum Zuge.

Nun ist die Sache mit dem Wirtschaftswachstum keine Chimäre, die lediglich von fiebernden Spekulanten und ideenlosen Politikern phantasiert wird. Wachstum gibt es tatsächlich und das in Formen, die an das deutsche Nachkriegsgeschehen erinnern. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt werden in diesem Jahr für China 9,5 Prozent erwartet. Indien und Brasilien folgen mit geringem Abstand. Für Russland sollen es im nächsten Jahr 4,0 Prozent werden. Die alten Industrieländer sehen im Vergleich dazu in der Tat ganz alt aus. Bei ihnen wird nicht viel gehen, jedenfalls nicht in Sachen Bruttoinlandsprodukt. Insbesondere hierzulande versucht man durch Konzentration auf den Export Krümel vom Kuchen der neuen Wachstumselite abzubekommen, um wenigstens über die konjunkturelle Null zu gelangen. Wir verkaufen in Produkte gegossene Ideen, für die Kunden noch ordentliche Preise bezahlen. Dabei hat unser Land eine Menge Ideengeber zu bieten, die zu den besten der Welt gehören. Sie haben den einen oder anderen Exportschlager im Programm. Der größte Exportschlager stammt allerdings nicht aus Deutschland. Er wurde bei uns vor Jahren aus den USA importiert, so wie er heute von den Schwellenländern importiert wird. Es ist der Konsum. Die neuen Wachstumsländer sind süchtig danach. Die alten sind es auch. Aber immerhin gibt es bei ihnen so etwas wie eine kritische Reflexion, die in der Lage ist, das Suchtproblem als solches zu formulieren. Das ist gut so und das muss so sein. Denn wir leben lange genug mit dem Problem. Also ist es folgerichtig, dass wir uns um Lösungen des Problems kümmern. Wir sollten unseren guten Ideen noch bessere folgen lassen, die das Suchtproblem des Konsums zu lösen in der Lage sind. Langfristig wird das mit Sicherheit ein Exportschlager werden. Entsprechende Ideen werden keinen rein technischen Charakter haben. Sie werden nicht zuletzt soziale Ideen sein. Und da ist sie schon wieder die Frage „Wie wollen wir eigentlich leben?“.

Die Sache mit der Krise und dem Wachstum ist übrigens nicht das, was sie zu sein vorgibt, indem von der größten ihrer Art seit 80 Jahren geredet wird. Gerne wird Öl als der derzeit wichtigste Motor der Wirtschaft angesehen. Sein Konsum ist im Zuge der Krise eingebrochen. Noch kennen wir die Zahlen nicht exakt. Aber der Rückgang dürfte die Vier-Prozent-Marke kaum erreicht haben. In der Krise Anfang der 1980er Jahre fiel der Ölkonsum über Jahre und in seiner Spitze bis nahe zehn Prozent. Trotz des vergleichsweise geringen Einbruchs können wir feststellen, dass Öl derzeit kein Mangelprodukt ist und dass es dazu in den nächsten Jahren nicht werden wird. Wenn wir am Konsum nichts ändern, wird es langfristig aber sehr wohl zu einem Mangelprodukt werden. Des Weiteren stellen wir fest, dass die Darstellung der größten Krise ein von der Finanzindustrie ausgeschlachteter Spekulationsunfall war, der der Bereichung ihrer selbst diente. Diese Krise könnte als Sünden- und Kniefall der Politik gegenüber der Geldwirtschaft in die Geschichtsbücher eingehen.

Die Ölpreise kennen keine Krise mehr, wenn man diese aus Sicht der Finanzindustrie beurteilt. Heute Morgen geben sie zwar nach. Insgesamt aber folgen sie einem aufwärts strebenden Bilderbuchtrend. Die Tonne Gasöl kostet 713,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 83,60 Dollar und in London 86,51 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,87 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise haben sich bereits wieder bis in die Nähe ihrer letzten Höchststände erholt. Den Einbruch nutzten einige Verbraucher zum Kauf. Im großen Stil wurde allerdings nicht geordert. Mehrheitlich sehen sich Verbraucher in der Krise, weil sie die Preise als überzogen ansehen. Wir sehen das auch so. Gleichwohl liegt es uns fern, Hoffnungen auf tiefere Preise zu wecken. Die Finanzszene sitzt sicher im Sattel. Sie wird weiter an steigenden Ölnotierungen arbeiten. Insofern ist das Abwarten eine kaum Erfolg versprechende Strategie zum kostengünstigen Kauf. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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