Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Wer hat einen Plan?

Gestern war von einem Sturm im Golf von Mexiko die Rede, den Spekulanten für eine Ölwette nutzten, weil Bohrinseln und Raffinerien im Süden der USA gefährdet sein könnten. Heute spricht man davon, dass der Sturm ein Hurrikan werden kann. Da dieser aber nicht über die USA, sondern über Mexiko hinweg ziehen soll, werden die Ölwetten wieder aufgelöst. Dem gemeinen Spekulanten ist ein Hurrikan bei den Nachbarn einfach nicht so viel wert wie ein Sturm in den USA. Die Ölnotierungen erhalten durch diese Egomanie dankenswerter Weise die Möglichkeit, sich erneut an einem kurzfristigen Abwärtstrend zu versuchen. Für diesen Trend spricht die allgemeine Marktlage in den westlichen Industrieländern. Sie sind mit Öl reichlich überversorgt. Die Hoffnungen auf ein Anziehen der Nachfrage zerschellten bisher an der konjunkturellen Realität. Die sieht vor allen Dingen für die USA unfreundlich aus.

Für den Präsidenten und für das Land ist der Kampf um Wirtschaftswachstum die primäre Herausforderung. Obama ist bereit, bittere Medizin einzusetzen. Die besteht aus weiterer Verschuldung. Für Europäer ist das die falsche Medizin. Sie sehen mit der Verschuldung die Existenz ganzer Staaten in Frage gestellt. Hier treffen zwei unversöhnliche Meinungen aufeinander. Unversöhnlich sind auch die Ideen zur Rückeroberung der Herrschaft über das Finanzsystem. In dieser Frage sind die USA zwar tendenziell weiter als Europa. Aber auch sie mussten in ihren Bemühungen zuviel Rücksicht auf die Finanzlobby nehmen. Egal was in absehbarer Zeit zum Thema kommen wird. Den Freiraum der Finanzindustrie wird es nur scheinbar eindämmen. Und dann sind da noch die Fragen des Ressourcenverbrauchs und des Klimaschutzes. Besser gesagt da waren diese Fragen. Sie werden nicht als wesentlicher Teil der Rahmenbedingungen angesehen, innerhalb der sich Menschen zu organisieren haben. Ihnen haftet immer noch das Stigma des Wohlstandsproblems an. Angesichts schwacher Konjunkturen ist von Wohlstand keine Rede mehr. Die Behandlung der Fragen wird ergo nicht als Thema der Zeit verstanden. Dass sieben Milliarden arme Menschen ein nicht minder großes Problem für den begrenzten Lebensraum Erde darstellen wie eine halbe Milliarde relativ reicher Menschen, wird geflissentlich übergangen.

Die Bemühungen um die Wiederherstellung eines Masterplans für die modernen Gesellschaften scheitern auf ganzer Linie. Es gibt keine halbwegs geschlossene Wirtschaftsphilosophie, die politisches Handeln leitet. Die beiden konträren Systeme des Keynesianismus und des Neoliberalismus werden beliebig durchmischt. Kurzfristigen Nutzen aus dem Cocktail zieht in erster Linie die Finanzindustrie. Der Marxismus als mögliche Alternative zu beiden Systemen ist nicht annähernd auf der Höhe der Zeit. Aus Mangel an Ideen liebäugelt man wieder mit dem Klassiker aller Ökonomen, mit Adam Smith. Doch bei aller Unterschiedlichkeit zum Wirtschafts- und Weltverständnis der Ansätze weisen sie alle denselben Fehler auf. Sie ignorieren den Umstand, dass den Menschen auf einer endlichen Erde begrenzte Handlungsspielräume gesetzt sind. Eine Wirtschaftsphilosophie, die nicht das beinhaltet, was zu Zeiten des Feudalismus bereits bekannt war, von Feudalherren allerdings kaum respektiert wurde, nämlich den pfleglichen Umgang mit den Lebensressourcen der Menschheit, wird keinen Erfolg mehr haben. Bereits im 18. Jahrhundert wusste man um die Notwendigkeit der Kreislaufwirtschaft. Damals wurde der Begriff der Nachhaltigkeit geprägt. Man wusste, dass Nachhaltigkeit Teil einer umfassenden Wirtschaftsphilosophie sein muss. Wir sollten endlich beginnen, diese umfassende, zeitgemäße Wirtschaftsphilosophie zu beschreiben, anstatt die Zeit mit zum Scheitern verurteilten Rettungsmaßnahmen zu verplempern. Zugegeben, dieser Aufruf hilft dem getriebenen Politiker nicht weiter. Er misst sich am ganz und gar unweitsichtigen Alltagshandeln.

Ein simplifiziertes Abbild der komplexen Thematik stellt die Ölwelt mit ihrem akuten Problem dar. Da gibt es ein Öl spuckendes Loch am Boden eines Meers, das Ingenieure dort anlegten und das ihnen außer Kontrolle geriet. Es vernichtet den Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen. Niemand kann das verhindern, auch kein Präsident. Alle Maßnahmen zur Rettung der Lage scheiterten bisher. Man hofft auf zukünftige Rettung. Mehr als Hoffnung gibt es zurzeit nicht. Trotz der tiefen Krise, in die das nicht zu bändigende Loch die Ölwirtschaft stieß, lässt ihr die Welt nicht die Möglichkeit, zukünftig keine solchen Löcher zu bohren. Die Welt braucht das Öl aus unkonventionellen Umgebungen. Und so werden allen präsidialen Bohrstopps zum Trotz auch zukünftig schwer beherrschbare Löcher in tief liegende Meeresböden gebohrt. Man wird sich mehr mit der Frage beschäftigen, wie solche Löcher sicherer gemacht werden können, als mit der Frage, was wir tun müssen, um auf das Öl aus solchen Löchern zu verzichten. Dabei wäre es an der Zeit, die zweite Frage zu lösen. Denn selbst ein beherrschbares Loch hört irgendwann auf Öl zu liefern. Und spätestens dann steht die Frage wieder im Raum. Weil wir das wissen, sollten wir die Frage jetzt klären. Dabei sollten wir sie in einen Zusammenhang mit den Finanz- und Wirtschaftsproblemen stellen. Dann wird vielleicht ein Masterplan für alle Gesellschaften daraus.

Heute Morgen zeigen die Spekulanten Nerven. Sie fliehen aus ihrer stürmischen Ölwette. Das lässt die Ölpreise rasant sinken und den Dollar weniger rasant steigen. Die Tonne Gasöl kostet 656,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 76,55 Dollar. Der US-Dollar wird zu 81,77 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach, weil der jüngste Preisanstieg am Weltmarkt zurückgenommen wird. Er war der Versuch einiger Spekulanten, aus einem Tropensturm schnellen Gewinn zu erzielen. Der ist weitgehend gescheitert. Des einen Verlust ist des anderen Gewinn. Das jedenfalls darf man aus Sicht potenzieller Heizölkäufer hoffen. Einen großen Gewinn in Form von günstigeren Heizölpreisen erwarten wir kurzfristig allerdings nicht. Groß wird er nur, wenn die Finanzwelt von einer neuen Panik erfasst wird. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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