Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Wer ist der Markt und was will er?

„Wir tun alles in unserer Macht stehende, um die Märkte zu beruhigen.“ So klingt es, wenn das politische Führungspersonal seine zeitgemäße Handlungsmaxime verkündet. Im Gegensatz zu vielen Formulierungen, die in Mikrofone geplappert werden, um Menschen zu beruhigen, folgen den Ansprachen an die Märkte sogar Taten. Da wird Geld herbeigeschafft, ganz großes Geld. Da werden Wege frei geschlagen. Da werden Geschwindigkeitsrekorde in Gesetzgebungsverfahren aufgestellt. Da wird schlanke Bürokratie zelebriert. Da geschehen Dinge, die Menschen zum Staunen bringen, zum ungläubigen Staunen, zum neidischen Staunen, zum wütenden Staunen, zum verständnislosen Staunen. Verständnisloses Staunen ist gewollt. Es ist politisch ungefährlich. Mit Begriffen wie „alternativlos“ werden Erklärungen garniert, die nicht den Anspruch haben, Begründungen zu sein. Ungeklärt ist, auf welcher Seite die Verständnislosigkeit größer ist, bei den Staunenden oder bei den Erklärenden. Damit die Erklärenden nicht Gefahr laufen, in den Verdacht der Verständnislosigkeit zu kommen, gerieren sie sich als Glaubende. Dieser Umstand entbindet sie davon, erklären zu müssen. So muss der Zeitgenosse erleben, dass rational fassbare demokratische Gesellschaftsstrukturen, deren Sinn darin besteht, Menschen den bestmöglichen Rahmen für ein friedliches, in Maßen sicheres und doch freies Leben mit ordentlicher aber nicht ausschließlich eigennütziger Selbstbestimmung sowie Entfaltungsmöglichkeit zu bieten, verkommen. Sie verkommen zu marktklerikalen Systemen, über deren Gestaltung nicht die darin lebenden Menschen in demokratischen Prozessen entscheiden, sondern der politische Klerus unter Berufung auf die Märkte.

Wer sind diese alles beherrschenden Märkte? Fakt ist, dass sie irdisch sind. Sie haben Öffnungszeiten, die Politiker zutiefst respektieren. Sie sind auf unserem Planeten allgegenwärtig. Und sie haben Geld, zumindest bewegen sie welches. Bisweilen haben sie auch kein Geld. Dann brauchen sie neues. All das trifft auf die Finanzindustrie zu. Wie keine andere Industrie operiert diese mit dem Begriff Vertrauen. Womit die Nähe zum Glauben begrifflich gegeben wäre. Die Finanzindustrie existiert aber nicht im Plural wie die Märkte. Vielleicht ist der Plural bei den Märkten gar nicht gemeint. Eventuell handelt es sich nur um die Vergrößerung eines einzelnen Sachverhalts so wie Italiener ihn verwenden, um seine Bedeutung herauszustellen. Also wäre der Markt gemeint. Aber auch der ist nicht die Finanzindustrie. Er ist eher ihr Tempel. Es ist der Ort, an dem das Wesen des Finanzsystems zelebriert wird, auch die Börse genannt. Dort werden Geldwerte geschaffen und vernichtet. Diese Tatsache kann man, wenn man dafür empfänglich ist, schon als etwas ganz Großes auffassen. Man sollte aber nie vergessen, dass die hier gebildeten Werte Illusionen sind, die nur solange den nützlichen Wert einer Sache widerspiegeln, wie die Menschheit daran glaubt. Indem dieser Markt in unterschiedlich handelbare Finanzprodukte segmentiert ist, Devisen, Aktien, Rohstoffpapiere etc., wird die Verwendung des Plurals wieder plausibel.

Nun ist dem interessierten Ölpreisbeobachter das Treiben an eben diesem Markt einigermaßen bekannt. Die bisweilen geäußerte Feststellung, dass es sich bei den Teilnehmern um einen Käfig voller Narren handelt, die ihre täglich wechselnden Befindlichkeiten zu Preisen machen, ist mit Sicherheit nicht ganz abwegig. Nahe liegend ist auch, dass es an den anderen Märkten ähnlich zugeht. Subsumiert werden die Vorgänge in dem Satz, das ist eben Börse, was soviel meint wie, das Geschehen ist nicht einschätzbar. Und von diesem nicht einschätzbaren Geschehen lässt sich zeitgemäße Politik bestimmen. Das ist nun wirklich die Bankrotterklärung menschlichen Gestaltungswillens. Es ist unverständlich, dass sich die Welt diesem Umstand nicht entgegenstellt.

Von der Bankrotterklärung zur Ölpreisbildung zu schwenken, entbehrt nicht an Zynismus. Der lässt sich hier kaum vermeiden. Die Ölpreise folgen weiterhin einem Seitwärtstrend, der seine obere Begrenzung hauptsächlich aus der Tatsache bezieht, dass der physische Markt überversorgt ist. Freunden höherer Preise wird ein Angebot zugetragen, dass sich aus Sanktionen gegen den Iran, einem Öllieferboykott Venezuelas gegen die USA und durch das Moratorium bei Tiefwasserbohrungen ergibt. Die Umstände haben das Potenzial, die Überversorgung zu reduzieren. Mittelfristig könnte das Wirkung auf die Preise zeigen. Ob Öl langfristig zu einem knappen Gut wird, weil die Welt vergisst, sich aus der Abhängigkeit zu lösen, ist derzeit Diskussionsgegenstand der Experten. Wäre Knappheit der Fall, wäre die Preisrichtung geklärt. Da aber die Diskussion vollkommen offen ist, gibt es keine haltbare Preisprognose.

Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 648 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 78,80 Dollar. Der US-Dollar wird zu 77,04 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise dümpeln seitwärts. In Maßen steigenden Ölnotierungen steht ein fallender Dollar gegenüber. Er sorgt für eine Absicherung der Preisbildung gegen oben. Tendenziell sollten die Grundrichtungen, Ölnotierungen seitwärts, Dollar abwärts, erhalten bleiben. Das böte die Chance auf tiefere Heizölpreise. Die Standhaftigkeit der Ölnotierungen schätzen wir aber schwächer ein als die des Dollartrends. Die Gefahr eines Ausbruchs der Ölpreise nach oben, eventuell als Folge steigender Aktienindizes, ist vorstellbar. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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