Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Wir können Wende

Deutschland vollzieht allem Anschein nach eine energiepolitische Wende. Und wie sich das für eine deutsche Wende gehört, ist auch diese vom Volk erzwungen. Sie wird, wenn sie wirklich kommt, gegen den massiven Widerstand mächtiger Interessengruppen der Industrie samt ihrer politischen Vertreter durchgesetzt. An dieser Wende wurde lange und geduldig gearbeitet. Für diese Wende wurde auf Straßen und Feldern, in Universitäten und Parlamenten gekämpft. Diese Wende könnte ein Meisterstück demokratischen Staatswesens und der Beginn der postmodernen Industriegesellschaft werden. Das klingt historisch bedeutend. Stolz und gespannte Erwartung sind erlaubt. Es ist aber auch geboten, an die Menschen zu denken, die unsere Wende mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben bezahlen, Menschen in Russland, in der Ukraine, in Japan und andernorts. Sie bezahlen selbstverständlich nicht für uns. Und doch gewinnen wir an ihrem hohen Preis eine teure Erkenntnis.

Viele Menschen hierzulande hätten gerne auf den Beweis für die grundsätzliche Unbeherrschbarkeit von Technik verzichtet, weil sie um diese wissen. Die Unbeherrschbarkeit ist kein Menetekel und sie ist kein Grund, Technik skeptisch zu sehen oder sie gar abzulehnen. Technik ist etwas Großartiges. Sie ist die Voraussetzung für das, was wir als Wohlstand bezeichnen. Und doch birgt Technik Gefahren, die diesen Wohlstand ins Gegenteil kehren können, wenn man nicht bereit ist, Grenzen des Beherrschbaren anzuerkennen. Die Atomenergie ist eine Technik, mit der sich der Mensch über die Grenzen irdischer Natur erheben will. Sie ist Ausdruck für eine Lebensweise, die keine Grenzen akzeptiert. Als die erste Atombombe gebaut wurde, befürchteten einige Wissenschaftler, mit ihrer Zündung die Erdatmosphäre in Brand zu setzen. Weitere Berechnungen ergaben eine Wahrscheinlichkeit von Drei zu einer Million, dass das geschieht. Das schien akzeptabel, zumal man sich im Krieg mit Nazideutschland befand und sich in einem Wettlauf um den Bau der Bombe wähnte. Nach der Kapitulation Deutschlands hatten viele Wissenschaftler Skrupel, weiter an der Bombe zu bauen, weil sie um ihre unbändigen Kräfte und Gefahren wussten. Sie wurde gebaut und sie wurde abgeworfen, zweimal auf Japan, als Uran- und als Plutoniumbombe. Ihre Väter waren geschockt.

Als eine Art Wiedergutmachung warben sie nun dafür, den unbändigen Geist der Atomenergie in die Flasche zu stecken und wohldosiert als saubere Energie freizulassen. Dieser Vorgang war immer umstritten. Er wurde politisch durchgesetzt und kommunikativ bereinigt. Er wurde als beherrschbar verkauft und Menschen kauften ihn als solchen ab. Aber Technik ist nicht beherrschbar. Autos bleiben liegen, Flugzeuge stürzen ab, das Internet funktioniert nicht jeden Tag. Das geschieht. Wir wissen es und wir leben damit, weil wir damit leben können. Wir können die Gefahren beurteilen und uns für oder gegen die Nutzung von Technik entscheiden. Nicht so bei der Atomenergie. Sie ist so außerordentlich wie eine Weltraumfahrt, eine Weltraumfahrt zu der ganze Völker gezwungen werden. Das deutsche Volk will diese Weltraumfahrt in seiner großen Mehrheit nicht mitmachen. Ob andere Völker sie wirklich wollen, wissen wir nicht. Vielleicht haben sie noch nicht darüber nachgedacht.

Nachdem wir hierzulande ein Gefühl zum Thema Grenzen des technisch Machbaren entwickeln, könnte es sein, dass wir auch eine Einstellung zum Thema Grenzen des Wachstums gewinnen. Denn das ist die naheliegende, weiterführende Konsequenz. Nirgendwo werden die Grenzen deutlicher als in der Ölwelt. Die Begrenztheit der Ressourcen wird von niemandem mehr bestritten. Zur Diskussion steht nur noch, wann diese Grenzen schmerzhaft spürbar werden. Im Angebot ist ein Zeitraum von sofort bis zum Jahr 2030. Irgendwann innerhalb dieser Spanne wird es so ernst um das verfügbare Öl, dass sein Preis die Bodenhaftung vollkommen verlieren wird. Wir sollten uns auf diesen Moment vorbereiten, um nicht alles, was wir erreicht haben, aufs Spiel zu setzen. Bereits heute klagen viele Menschen über unerträglich hohe Ölpreise, die sie in finanzielle Nöte bringen. Sie beklagen zu Recht Finanzexzesse als ursächlich. Sie verschließen aber auch die Augen vor dem Augenscheinlichen, der Tatsache, dass wir hart auf die Grenzen der auskömmlichen Verfügbarkeit zugehen. Je schneller wir die Grenzen der Ölförderung anerkennen und lernen, mit ihnen zu leben, umso länger werden wir noch Freude an der Nutzung des Öls haben. Einen universeller verwendbaren Energieträger als Öl kennt die Menschheit bis heute nicht. Deshalb dürfen wir Öl nicht verschwenden. Die Nutzungsmaxime kann nur lauten „so wenig wie möglich“. Modern ist jede Technik, die den Verbrauch von Öl reduziert, ohne dabei andere, begrenzte Ressourcen zu strapazieren.

Preislich ist in der Ölwelt in diesen Tagen Ruhe eingekehrt. Die Ereignisse, die die Preise zum Kochen brachten, haben den unrühmlichen Rang der Normalität erreicht. Die Bemerkung bezieht sich hauptsächlich auf die Unruhen in der arabischen Welt. Heute Morgen geht der Seitwärtsgang weiter. Es sieht nicht so aus, als sollte sich das alsbald ändern. Die Finanzszene braucht einen neuen Kick. Dass ein solcher einen Abwärtskurs einläuten könnte, wird gerne gehofft und wenig vermutet. Die Tonne Gasöl kostet 987,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,80 und in London zu 114,65 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,74 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben sich festgenagelt. Weder die Öl- noch die Devisenbörsen beeinflussen ihren Gang nennenswert. Kurzfristig sehen wir keine grundsätzliche Änderung der Lage, weder zum Guten noch zum Schlechten. Preislich kann man jetzt Heizöl kaufen, man muss es nicht. Hoffnungen auf ein kleinwenig niedrigere Preise sind erlaubt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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