Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Wir nun auch

Dieser Trend ist ein Phänomen. Nach fünfmonatigem Abstieg und einem Verlust von 73 Prozent ist er immer noch nicht erledigt. Selbst die Gefällerate zeigt kaum Schwäche. Aktuell durchläuft der Preis eine kleine Gegenbewegung, die das Gesamtgebilde nicht stört. Welch eine Wende, die die Ölpreise im Jahr 2008 hingelegt haben. Und welch ein Zeichen, dass der Trend immer noch setzt. Trotz aller Stabilität, die er ausstrahlt, ist es ratsam, sich auf ein Ende einzustellen. Diese Einsicht stammt nicht aus dem Bild des Preisverlaufs sondern aus der Erkenntnis, dass Öl prinzipiell ein knappes und damit kostbares Gut ist. Das trifft zumindest solange zu, wie auf dieser Erde Handel und Wandel betrieben werden. Nur wenn die Produktion und der globale Warenaustausch zum Erliegen kommen, wird Öl wertlos. Das ist selbst angesichts der außerordentlichen Krise, die wir erleben, nicht zu erwarten. Im Gegenteil, an Öl sind immer mehr Konsumenten interessiert.

Mit diesem Wissen sind wir in das Jahr gestartet. Mit diesem Wissen beenden wir es. Dazwischen geschaht viel. Es geschah nicht immer unerwartet. Im Januar umgarnte der Rohölpreis die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Die Wirtschaftsaussichten für die USA waren bereits eingetrübt. Steigender Ölverbrauch bei der Nummer Eins war unvorstellbar. Aber China war deutlich mehr Bedarf zuzutrauen. Gleichwohl erklärten wir den Preis aus fundamentaler Sicht für übertrieben hoch. Öl war zum Spekulationsobjekt für durchgeknallte Investmentbanker geworden. Es wurde deutlich, dass zu viel Geld in unproduktives Spekulantentum und zu wenig Geld in die Erschließung neuer Ölquellen floss. Daher begannen wir, den Gedanken eines Preisanstiegs wegen langfristig fehlender Ölmengen zu akzeptieren.

Im Februar gewann die daraus abgeleitete Peak Oil Diskussion, also das Erreichen der maximal möglichen Förderung, öffentlich an Fahrt. Nach einem kurzen Absturz als Folge eines ersten Crashs am Aktienmarkt zogen die Ölpreise wieder an und erreichten schließlich ein Rekordstand von über 100 Dollar. Erste Befürchtungen, dass der hohe Preise die ohnehin angeschlagene Wirtschaft abwürgen könne, wurden formuliert. Motto: Der steigende Preis schaufelt sein eigenes Grab. Und die Peak Oil Debatte brachte Bioölen hohe Ehre. Die hielt bekanntlich nur wenige Monate.

Im März wurde immer deutlicher, dass sich Öl in der Hand von Spekulanten befindet. Sie ließen den US-Dollar fallen und den Ölpreis steigen. Der Dollar verlor seine Reputation wegen des erschütternden Zustands der US-Wirtschaft. Das Finanzsystem wackelte gewaltig. Die zweite große Depression wurde vorhergesagt. Der bloße Gedanke daran ließ den Ölpreis kurzfristig einbrechen. Wir stellten die Frage nach dem realen Wert für Rohöl. Eine Kostenschätzung brachte uns auf einen Boden bei 30 bis 40 Dollar. Das Peak Oil Thema sollte die Preise schließlich wieder auf Kurs bringen.

Dieser Kurs wurde im April mit weiter steigenden Preisen erreicht. Wir vertieften uns in Zusammenhängen zu Angebot und Nachfrage und kamen zu dem Schluss, dass der Preis im Wesentlichen von der Nachfrageseite her zu beeinflussen sei. Die Industriestaaten selbst haben deutlich mehr Möglichkeiten, als sie sich zuschreiben. Das Festhalten am althergebrachten Weg wird den Krisengang nur beschleunigen. Rettung kann nur über eine mindestens energietechnische Neuausrichtung kommen. Dieses Einsehen wächst auch bei der IEA (Internationale Energie Agentur), dem Energie-Think-Tank der OECD-Staaten. Der Ölpreis nähert sich der Marke von 120 Dollar. Ein Versagen des Marktes wird spürbar. Rufe nach dem Staat kommen nicht nur von links.

Im Mai geht die Jagt auf höhere Preise mit unverminderter Wucht weiter. Die Begründung ist immer wieder gleich. Im System befindet sich zuviel Spekulations- und zuwenig reales Wirtschaftsgeld. Fehlende Investitionen werden am langen Ende zu einem Engpass führen. Zum ersten Mal wird aber auch darüber orakelt, ob China tatsächlich den Garanten für die Weltwirtschaft spielen kann. Risse in einer bis dahin makellosen Erfolgsgeschichte werden sichtbar. Und die Inflation nimmt, wen wundert es bei den Ölpreisen, bedrohliche Ausmaße an. Wir schrieben dazu: „Die Preise sind spekulativ aufgetrieben. Die Spekulation wird durch die Realität eingeholt. Die Preise werden wahrscheinlich weiter steigen, bis ein die Wirtschaft lähmender Zenit gefunden ist.“

Im Juni peilt das Barrel Rohöl 140 Dollar an. Peak Oil wird nun in den populärsten Nachrichtensendungen besprochen. Immer tollere Preisprognosen schießen ins Kraut. Selbst Wissenschaftler wie die mediengewandte Professorin Claudia Kemfert beteiligen sich am Ausrufen absurder Zahlen. Es ist Bingozeit. Die OPEC soll mit mehr Öl kommen. Sie kann es nicht und sie will es nicht. „Na siehst Du“, sagt der Spekulant. „Es ist nicht mehr da“. „Stimmt nicht“, sagen die Ölproduzenten. „Es wird nicht mehr nachgefragt“. Immerhin, die über Jahre des billigen Öls angeschlagenen Staatsfinanzen dieser Länder können endlich in Ordnung gebracht werden. Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Weil es Ölstaaten und Schwellenländern gut geht, subventionieren sie flüssigen Kraft- und Brennstoff. Das treibt die Nachfrage und den Preis weiter aufwärts. Die Politik kommentiert das Geschehen aufgeregt und garniert es mit blödsinnigen Ideen. An den nahe liegenden Ansatz über die Nachfrageseite macht sich niemand ernsthaft heran. Es wird immer deutlicher, dass eine Rezession unvermeidbar ist. Nur sie kann die Preisspirale stoppen. Nur sie kann uns zum Umdenken zwingen.

Das halbe Jahr ist skizziert. Morgen folgt der zweite Teil. Für heute fehlen noch drei Sätze zur aktuellen Preisentwicklung. Die Tonne Gasöl kostet 412 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 39,74 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,60 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise halten seitwärts. Rechnerisch liegen sie nach wie vor über den Weltmarktpreisen. Im Norden ist die Differenz gering. Im Süden liegt sie bei rund 20 Prozent. Wir gehen davon aus, dass die Überhöhung im neuen Jahr abgebaut wird. In weiten Teilen Deutschlands sind die Preise attraktiv. Dort ist die Nachfrage hoch. Verbrauchern scheint bewusst zu sein, dass Öl mittlerweile preiswert ist und dass das kein lang anhaltender Zustand sein muss. Daher wird jeder Freiraum im Tank hurtig wieder aufgefüllt. Mit einer schnellen Preiswende rechnen wir allerdings nicht. Es gibt nach unserer Einschätzung keinen Grund, übermäßige Eile beim Heizölkauf an den Tag zu legen. Grund gibt es aber, sich trotz oder wegen günstiger Preise der Senkung des eigenen Bedarfs zu widmen. Darin steckt die langfristige Absicherung vor ausufernden Kosten.

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