Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Wir sollten den Euro verlassen

„Wir sollten das Öl verlassen, bevor uns das Öl verlässt.“ Diesen denkwürdigen Satz sagte Fatih Birol, Chefvolkswirt der IEA, im Frühjahr 2008, kurz bevor die Finanzkrise die Welt auf den Kopf stellte. Der Satz hat Pathos. Seine Bedeutung scheint mittlerweile gesellschaftlicher Konsens zu sein. Unruhe wegen der zögerlichen Umsetzung der Erkenntnis kommt indes nicht auf. Der Glaube, dass es andere Stoffe oder Techniken gibt, die Öl ersetzen können, bevor die Erneuerbaren das gesamte Regime übernehmen, ist mächtig. Gas erlebt einen Boom. Kohle ist für mehrere hundert Jahre vorhanden. Uran könnte zumindest aus deutscher Sicht in der Not wieder gespalten werden. Das ist die Idee. Die Praxis hat indes einige unbequeme Erkenntnisse zu bieten. Beim Öl sind sie hinlänglich bekannt. Die Ressource reicht noch ungefähr 50 Jahre, wenn sie so verbraucht wird wie heute. Danach ist nicht Schluss. Danach wird sie aber um Zehnerpotenzen teurer sein. Eine Ahnung über den Teuerungsprozess vermittelt das letzte Jahrzehnt. Beim Gas beträgt die statische Reichweite 65 Jahre. Die vergleichsweise billige Phase wird bald vorbei sein. Der Kohleverbrauch explodierte in den letzten Jahren derart stark, dass die statische Reichweite halbiert wurde. Sie beträgt nur noch 115 Jahre, Tendenz fallend. Bei einigen Sorten ist die Preisentwicklung mit der des Öls vergleichbar. Uran war immer schon ein Stoff mit vergleichsweise geringer Verfügbarkeit. In 50 Jahren wird nicht mehr viel neues Material aus der Erde zu holen sein.

Der Übergang zu den Erneuerbaren sollte also zügig vonstatten gehen. Derzeit klemmt er. Dabei scheint weniger die Erzeugung das Problem zu sein, sondern die Verteilung und vor allen Dingen die Speicherung. Im Speicher zeigt sich die ganze Konsequenz des Endes fossiler Energienutzung. Es gibt weder eine Technik noch eine Idee, Energiedichten wie die von Öl, Gas und Kohle über längere Zeit einzulagern. In anderen Worten, um die Energie von Öl auf andere Weise zu speichern, benötigt man 20, 40 oder 100 Mal größere Massen und Volumina. Die Lösungen können keine vergleichbaren Alternativen zur fossilen Energienutzung darstellen. Der einzige heute bekannte Ausweg aus dem Dilemma ist ein Irrweg. Es ist der Übergang auf die pflanzliche Herstellung von Öl, Gas und Kohle. Sie entzieht der Menschheit die Nahrung. Das zukünftige Leben wird eines mit abgesenkter Energiedichte und in Konsequenz auf abgesenktem Energieniveau sein. Man kann die Entwicklung fürchten. Man kann sie aber auch interessiert begrüßen. Sie bietet wie jede Veränderung Risiken und Chancen.

Wir sollten den Euro verlassen, bevor uns der Euro verlässt. Die Abwandlung des Zitats ist keine zwanghafte Beugung der Birol’schen Aussage. Sie steht ihr so nahe wie der Satz selbst. Die Menschen in der Eurozone leben seit Einführung der Gemeinschaftswährung auf erhöhtem Finanzniveau. Ähnlich wie bei der Subprime Immobilienblase in den USA, die die Geld- und Finanzkrise auslöste, wurde durch die Einführung des Euros eine Situation geschaffen, die große Bevölkerungsteile Europas über ihre Verhältnisse wirtschaften ließ. Das Leben wurde, wie die Immobilien in den USA, kreditfinanziert. Regierungen und Banken forderten die Lebensweise ein. Menschen hatten kaum eine Wahl. Wenn sie sich nicht durch besseres Wissen geleitet dagegen wehrten, wurden sie in den süßen Strudel eines fremden Lebens hineingerissen. Nun erweist er sich als bitter. Die Verheißungen sind eine Schimäre. Die Menschenfänger in den Finanzinstituten fordern ihren Sold. Wenn sie den nicht von den Gefangenen direkt bekommen, lassen sie ihn über die Legislative und Exekutive von der breiten Masse eintreiben. Ihre Täuschungskunst funktioniert ungebrochen. Die Organe glauben an die Lösungsversprechen der Betrüger. Sie argumentieren mit dem Abtragen von Schulden und damit, dass Bürgschaften nicht zahlungswirksam werden. Sie bedienen eine Klaviatur aus Angst und Verheißung, die immer noch so gut funktioniert wie einst im Kanzleramt, als Joseph Ackermann mit abwegigen Zerrbildern von Kernschmelzen die ersten Milliarden erpokerte. In diesem Spiel wird kein Schuldner jemals freigestellt. In diesem Spiel wird jede Bürgschaft zahlungswirksam. Dieses Spiel kann nur durch die Änderung der Regel geändert werden.

Schulden werden nicht durch ihr Bedienen, sondern durch Löschung eliminiert. Der Euro, der in seiner aktuellen Form nur der Finanzwelt dient, ist der Idee eines friedlichen Europas mit vielfältigen Kulturen und Regionen und mit Lebensstilen auf unterschiedlichen Finanz- und Energieniveaus nicht würdig. Er hat seine Daseinsberechtigung verloren. In Zeiten elektronischer Zahlungsflüsse sind Währungskonvertierungen automatische Prozesse, die weder Kraft noch Arbeit kosten. Sie stellen keine Wohlstandsbremse im internationalen Handel dar. Heute wissen wir, dass nicht der Euro, sondern die damit verbundene Kreditwirtschaft zu vermeintlichem Reichtum und wirtschaftlichem Erfolg führte. In den USA wird deutlich, dass ein Fortgang des alten wirtschaftlichen Treibens auch unter der Ägide eines Staates und einer Währung nicht funktioniert. Es gibt keinen Grund, in Europa danach mit dem Gepäck des diskreditierten Euros zu streben. Die Zeit für Veränderung ist überreif. Das zeigt unser Energieregime und unser Geldregime.

Noch ist nicht sicher, ob die Finanzszene durch die jüngsten Brüsseler Beschlüsse wieder Tritt gefasst hat. Noch darf man hoffen, dass Gerichte ihre Herrschaft brechen. Wozu diese führt, zeigen die Börsenbewegungen der letzten Tage. Sie sind schwer bullisch. Menschen werden damit höhere Lebenshaltungskosten auferlegt. Banken fahren Sondergewinne ein. Die Tonne Gasöl kostet heute Morgen 887,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 84,44 Dollar und in London zu 97,90 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 79,45 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Nach den Exzessen an den Ölbörsen hätte es schlimmer kommen können. Mit einer Teuerung von weniger als zwei Cent pro Liter sind Verbraucher recht gut bedient. Der Anstieg aufgrund fehlender Ware in der letzten Woche hinterließ heftigere Spuren. Allerdings ist Warenknappheit ein eher kurz andauernder Zustand. Wenn die Finanzszene, beflügelt durch die ihr gewährte Unterstützung, wieder auf bullisch schalten sollte, kann man davon galoppierende Preise sehen. Die verlangen Verbrauchern auf Dauer weit mehr Geld ab. Ob spekulativ eingestellte Heizölkäufer mit dem Rat, die Sache auszusitzen, weiterhin gut bedient sind, können wir derzeit nicht einschätzen. Die Unwägbarkeit von Politik macht jede Prognose zu einem Lotteriespiel. Wer die Spekulation ablehnt, sollte auf alle Fälle Heizöl ordern. Noch ist die Teuerung gut verkraftbar. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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