Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Wo ist der Plan?

Die Wirtschaft wächst. Das ist die gute Nachricht. Sie könnte stärker wachsen. Das ist die weniger gute Nachricht. Namhafte Größen unter den alten Industrieländern sind quasi pleite. Das ist die schlechte Nachricht. Sie reißt die Aktienbörsen derzeit in die Tiefe. Damit ist klar, für wen die Nachricht schlecht ist. Sie trifft diejenigen, die über hohe Finanzvermögen verfügen. Wären die Staaten nicht so hoch verschuldet, wie sie es sind, würden die Börsen in dieser Lage boomen. Die Vermögenden könnten frohlocken. Alles würde als gut gepriesen. Öl wäre allerdings noch teurer als es ist. Das wäre schlecht für die Nichtvermögenden, immerhin die große Mehrheit in den Gesellschaften. Hoch verschuldete Staaten sind selbstverständlich auch für Nichtvermögende schlecht, weil sie wesentliche Leistungen für das Gemeinwesen reduzieren müssen.

Das, was derzeit geschieht, kommt nicht unerwartet. Es ist eine naheliegende Konsequenz der Rettungstaten im Zuge der Finanzkrise. Die bestanden im Kern darin, das marode Finanzsystem durch Geldeinschüsse zu stabilisieren. Das wurde als wichtig erachtet, um die Wirtschaft vor einem Kollaps zu bewahren. Der Preis der Geldeinschüsse, das war von Beginn an klar, ist eine noch schnellere Verschuldung der Staatshaushalte. Zu deren Lasten gingen nämlich große Teile der Geldeinschüsse. Da diese nicht aus einer Vermögenskasse entnommen werden konnten, mussten und müssen sie kreditfinanziert werden. Die Rechnung, auch das war klar, kann nur aufgehen, wenn die Wirtschaft schneller wächst als zuvor. Sie muss mit dem Schuldenwachstum mindestens Schritt halten. Deshalb wird das Mantra vom Wachstum täglich gebetet.

Das Mantra hat gewirkt. Die globale Wirtschaft wächst prächtig. Sie wächst aber nicht überall. Sie wächst nur dort, wo sie wettbewerbsfähig ist. Das ist dort gegeben, wo die Preise relativ gering und die Leistungen relativ hoch sind, also dort, wo die Menschen für ihre Leistungen verhältnismäßig wenig Geld bekommen. In China und Indien aber auch in Deutschland ist das der Fall. In den USA und Italien ist das beispielsweise nicht der Fall. In diesen Ländern wird das Wirtschaftswachstum erheblich hinter dem Schuldenwachstum bleiben. Der Untergang ist damit vorprogrammiert. Das wusste man schon 2008. Auch in Deutschland wachsen die Schulden schneller als die Wirtschaft. Der Unterschied der Wachstumsraten sieht nur etwas besser als anderswo aus.

Um kräftiges Wirtschaftswachstum zu erzielen, braucht man Energie und Märkte für das, was man mit Energie schafft. Energie stellt die Potenzierung der menschlichen Arbeitskraft dar. Je mehr davon verbraucht wird, umso mehr Waren lassen sich produzieren. China produziert sehr viele Waren, verbraucht dafür sehr viel Energie und hat sehr große Märkte, weltweit versteht sich. Die USA produzieren weniger Waren, verbrauchen dafür tendenziell weniger Energie und haben keine weltweiten Märkte. Wären die USA wettbewerbsfähiger, hätten sie wahrscheinlich mehr Märkte. (Märkte meint hier Absatzmöglichkeiten.) Sie würden mehr Energie verbrauchen. Das wäre eine Freude für Finanzjongleure, denn die könnten sich auf die Teuerung von Öl und anderen begrenzt verfügbaren Rohstoffen verlassen. Aber auch ohne wettbewerbsfähige USA ist die Teuerung von Öl und Rohstoffen einigermaßen verlässlich. Die Chinesen, immerhin ein Volk mit mehr Einwohnern als die OECD-Länder zusammen, können durchaus einen Großteil der globalen Warenproduktion übernehmen. Dass die Finanzszene diese Lösung nicht gleichermaßen bejubelt wie eine, in der die USA bedeutend sind, liegt daran, dass die USA mittlerweile eine Gefahr darstellen. Sie sind quasi das Griechenland der Welt. In den USA ist das Dilemma aus unzureichendem Wirtschaftwachstum und zu schnellem Schuldenwachstum so offensichtlich, dass es sowohl die Existenz des Finanzsystems als auch die theoretischen und praktischen Grundlagen der Wirtschaft ad absurdum führt. Das existierende Finanzsystem hat einen irreparablen Konstruktionsfehler. Er besteht im verbrieften Zwang zu exponentiellem, unbegrenztem Finanzwachstum. Das ist zwar theoretisch unbedenklich. Praktisch ist es aber nicht anwendbar, weil die Realwirtschaft dem nicht folgen kann. Sie hat die Endlichkeit aller Ressourcen zu berücksichtigen.

Dieser Zusammenhang ist den handelnden Personen bekannt. Gleichwohl suchen sie nicht nach einem neuen Finanzsystem, sondern nach Lösungen innerhalb des bestehenden Systems. Damit kommen sie noch einige Zeit durch. Eine Verbesserung der Lage ist aber so unwahrscheinlich wie das Erscheinen unbegrenzter fossiler Ressourcen auf der Erde. Besserung ist nicht in Sicht. Und sollte sie in einzelnen Staaten dennoch gelingen, wird sie auf Kosten von Menschen in anderen Ländern gehen.

Selbst Finanzjongleure werden sich in diesen Tagen fragen, ob sie mit der vermeintlichen Rettung ihrer Welt gut bedient sind oder ob ihre Neuordnung nicht mehr Perspektive bietet. Die offensichtlichen Unzulänglichkeiten im Finanzsystem rufen Wechselstimmungen ungeahnten Ausmaßes hervor. In der letzten Woche war Party angesagt. Nun ist der Jammer groß. Aktienindizes stürzen rasant ab. Die Ölpreise können sich noch einigermaßen halten. Wie lange noch, ist die Frage. Der Dollar, eigentlich auf dem Weg zu einer wertlosen Valuta, steigt derweil steil in die Höhe. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 981,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,66 und in London zu 115,24 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,19 Eurocent.

Unsere Heizölpreise verlangsamen ihren Anstieg. Gemäß den Ölbörsen müssten sie sinken. Der Dollar ist momentan aber so stark, dass er den Ölpreisrückgang mehr als kompensiert. Der aufgelöste Abwärtstrend der Heizölpreise könnte vor dem Hintergrund hoher Unsicherheit und tendenzieller Absturzgefahren an den Börsen ein neues Leben erhalten. Heute kann zumindest die Hoffnung darauf reaktiviert werden. Es lohnt sich bestimmt, die Heizölpreise eng zu verfolgen. Dabei kann unser Preisalarm hilfreich sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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