Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Zweifel sind gut für den Ölpreis

Der Aufschwung scheint bereits zu Ende zu gehen. Die Rede ist nicht vom konjunkturellen Aufschwung, sondern vom Ölpreisaufschwung. Die US-Bestandsdaten konnten der kurzfristigen Aufwärtsbewegung keinerlei Unterstützung geben. Sie bestätigten das bekannte Bild, viel Angebot – wenig Nachfrage. Und als reichte der übliche Datensatz nicht schon aus, um die Stimmung des gemeinen Spekulanten abzukühlen, wurde als Bonus ein für ihn nicht minder gemeines Datum zum US-Ölkonsum selbst auf den Markt geworfen. Die Nachfrage ist im Januar um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Wo sinkt sie nur hin, diese Nachfrage?

Phantasien, sich eine höhere Nachfrage vorzustellen, sind da. Institute sammeln Daten und basteln daraus wohlklingende Indikatoren, die den Glauben an eine ölverzehrende Zukunft festigen sollen. Die Finanzwirtschaft ist willens, so ziemlich alles zu verarbeiten, was als Grund für Kurssteigerungen von Wertpapieren auf Unternehmensanteile und auf Rohstoffe verwendet werden kann. So werden phantastische Konjunktursteigerungen in Aussicht gestellt, mit denen in vorauseilender Bewertung Preise in die Höhe getrieben werden. Doch spätestens beim Blick auf die reale Nachfrage, wankt das fragile Phantasiegebilde der Finanzszene. Es ist wie vor der Krise. Die Protagonisten wissen, dass ihr Treiben nicht dauerhaft tragfähig ist. In dieser Lage gibt es nur zwei Möglichkeiten, aussteigen oder Augen zu und durch. Wie immer liegt die zweite Alternative näher als die erste. Und so werden die Augen vor den Widersprüchen der aktuellen Lage verschlossen. Widersprüchlich ist beispielsweise die Forderung, Banken durch Erhöhung der Eigenkapitalbasis krisenfester zu machen und gleichzeitig auf eine lockere Ausgabe von Krediten zu pochen. Dass Banken Gewinne zur Bildung von Eigenkapital eher aus dem Eigenhandel mit Finanzspekulationen als mit der Vergabe von Krediten in eine vollkommen unsichere konjunkturelle Lage hinein zu erzielen versuchen, ist angesichts kurzfristiger Ziele plausibel. Widersprüchlich ist auch die Hoffnung auf ein Anziehen der Konjunktur, zumindest aus staatlicher Perspektive. Liefe die Konjunktur besser, würde die Niedrigzinspolitik umgehend beendet werden müssen. Dann aber wiegt die Last der erhöhten Schulden zur Überwindung der Krise noch schwerer. Der Schuldendienst, den die Finanzminister leisten müssen, steigt nicht wegen neuer Schulden, sondern wegen erhöhter Zinsen. Die Aussicht, dass das Wirtschaftswachstum größer sein wird als ein Zinsanstieg, existiert nicht. Es gibt keinen positiven Effekt für die Handlungsfähigkeit des Staates. Er wird im bestehenden Finanzsystem definitiv stetig handlungsunfähiger.

Eigentlich geht es hier um den Ölmarkt. Da dieser untrennbar mit dem Finanzmarkt verbunden ist, kommt es immer wieder zu Exkursionen auf scheinbar fremdes Terrain. Der Finanzmarkt wiederum steht in Symbiose mit dem Staat. Von ihm bezieht er seine Regeln. Auf ihn wirkt er zurück, durch Abhängigkeiten, die staatliche Verschuldung mit sich bringen. Deshalb landet man bei der Beschäftigung mit Öl unweigerlich bei gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Ganz und gar nicht gesellschaftspolitisch relevant ist nun aber die Wiedergabe der US-Bestandsdaten. Zum einen sind sie wenig ergiebig, weil sie keine nennenswerte Veränderung gegenüber der Vorwoche zeigen. Zum anderen haben sie angesichts anderer Anreize der preistreibenden Finanzszene kaum noch Einfluss auf die Ölpreisbildung. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Instanzen, gaben folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: +2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,1 (DOE) bzw. 2,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind fast unverändert zur Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung beträgt weiterhin 78 Prozent.

Heute Morgen sieht man in der Preisbildung Zweifel am Aufschwung. Preisrückgang liegt in der Luft. Die Tonne Gasöl kostet 610 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 76,65 Dollar. Der US-Dollar wird zu 72,21 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zogen gestern weiter an. Der Aufwärtsdrang lässt allerdings nach. Wir halten es durchaus für möglich, dass die Preise in den nächsten Tagen wieder nachgeben werden. Das Urteil über hopp oder topp wird nicht am Ölmarkt, sondern am Finanzmarkt gefällt. Solange der Glaube an steigerbare Gewinne in der Finanzszene lebt, besteht die Gefahr steigender Ölpreise. Selbstzweifel der Szene sind nicht nur als solche ehrenhaft. Sie geben den Ölpreis nach unten frei. Auf die kann ein Ölheizer bauen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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