Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Zwischen Euphorie und Sorge

Vor drei Jahren war Öl teurer als heute. Damals legte der im Jahresverlauf kontinuierlich angestiegene Preis gerade eine Pause ein. Sie endete Anfang Februar mit einem kurzen, knappen Rückgang. Dann ging die Reise der Preise weiter bis auf 150 Dollar pro Barrel Rohöl. Zeitgleich begann der Abstieg der Aktienindizes, die im Oktober 2007 ihren Höhepunkt erreicht hatten. Während Politik und Wirtschaft noch die sorgenlosesten Zeiten der Menschheitsgeschichte bejubelten, beschlich kritische Geister des Zeitgeschehens Unbehagen. Mit dem Auseinanderdriften von Öl- und Aktiennotierungen in den folgenden Monaten entwickelte sich aus dem Unbehagen die Gewissheit, dass das Finanz- und Wirtschaftssystem beschädigt ist. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis der Schaden offen zu Tage trat. Viele sprachen von einer bösen Überraschung. Wenige nannten es die systemtypische Krise des Kapitalismus. Er brauche den reinigenden Knall, um sich von Übertreibungen zu befreien.

Die Befreiung wird als die größte ihrer Art seit 80 Jahren tituliert. Ihre erwarte Wirkung auf das gerade noch in Sicherheit geredete Volk löste pure Panik in den Kreisen der politischen Eliten aus. Mit allem was sie hatten und vor allen Dingen was sie nicht hatten, bemühten sie sich um Schadensbegrenzung. Geld hatten sie nicht. Gleichwohl gaben sie es in nie gekannten Mengen aus. Sie fluteten das Finanzsystem mit Liquidität. Es gelang ihnen, die Wiederholung der Geschichte der letzten großen Krise zu vermeiden. Dafür lässt sich die Politik feiern.

Die Lageanalyse nach den spontanen Notoperationen bescheinigte den alten Industrieländern fortan eine schwierige Zeit. Hingegen sollten die Schwellenländer rasch wieder auf die Beine kommen und ihre Erfolgsgeschichte fortsetzen. Dieser Teil der Analyse hat heute noch Bestand. Er wurde lediglich etwas modifiziert. Die Situation der USA ist schlechter, der Zustand Deutschlands ist besser, als in den ersten Veröffentlichungen geurteilt wurde. Warum das so ist, können Analysten heute sagen. Im Nachhinein ist man eben schlauer als zuvor. Ein zweiter Teil der Analyse beschäftigt sich mit den Gründen der Krise. Weitgehend einig sind sich Volkswirte, dass ihre Ursache im zügellosen Umgang mit nicht gedeckten Finanzmitteln liegt. Der Markt wurde über Jahre mit Geld versorgt, das seine real agierenden Teilnehmer gar nicht erwirtschaften konnten. Explizit werden der amerikanische Immobilienmarkt und die Idee, jedem Bürger unabhängig von seinem Leistungsvermögen ein Eigentumshaus zu geben, als Sündenfall beschrieben. Seine Auswirkungen wurden in Form verbriefter Finanzprodukte in die Welt exportiert.

Heute jubelt man in weiten Teilen der Erde über die geglückte Rettung. Die Wirtschaftentwicklung wird als Beweis dafür angesehen, das Richtige getan zu haben. Dabei sieht man gerne über die tieferen Konsequenzen des zweiten Teils der Lageanalyse hinweg. Diese Konsequenzen führen unweigerlich zu dem Schluss, dass die Rettung mit den Mitteln der Infizierung vonstatten ging. Das Finanz- und Wirtschaftssystem wurde mit Unmengen nicht gedeckter Finanzmittel am Leben erhalten. Gelten derartige Mittel in der Vorzeit der Krise noch als ihr Auslöser, sind sie nun die Rettung. Die Sache hat fatale Nähe zu einem Drogenkranken, dem der Kollaps mit Hilfe der Drogen erspart bleibt. Der von Hardcore-Kapitalisten als systemimmanent beschriebene reinigende Knall fand gar nicht statt. Das System steckt folglich noch voller Übertreibungen.

Menschen scheinen das zu spüren. Diejenigen, die an den Finanzmärkten zocken, drehen zwar wieder ein großes Rad. Sie sind bemüht, ihre vermeintliche Erfolgsgeschichte fortzusetzen. Aber verglichen mit den Zeiten vor drei und mehr Jahren, bleibt ihre Geschichte blass. Ausdruck findet das seit geraumer Zeit im Seitwärtsgang der Öl- und Aktiennotierungen. Es gibt immer wieder Versuche, aus der Langeweile auszubrechen. Wirklich erfolgreich waren die nicht. Neben der hemmungslosen Gier existiert offensichtlich so etwas wie Sorge vor einem neuen Fall. Sie ist derzeit das Korrektiv, das die Finanzwelt am Abheben hindert.

Und die Menschen, die nichts mit der Finanzwelt zu tun haben oder nichts von ihr wissen wollen, stehen der Welt skeptischer gegenüber als vor drei Jahren. Sie zeigen das öffentlich, indem sie sich zu Themen, die begreiflicher sind als der Finanzzirkus, protestierend äußern. Diese Äußerungen erscheinen oft wie ein Ventil, das dem Drucktopf einer unausdrückbaren Gesellschaftskritik Entlastung verschafft. Die Äußerungen werden von den kritiklosen Systemrettern und Apologeten der Weiter-wie-bisher-Philosophie nicht verstanden und oft nicht einmal für diskussionswürdig erachtet. Ausgedrückt wird ihre Haltung mit dem Attribut „alternativlos“. Dabei liegt die Alternative auf der Hand. Sie wäre die begreifbare Erklärung, wie man den offensichtlich aufgeblasenen Kapitalismus zurück zu einer für möglichst viele Teilhaber zufriedenstellenden Marktwirtschaft zu holen gedenkt. Im Rahmen dieser Erklärung lässt sich dann über die Projekte reden, die dem Volk zukunftsfähig erscheinen. Dass sich dabei eine No-Go-Einstellung durchsetzen sollte, wie von politischen Eliten oft beklagt wird, ist höchst unwahrscheinlich. Das Interesse für Technik ist unserem Volk beileibe nicht verloren gegangen. Es ist durchaus denkbar, dass die Reparatur der Marktwirtschaft und der Umbau zu einer Nachhaltigkeit praktizierenden Gesellschaft eine notwendige Partnerschaft darstellen, an der die Geschichte nicht vorbei kommt.

An den Öl- und Devisenmärkten herrscht weiterhin die lähmende Gemengelage aus Euphorie und Sorge. Weder im Finanzsystem noch in der Realwirtschaft gibt es derzeit Zeichen, dass sich das sobald ändern sollte. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 700,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 82,07 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,65 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zeigen sich ungewöhnlich stabil. Sie bewegen sich seit Monaten seitwärts. Zeitweise kann man in die Preise geringfügige Aufwärtstendenzen hineininterpretieren. Auf Sicht von einem halben Jahr relativieren sich aber selbst diese zu einem Seitwärtstrend. Die Heizölpreise zeigen als Produkt von Öl- und Dollarnotierungen wie ausgleichend die täglichen Preisschwankungen an den Börsen eigentlich sind. Da wird viel Geld mit wenig Effekt verschoben. In einem solchen Umfeld macht es kaum Sinn, den Heizölkauf von Preissignalen auslösen zu lassen. Bedeutender ist der Füllstand im Tank. Wenn er Knappheit zeigt, muss gekauft werden. Warten wird dann nur teuer. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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