Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Zwischen Traum und Wirklichkeit

Gestern durchlebten die Börsen in wenigen Stunden die ganze Dramatik der Gegenwart. Der als gelöst geltende Schuldenstreit in den USA und die darin enthaltene moderate Anhebung der Schuldengrenze sorgten für steigende Kurse an Öl- und Aktienmärkten. Sie drückten die Hoffnung aus, dass der Traum von der Wiederbelebung des Wachstums realisierbar ist. Die Hoffnung kam jäh abhanden, als bekannt wurde, dass das verarbeitende Gewerbe der USA mittlerweile nahe dem Nullwachstum operiert. Die Kurse stürzten ab. Gegen Ende des Handelstages wurde ein Teil der Verluste wett gemacht. Diese Tatsache verdient die Kommentierung, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die USA eignen sich hervorragend zur Illustrierung der Erkenntnisse zum Wachstum und seinen Grenzen. Wie in keinem anderen Land der Welt hängt ihr wirtschaftlicher Erfolg am Öl. Es ist wahrscheinlich keine Übertreibung, Aufstieg und Fall der USA mit der aufsteigenden und abfallenden Glockenkurve der Ölnutzung zu verknüpfen. Die Geschichte zeigt immer wieder entsprechende Zusammenhänge, im Guten wie im Schlechten. Wenn billiges Öl floss, ging es der US-Wirtschaft gut. Wenn es Engpässe gab, fiel das Land in Rezessionen. Aus Öl wurden gewaltige Mehrwerte gezogen. Seine Energie ersetzte die Produktivkraft unzähliger Menschen und schuf vollkommen neue Möglichkeiten menschlicher Mobilität. Sie prägte den Lebensstil einer fortschreitenden, optimistischen Gesellschaft. Fortschritt hieß darin, morgen ist das Leben noch besser als heute, weil alles, was geschaffen wird, besser sein wird als das, was bis dahin geschaffen wurde.

Mit der Nutzung von billigem Öl lässt sich eine Menge Geld verdienen. Der Gewinn ist die Differenz aus den Produktionskosten und seinem Nutzwert. Der kann bisweilen sehr hoch sein. Mit Fortschritt im skizzierten Sinn lässt sich noch mehr Geld verdienen. Denn er ist eine Veredelung der Ölnutzung. Fortschritt kostet auch eine Menge Geld, weil er finanziert werden muss. Wenn man davon ausgeht, dass dieser Fortschritt ewig währt, ist es kein Problem, seine Finanzierung als Schuldverschreibung auf die Zukunft zu betreiben. Auf diese Weise steigen die Schulden zwar ins Unermessliche. Der Gewinn steigt aber auch. Eine Tatsache ist, dass die Verteilung von Schulden und Gewinn innerhalb einer Gesellschaft grundsätzlich unausgewogen erfolgt. Ein Problem ist, dass die Unausgewogenheit im gleichen Maß wie die Schulden- und Gewinnkurve steigt. Damit der soziale Sprengstoff dieser Unausgewogenheit begrenzt bleibt, versuchen Staaten ihn durch Sozialprogramme zu entschärfen. Das geht in den meisten Fällen nur über Kredite, die als Hypothek auf die Zukunft aufgenommen werden. Da Staaten kein gewinnbringendes Geschäftsmodell haben, können die Kredite nur fortgeschrieben werden. Sie werden niemals aufgelöst. Dass die Kredite wachsen und die Schuldendienste steigen, versteht sich von selbst. Bereits diese Tatsache lässt an einer dauerhaften Zukunftsfähigkeit von Staaten oder zumindest Staatshaushalten zweifeln. Die Pleite gehört zum Programm.

Seit der letzten Finanzkrise stellt sich das Problem deutlich schärfer dar. Insbesondere in den USA ist mit der Krise der Optimismus abhanden gekommen. Das führt dazu, dass der private Sektor nicht mehr wie zuvor bereit ist, die Zukunft über steigende Verschuldung zu finanzieren. Weil diese Tatsache Sein und Nichtsein des gesamten Wirtschaftssystems in Frage stellt, sieht sich die Regierung gezwungen, ihrerseits für die zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft nötige Verschuldung zu sorgen. Nun schultert der Staat nicht nur die Schulden für einen notdürftigen sozialen Ausgleich innerhalb der Bevölkerung. Nun kommt er auch noch für die Fortsetzung der privaten Verschuldung zur Aufrechterhaltung des Konsums auf. Sinn macht das nur, wenn es gelingt, den privaten Sektor wieder zur Selbstverschuldung zurückzuführen. Dazu muss der Glaube an das oben skizzierte Zukunftsmodell wiederbelebt werden.

Während sich die Regierung inständig bemüht, das Ihre zur Heilung des alten Systems zu tun, wächst an der für die USA so wichtigen Ölfront die Erkenntnis, dass das billige Öl verbraucht ist. Damit kommt eine wesentliche Grundlage des Erfolgsmodells USA abhanden. Mehrwerte wie früher werden sich aus der Nutzung des Öls nie wieder genieren lassen. Dieses Wissen ist innerhalb der Bevölkerungen angelsächsischer Länder deutlich präsenter als hierzulande. Mit diesem Wissen lässt sich schwer Optimismus entwickeln. Die jüngste Maßnahme der OECD-Länder, trotz auskömmlicher Ölversorgung Mengen der strategischen Reserven auf den Markt zu werfen, wovon in erster Linie die USA profitieren, zeigt, wie ernst die Regierung das Problem der Ölpreise in dieser Lage nimmt. Der ersehnte Erfolg, deutlich tiefere Preise, blieb aus.

So schreitet das Gefühl, dass es keinen Weg zurück zu den guten alten Zeiten gibt, voran. Und alle Rettungspläne der Politik erweisen sich mit dem Ausbleiben ihres Erfolgs als Beschleuniger des Abgangs. Das 20. Jahrhundert wird das Jahrhundert der USA genannt und es war das Jahrhundert des Öls. Öl wird auch im 21. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielen. Einen erfolgreichen Staat wird man darauf aber nicht mehr aufbauen können. Je schneller die USA vom Öl wegkommen, umso besser stellen sie sich ihrem Abgang entgegen. Das Problem, die Zukunftsfähigkeit durch die kurzsichtigen Rettungsmaßnahmen zur Heilung der Finanzkrise dezimiert zu haben, haben allerdings alle alten Industriestaaten.

Was soll in dieser Lage an den Börsen geschehen? Wie sollen sich Ölpreise und Aktienkurse entwickeln? Schwer zu glauben, dass es so etwas wie einen anhaltenden Anstieg geben kann. Beim Öl könnte dieser aufgrund seiner strukturellen Knappheit noch eher eintreten als an den Aktienmärkten. Sicher ist der unaufhaltsame Anstieg der Ölpreise aber keineswegs. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Ölnotierungen heute Morgen seitwärts dümpeln, während die Aktienkurse fallen. Die Tonne Gasöl kostet 985,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,32 Dollar und in London zu 116,19 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,35 Eurocent.

Unsere Heizölpreise tendieren seitwärts. Sie folgen den Öl- und Devisenbörsen. Eine andere als diese Richtung ist derzeit schwer vorstellbar. Trotz struktureller Knappheit des Rohstoffs, aktuell ist er noch nicht knapp, wäre eine deutliche Preissteigerung vor dem Hintergrund von Schuldenkrise und Wirtschaftsunsicherheit nicht zu rechtfertigen. Wobei an den Börsen keine Bewegung gerechtfertigt werden muss. Erklärungen sind immer nur nachträgliche Geschichten zu einem eingetretenen Preis. Ob die Stimmung demnächst so tief sinken wird, dass die Preise ebenfalls fallen, kann derzeit niemand erahnen. Möglich ist es. Man sollte die Heizölpreise eng verfolgen, um einen der selten auftauchenden freundlichen Kaufmomente aufzuspüren. Dabei kann unser Preisalarm hilfreich sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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