Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Übermut tut selten gut

Zweieinhalb Jahre nach dem Big Bang in der Finanzkrise ist das Desaster, das der unverantwortliche Umgang mit Finanztiteln aller Art ausgelöst hat, noch nicht ausgestanden. Die politischen Führungen der Industrienationen bemühen sich weiterhin um eine Beruhigung des außer Kontrolle geratenen Systems. Das Totalversagen wurde bis heute verhindert. Mehr nicht. Die bejubelten Daten über die wirtschaftliche Entwicklung sind nur scheinbar gut. Der Vergleich mit Zahlen vor der Finanzkrise relativiert den Optimismus. Der Sachstand heute ist, dass die Stabilität des Finanzsystems mit der eines Uranatoms vergleichbar ist. Es bedarf nur eines geringen äußeren Anstoßes, um es zum Platzen zu bringen.

Mit dem Bild ist dann auch die zweite Großbaustelle der industrialisierten Welt skizziert, die Energieversorgung. Auch hier muss man unverantwortlichen Umgang konstatieren. Im aktuellen Fall bezieht sich die Verantwortungslosigkeit auf die Anwendung von Wissen, das wir über die Ursache von Naturkräften haben. Der Reiz des scheinbar Unbegrenzten hat hier lange vor den Exzessen der Finanzbranche für die Verwirrung der Sinne gesorgt. Rein rechnerisch ist die Energie, die aus atomaren Spaltprozessen bis zur Auflösung von einem Kilogramm Materie gewonnen wird, zwei Milliarden Mal größer als die Energie, die in einem Liter Öl steckt. Die Idee, aus einem Kilogramm Materie 13 Mio. Barrel Öl zu machen, lässt Großmannssucht greifbar werden. Da können Folgeprobleme schnell zu Restrisiken erklärt werden. Die Menschheit benötigt übrigens täglich 89 Mio. Barrel Öl.

Während die Finanzkrise aufgrund ihres noch weniger verstehbaren Gefahrenpotenzials als das des atomaren „Restrisikos“ für wenig öffentliche Verstimmung sorgt, zwingt der atomare GAU in Japan zur politischen Neubewertung der Atomenergie. Es ist ein Fortschritt, dass das geschieht. Es ist aber so unzureichend wie ein Bombenangriff auf Muammar al-Gaddafis Luftwaffe. Was wir benötigen, ist eine Neubewertung unseres Hangs zur Großmannssucht. Die beginnt bereits bei unserem Ölbedarf. Der ist mit dem, was eine einzige Erde beherbergt, auf Dauer nicht zu decken.

Anders als in der Atomdebatte, die sehr schnelle Lösungen verlangt, können und sollten wir im Fall des Öls immerhin mit etwas mehr Ruhe an die nötigwendige Veränderung gehen. Die Nutzung von Mineralöl kann in der Tat als Brückentechnologie bezeichnet werden. Wenn man ihre Gefahren einmal ausklammert, was angesichts der Katastrophe um Deepwater Horzion schwierig genug ist, gibt es aktuell keinen Grund zu übermäßiger Hast. Öl ist derzeit auskömmlich vorhanden. Das zeigt sich besonders in den USA, dem Mutterland des Ölkonsums. Die öffentlichen Bestände sind zwar in den letzten Wochen geschrumpft. Sie befinden sich aber immer noch auf einem recht hohen Niveau. Die aktuellen Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung in den US-Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -7,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,2 (DOE) bzw. 7,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 84 Prozent gestiegen. In einige Raffinerien wurden die planmäßigen Revisionen beendet.

Neben den beiden für unsere Lebensweise brennenden Problemen der Finanzsysteme und des Ressourcenbedarfs gibt es als dritte Baustelle die Verteilungsgerechtigkeit. Sie bricht derzeit in der arabischen Welt auf. Auch diese Baustelle wird Folgen für unser Leben haben, mit denen wir uns lieber früher als später beschäftigen sollten. Im Augenblick bestehen die Folgen nur in einem kaum kalkulierbaren Anstieg der Ölpreise. Heute Morgen setzt sich dieser Anstieg fort. Die Tonne Gasöl kostet 1.000,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 105,97 und in London 115,58 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 71,02 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Insgesamt bewegten sie sich in den Märzwochen seitwärts. Die Gefahr, dass sie aus diesem Trend nach oben aussteigen, ist größer als die Chance, dass sie sich nach unten absetzen. Wir beziehen uns bei dieser Einschätzung im Wesentlichen auf die Geschehnisse in der arabischen Welt. Zu bedenken ist, dass die sozialen Spannungen in Saudi Arabien, dem für die globale Ölversorgung mit Abstand wichtigsten Land, bisher noch nicht wie in anderen Staaten offen ausgebrochen sind. Das kann aber jederzeit geschehen. Deshalb halten wir es für angebracht, lieber früher als später Heizöl zu kaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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