Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Bärenstarker Abgang

Der Ölpreis steigt. Dabei handelt es sich um eine technische Reaktion auf den Sturz der letzten Tage. Binnen einer Woche kamen erneut fast 25 Prozent des Preises unter die Räder. Es bleibt dabei, die Kurse legen einen bärenstarken Abgang hin. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. In den kommenden Tagen ist allenfalls eine Störung zu erwarten. Neben dem charttechnischen Impuls wird diese durch die anstehende Lieferkürzung der OPEC verursacht. Da sich die Welt bei sinkender Ölnachfrage nun mit einer Überproduktion konfrontiert sieht, kann eine Kürzung keine nachhaltige Preissteigerung verursachen. Schließlich nimmt sie nur Mengen aus dem Markt, die er ohnehin nicht braucht.

Mehr als der Kürzungsbeschluss interessiert die reale Kürzungsmenge. Die Mitgliedsstaaten des Kartells neigen dazu, ihre Beschlüsse nicht sehr ernst zu nehmen. Weil der eigene Haushalt näher ist als die Gemeinschaft der Ölproduzenten, wird jedes Land versuchen, die Erlöse der Ölverkäufe hoch zu halten. Dazu wird mehr Öl verkauft, als die Quote erlaubt. Die Folge ist eine Fortsetzung des Preisverfalls. Irgendwann platzt einem potenten OPEC-Mitglied der Kragen wegen Disziplinlosigkeit der Ölgemeinschaft. Dieses Mitglied wird wahrscheinlich Saudi Arabien sein. Dem Wutausbruch folgt das Öffnen der Ölhähne und eine erneute Ölschwemme. Die Preise kennen kein Halten. Sie fallen weiter. Die OPEC-Mitglieder lenken erschrocken ein und drosseln mal wieder. Wenn die Wirtschaft nicht irgendwann während dieser OPEC-internen Auseinandersetzung in Schwung kommt, wird sich das Spiel aus Beschlüssen und Zuwiderhandlungen fortsetzen. So jedenfalls war es in der Geschichte. So wird es vermutlich auch in der Gegenwart sein.

Die Nagelprobe für die Verbindlichkeit ihrer Beschlüsse wird das Kartell in den nächsten Tagen erleben, wenn erste Hochrechnungen über die Novemberlieferungen herauskommen. In Summe müssen die Mengen annähernd zwei Mio. Barrel pro Tag geringer sein als die Oktoberlieferungen. So will es der letzte OPEC-Beschluss. Die Erhebung der Zahlen vermittelt einen Eindruck über Bündnisvertrauen. Als verlässlich geltende Daten werden nicht in den Ölministerien der einzelnen Mitgliedsstaaten abgefragt. Sie stammen von unabhängigen, meist europäischen Beobachtern, die die Tankerbewegungen auswerten. Aus diesen werden die weltweiten Ölströme errechnet.

Derzeit fällt die Nachfrage so rasant, dass selbst ein aggressiv erscheinender Kürzungsbeschluss Gefahr liefe, unzureichend zu sein. Die weltweiten Ölvorräte steigen stetig. Mittlerweile werden sogar Tanker als Öllager genutzt. Wie bereits während der Hochpreisphase gilt auch jetzt der an einen Wahlkampfslogan Bill Clintons angelehnte Satz „Es ist die Nachfrage, Dummkopf“. Unsere Aufmerksamkeit wird ständig auf das Angebot gerichtet. Das war so vor einem halben Jahr, als die Preise ganz oben waren. Das ist auch jetzt so. Dabei wird der enorme Einfluss, den die Nachfragesteuerung hat, vollkommen unterschätzt. Im Augenblick gibt es aus preislicher Sicht keinen Grund, auf die Nachfrage Einfluss zu nehmen. Sie ist schließlich der effektivste Jäger der Preise. In der Interpretation als Wirtschaftindikator gibt es aber sehr wohl einen Grund, mit der Nachfrage zu hadern. Wunschgemäß soll sie so schnell wie möglich wieder steigen. Das bedeutet aber, dass auch die Ölpreise steigen werden. Da das nicht gewollt sein kann, steht die Steigerung von Wirtschaftsleistung ohne Nachfragesteigerung auf dem Programm. Dessen sollten sich eilige und populistische Konjunkturprogrammierer bewusst sein. Die Herausforderung ist groß und sollte als eine solche angenommen werden. Sie hat sich innerhalb dieses Jahres nicht geändert. Allenfalls ist der Blickwinkel auf die Probleme ein anderer geworden. Ob die handelnden Politiker die essentielle Herausforderung erkannt haben, ist nicht bekannt. Man darf immerhin davon träumen, dass ein Barack Obama sie kennt.

Der für die heimischen Ölpreise relevante US-Dollar hat sich seit geraumer Zeit von den Ölnotierungen abgekoppelt. Die weltweite Spekulation hat ihn mit den Aktienmärkten verknüpft. Da sich letztere derzeit in einer Art Höhenrausch befinden, gibt der Dollar tendenziell nach. Das wird nicht lange gut gehen. Der Rausch wird in Kürze vorbei sein. Den Kursentwicklungen fehlt die reale Grundlage. Schließlich ist Rezession. Damit droht dem Dollar ein erneuter Anstieg.

Heute Morgen geht es bereits in die Richtung. Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Die Ölnotierungen halten indes ihr Niveau von gestern Abend. Die Tonne Gasöl kostet 444 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 43,36 Dollar.

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Änderung. Der tendenzielle Preisrückgang wird in diesen Tagen durch die Steuererhöhung von 1,5 Cent pro Liter auf Heizöl Extra Leicht überlagert, die ab dem 1. Januar eingeführt wird. Dort, wo Bestellungen im Januar zur Auslieferung kommen, ist die Erhöhung bereits im Preis enthalten. Schwefelarmes Heizöl verteuert der Staat nicht. Die Steuermaßnahme wird als Klimaschutz vermarktet. Wirklicher Klimaschutz ist die Senkung des Verbrauchs, egal für welche Heizölart auch immer. Hierzu empfehlen wir unser kostenloses Instrument www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen