Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Energiediskussion 2.0

Deutschland diskutiert über Energie. Das ist nicht ungewöhnlich. Der Ölpreis schafft es immer wieder auf die Titelseiten der Boulevardmedien. Aber diesmal wird weniger über Benzin- und Heizölpreise lamentiert. Diesmal geht es um Grundsätzliches. Es geht um die Grundlagen der Energieversorgung. Lange ist es her, dass darüber zuletzt vehement gestritten wurde. Am Ende des jahrzehntelang dauernden Streits stand ein Kompromiss, der den widerstrebenden Interessen gerecht werden konnte, der Atomausstiegsvertrag. Alle Interessengruppen schluckten Kröten, um die tief verwurzelte Unversöhnlichkeit zu überwinden. Im Verlauf des damaligen Streits wurden sämtliche Argumente, die die Debatte verdient, ausgetauscht. Etwas Neues zum Thema gibt es nicht. Dennoch, nach der dümmsten politischen Aktion einer deutschen Regierung, der Aufkündigung des unter schwierigen Bedingungen herbeigeführten Gesellschaftskompromisses zum Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie, wird die Diskussion abermals geführt. Hoffentlich passen die politischen Amtsträger dieses Mal besser auf, damit sie nach der nächsten Katastrophe nicht wieder sagen müssen, es hätte sich eine neue Situation ergeben.

Das zur Diskussion stehende Thema hat eine technisch wirtschaftliche und eine ethische Komponente. Letzte wird von Ökonomen üblicherweise geleugnet. Techniker stehen der Frage näher, weil sie um die eigene Fehlbarkeit wissen. Ein Techniker, der kein Technokrat ist, weiß, dass er weder seine eigenen Kreationen noch die Natur jemals absolut beherrschen kann. Der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) formulierte bereits nach der Katastrophe von Tschernobyl: „Es lässt sich ethisch nicht begründen und ist daher moralisch nicht verantwortbar, solche Kernenergietechniken weiterhin zu präferieren, die Gefährdungspotenziale wie Core-Schmelze nicht grundsätzlich ausschließen und bei denen die Frage der Entsorgung bzw. Endlagerung nicht so geklärt ist, dass zukünftigen Generationen die Möglichkeit bleibt, sich davon wieder zu trennen.“ Personengruppen, die sich professionell mit ethischen Fragen beschäftigen, standen der Nutzung der Atomenergie seit jeher mehrheitlich ablehnend gegenüber.

Ökonomen bevorzugen es, über die technisch wirtschaftliche Dimension des Themas zu referieren. Wirtschaftlich ist die Nutzung der Atomenergie für diejenigen ein Gewinn, die Reaktoren über den Moment des Return of Investment hinaus betreiben. Sie genießen den Schutzstatus von Banken. Ihre Gewinne aus Stromverkauf sind privatisiert. Ihre Risiken durch Schäden an Mensch und Natur sind sozialisiert. Ähnlich wie die Finanzindustrie hat es die Atomindustrie verstanden, Angstszenarien zum abrupten Ende des Wohlstands zu entwerfen, die zweckgemäße Wirkung insbesondere bei solchen politischen Entscheidungsträgern hinterlassen, die keine eigene Überzeugung haben. Das sind sehr viele. Immerhin können Gegner im Fall der Atomdiskussion mit nicht minder schweren Angstszenarien kontern, wobei deren Realitätsgehalt mehrfach unter traurigen Beweis gestellt wurde.

Der technischen Frage, ob wir Atomenergie brauchen, nähert man sich über die Zahlen der Energiebilanz unseres Landes. Am Primärenergieaufkommen ist Atom zu 11 Prozent beteiligt, Gas zu 22 Prozent und Öl zu 33 Prozent. Die restlichen 34 Prozent bestreiten Kohle und Erneuerbare. Die Wucht der Atomdebatte bekommt bei Kenntnisnahme ihres geringen nominellen Anteils am gesamten Energieaufkommen einen denkwürdigen Charakter. Wo liegt das Problem einer technisch bestens aufgestellten Gesellschaft, einen Anteil von 11 Prozent durch andere Energieträger oder bestenfalls durch Einsparung ersetzen zu können? Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass das in einem angemessenen Zeitraum von circa zehn Jahren problemlos funktioniert und das nicht erst heue sondern bereits vor zwanzig Jahren. Dass der Weg nicht gegangen wurde, ist nicht technisch, sondern ausschließlich durch Interessen begründet.

Bei der Umwandlung der Ressource Uran erhält man kaum 30 Prozent nutzbarer Energie. Der Rest wird als Wärme in die Umwelt entlassen. Diese Wärme ist zwar kein CO2-Ausstoß, weshalb die Atomenergie in Verzerrung ihrer immensen Gefahren als sauber tituliert wird. Gleichwohl trägt sie zur Erderwärmung bei. Das ist im Umfeld jedes Atomkraftwerks messbar. Ein temporärer Ersatz der Atomenergie durch hoch effiziente Gaskraftwerke mit Kraftwärmekopplung, deren Wirkungsgrad über 80 Prozent beträgt, ist ohne technische Probleme möglich. Allein aufgrund des besseren Wirkungsgrads muss nicht der gesamte entzogene Anteil am Gesamtaufkommen ersetzt werden, sondern lediglich die Hälfte. Dabei sind Unzulänglichkeiten durch Bedarfsschwankungen der Abnehmer von Strom und Wärme bereits berücksichtigt. Eine solche Lösung wäre tatsächlich als Brückentechnik zu bezeichnen. Erdgas wird heute fast vollständig zur Wärmeerzeugung genutzt. 65 Prozent der Nutzung erfolgt zur Raumwärmeerzeugung. Bei einem beschleunigten Programm zur Gebäudesanierung würde ein nennenswerter Teil des Gases frei werden. Auf diese Weise könnte der Ersatz der Atomkraftwerke durch Gaskraftwerke sogar weitgehend klimaneutral erfolgen. Die Gaskraftwerke würden am Ende ihrer Laufzeit schließlich durch regenerative Stromerzeuger und durch intelligentere Stromnutzung ersetzt werden. Diese Nutzungsskizze ist lange bekannt, nicht nur als Skizze, sondern als ausgearbeitetes Szenario. Gleichwohl sollte sich niemand darüber wundern, wenn am Ende der aktuellen Energiediskussion genau dieses Szenario als revolutionär neu und einzig machbar dargestellt würde.

Das Thema Öl wird in der Diskussion aller Voraussicht nach keine große Rolle spielen, obwohl es aufgrund seiner Dominanz beim Aufkommen nicht minder dringender Behandlung bedarf. Dieses Thema wird durch den Fortgang bei der Gebäudesanierung und beim Autobau bzw. bei der Autonutzung gesteuert. Auch hierfür gibt es relativ einfache Lösungen zur nennenswerten Senkung des Bedarfs. Diese werden aber aus Gründen des Bestandsschutzes nur ungenügend vorangetrieben. Die Autoindustrie ist neben der Atomindustrie eine weitere Branche, die schnelle Änderungen politisch zu verhindern versteht.

Heute Morgen ist es an den Ölbörsen recht ruhig. Die Preise halten das Niveau, was aber am unumstößlichen Fortgang des Aufwärtstrends nichts ändern wird. Die Tonnen Gasöl kostet 1.025,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 108,08 und in London zu 120,78 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,50 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Es sieht so aus, als stünden sie vor dem nächsten größeren Aufwärtsschritt. Dagegenhalten könnte allenfalls eine kräftigere Abwärtsbewegung des Dollars. Dass der Ölpreis selbst in absehbarer Zeit eine nennenswerte Gegenbewegung erlebt, ist angesichts der politischen Lage in vielen Lieferstaaten und deutlich sinkender Versorgungsüberschüsse äußerst unwahrscheinlich. Deshalb halten wir es für wenig sinnvoll, auf tiefere Heizölpreise in den kommenden Monaten zu spekulieren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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