Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Etwas Geldkunde

Der Blick auf den Preischart bietet vielen Heizölkäufern eine hinreichende Information zur Einschätzung der Lage. Die Lage ist in diesem Fall die Differenz zwischen dem Preis einer Heizöllieferung und dem dafür vor Zeiten angesetzten Budget. Bei vielen Käufern sorgt die Lage für schlechte Stimmung, weil die Differenz unerwartet hoch ist. Eine nennenswerte Zahl von Käufern interessiert sich für Gründe, die die schlechte Stimmung hervorrufen. Sie suchen nach Informationen über den Ölmarkt in der Hoffnung, eine Stimmungsaufhellung zu finden. Wir bemühen uns entsprechende Informationen zu liefern. Dabei beobachten wir, dass preisrelevante Informationen seit Jahren immer weniger das Ölmarkt- und immer mehr das Finanzmarktgeschehen wiedergeben. Der Ölmarkt hat sich zu einem Objekt des Finanzmarkts entwickelt. Der Ölmarkt ist für Preiseinschätzungen nur noch zweite Wahl.

Die Geschichte hat die Finanzindustrie zur einflussreichsten Gruppe der Gesellschaften werden lassen. Sie dominiert Politik und Wirtschaft mittlerweile vollständig. Der Dominanz gehen keine Verschwörung und kein Staatsstreich voraus. Die Dominanz konnte sich etablieren, weil die Regeln, denen die Finanzwelt zu folgen hat, das zuließen und heute noch zulassen. Sie lassen zu, dass private Banken über Geld vollständig bestimmen. Sie können unser Geld nach Belieben in den Verkehr bringen und dem Verkehr entziehen. Weder Politik noch Notenbanken haben die Macht, Banken am freien Schöpfen von Geld zu hindern. Beide sind heute gezwungen, den Schöpfungsakt privater Banken durch Maßnahmen kaufmännisch zu legitimieren. Rechtlich ist er ohnehin legitim. Diese für viele befremdliche Tatsache ist Folge der gesunkenen Bedeutung von Bargeld und der gestiegenen Bedeutung von Giralgeld. Giralgeld ist das unbare Geld, das zwischen Bankkonten als Ein- und Auszahlung für nahezu alle Dinge und Umstände unseres täglichen Lebens hin- und her fließt. Dieses Geld wird von privaten Banken durch das Einräumen von Kredit nach Belieben erzeugt. Die Notenbank kann Privatbanken nicht am Erzeugen hindern. Sie muss den Banken stattdessen angemessene Reserven zur Verfügung stellen, damit die Mindestanforderungen der Reservenhaltung nicht unterschritten werden. Und sie muss die von Banken geforderte Menge Bargeld in Umlauf bringen. Das Verhältnis von Bargeld zu Giralgeld beträgt heute ungefähr eins zu vier.

Dem geneigten Leser mag die Tatsache, dass die größere Geldmenge unabhängig von der Notenbank entsteht, fremd erscheinen. Steht sie doch im Widerspruch zu der Meinung, dass die Notenbank über die Geldmenge bestimmt. Das, so hat man mindestens in Deutschland gelernt, ist essentiell wichtig für die Geldwertstabilität. Man glaubt zu wissen, dass zuviel Geld Inflation hervorrufe und zuwenig Geld die Wirtschaft lähme. Deshalb soll die Geldmenge im gleichen Maß wie die Wirtschaft wachsen. An dieser Stelle wurde bereits erwähnt, dass die Geldmenge hierzulande in den letzten 20 Jahren viermal stärker wuchs als die Wirtschaftsleistung. Die von Statistikern gemessene Inflation hielt sich gleichwohl in vernünftigen Grenzen. Das, was da wuchs, ist Geld, das dem breiten Publikum nicht zur Verfügung steht. Es ist Geld, mit dem allerlei Anlagen von Banken und von einer kleinen Gruppe sehr reicher Menschen gekauft wurden. Dieses Geld wurde von privaten Banken zum Zweck der Mehrung eigener Gewinne erzeugt. Fast unbemerkt vom Publikum sorgt dieses Geld in der Tat für Inflation. Es verteuert Investments. Hierzu gehört auch Öl. Öl ist eine Pforte zwischen dem abgehobenen Handeln von Banken und den täglichen Bedürfnissen von Menschen. Am Ölpreis bemerkt der normale Bürger die von Banken durch das ungeregelte Schöpfen von Geld hervorgerufene Inflation.

Schlimmer als der auf diese Weise in die Höhe getriebene Ölpreis ist ein anderer, schwer zu verstehender Umstand. Geld wird, wie erwähnt, durch das Gewähren von Kredit geschöpft. Bei jedem Schöpfungsakt entstehen also auch Schulden. Diese haben Zinsaufwendungen zur Folge, die die Schuldner bezahlen müssen. Die komplexen Umstände führen dazu, dass die Schulden als steigende Größe im System von den meisten Bürgern bezahlt werden müssen. Sie sind in den Preisen der Waren und Dienstleistungen enthalten. So wie die Geldvermögen wachsen, wachsen auch die Schulden. Beide wachsen deutlich schneller als die Realwirtschaft. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die einen Vorteil aus dem rasanten Wachstum der Geldmenge ziehen. Bemerkenswert ist übrigens, dass die Geldmenge in Krisenzeiten besonders hoch ist. Dann befreien sich Banken und Reiche üblicherweise von spekulativen Anlagetiteln und horten Giralgeld.

Das Schlimmste an den Zusammenhängen ist schließlich, dass die unvermeidlichen Finanzkrisen vom Staat aufgefangen werden müssen, damit keine der angeschlagenen Banken bankrott geht. Das würde nämlich zur Vernichtung des in ihren Büchern stehenden Geldes führen. Über den Dominoeffekt einer solchen Vernichtung wurde hinlänglich schwadroniert. Anstatt nun das offensichtliche Übel an der Wurzel zu packen und das Geldsystem zu sanieren, lässt sich der Staat von den Banken durch den Ring treiben, um das vermeintlich Schlimmste zu verhindern. Dabei muss allen Beteiligten längst klar sein, dass aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeit von Wirtschafts- und Geldmengenwachstum jede Finanzhilfe an die Banken die Lage im gegenwärtigen System verschlimmert.

Beim Öl ist viel von Peak Oil die Rede, also dem Moment der maximalen Förderung. Nach Peak Oil steht der Welt stetig weniger Öl zur Verfügung. Je nach Definition ist Peak Oil schon hinter uns oder liegt noch vor uns. Verbraucher bezahlen diesen Umstand mit teurerem Öl. Wie viel Anteil dabei auf Kosten der in der Tat teureren Förderung und wie viel auf Kosten der für Finanzspekulanten lukrativen Verknappungsidee geht, ist nicht bekannt. Da die Geldwirtschaft viel schneller wächst als die Realwirtschaft, liegt die Vermutung nahe, dass der größere Teil der steigenden Ölpreise dem Treiben der Geldwirtschaft zuzuschreiben ist.

Seit einiger Zeit ziehen sich Spekulanten aus Öl zurück. Das kommt dem Preis zugute. Er fällt zwar nicht schnell, aber er fällt. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 892 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 76,00 Dollar und in London zu100,55 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,03 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben trotz rückläufiger Ölnotierungen nicht nach. Der Zuwachs des Dollars oder besser der Fall des Euros ist zu stark, um den Effekt der Ölbörsen mitzunehmen. Die Aussichten stehen unserer Meinung nach weiterhin auf schwach rückläufig. Der große Knall eines einbrechenden Finanzsystems ist nicht zu erkennen. Politik wird alles daran setzen, ihn zu vermeiden. Sie wird ihn mit genau dieser Haltung aber schließlich hervorrufen. Es ist nun mal nicht Sache von Politik, über den eigenen Horizont hinaus zu denken. Die Frage der Fraktionsdisziplin ist im politischen Kontext offensichtlich bedeutender als die bestimmungsgemäße Funktion des Finanzsystems. Das soll allen Bürgern dienen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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