Unseren neuen Kommentar für den 11.08.20 finden Sie hier.


Heizöl ist kein Auslaufmodell

Internationaler Markt

Das abgelaufene Ölpreisjahr war entspannt. Unter- und Übertreibungen hielten sich in Grenzen. Im zweiten Halbjahr fanden sie gar nicht mehr statt. Der aktuelle Preis mutet in Anbetracht der fundamentalen Marktlage zwar hoch an, im Vergleich zu früheren Ausreißern ist er als ein solcher aber kaum zu erkennen. Die Aussichten für sinkende Preise sind in den kommenden Wochen und Monaten gut, da mit der schwachen globalen Winternachfrage und der starken Ölförderung ein Überangebot erwartet wird.

Die Ölbörsen zeigen sich heute Morgen nachgiebig. Alle Notierungen tendieren abwärts. Das darf als Perspektive für das neue Jahr verstanden werden.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 61,45 Dollar und das Barrel Brent zu 66,46 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 618,50 Dollar . Der US-Dollar kostet 0,8924 Euro . Damit kostet der Euro 1,1203 Dollar . Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise tendierten in den letzten Wochen mehr seit- als abwärts, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Das war angesichts der erwarteten globalen Überversorgung ab dem ersten Quartal 2020 durchaus enttäuschend. Antizipierend wollten Börsianer offensichtlich nicht handeln. Die gute Zeit sollte also noch kommen, wenn die Statistiker die Marktlage richtig prognostizieren.

Apropos gute Zeit, die scheint hierzulande für Heizöl als Brennstoff zu Ende zu gehen. Das ist jedenfalls die Botschaft, die mit dem Klimaschutzgesetz gesendet wird. Ob dieses Gesetzt in drei Jahren immer noch den gleichen Inhalt hat wie heute, darf allerdings bezweifelt werden, denn es wurde mit ganz heißer Nadel gestrickt. Das Durchpeitschen des Gesetzes ohne hinreichende Abstimmung mit kompetenten Wissensträgern wurde sogar vom nationalen Normenkontrollrat kritisiert. Der Vorgang verlief nicht sach-, sondern emotionsgesteuert, wie so oft in der jüngeren Geschichte politischer Entscheidungen.

Ölheizer sollten sich von den Tagesereignissen nicht verunsichern lassen. Es gibt gute Gründe, am flüssigen Brennstoff festzuhalten. Bestandsschutz genießt die Ölheizung ohnehin. Dort, wo es keine angemessene Alternative zu Heizöl gibt, zum Beispiel fehlende Gasleitung und hoher Energiebedarf eines alten Bauwerks, lässt das Gesetz auch zukünftig die Installation einer neuen Ölheizung zu.

Flüssiger Brennstoff ist im Rahmen der Energiewende wichtiger denn je. Der Umstieg auf eine regenerative Stromwirtschaft mit seinem fluktuierenden Angebot wird den einen oder anderen Blackout des Stromnetzes zur Folge haben. In so einem Moment bricht auch die Wärme- und Wasserversorgung zusammen, denn sämtliche Pumpen laufen elektrisch. Wer über ein Dieselnotstromaggregat und einen Brunnen im Garten verfügt, kann seinen Wärme- und Wasserbedarf selbst in so einem kritischen Moment decken, für viele Tage und sogar Wochen. Der Heizölspeicher macht das möglich.

Gleiches gilt für Mobilität. Die All Electric Society (Energieversorgung nur mit Strom), die derzeit noch politische Präferenz genießt, ist eine hochgefährliche Zielsetzung für jede Gesellschaft. Sie macht sich damit extrem verwundbar, durch Wetterereignisse, Terrorangriffe aus dem Internet und an ihren Leitungen. Es wird nicht lange dauern, bis das Konzept politisch begraben und Vielfalt der Energieträger und Speicher gewollt wird. Entwicklungen in diese Richtung sind bereits im Gang, beispielsweise mit der Wasserstoff- und e-Fuels-Diskussion.

Sobald Sonnen- und Windenergie nicht mehr ausschließlich über Stromleitungen, sondern als Gase und Flüssigkeiten zur Verfügung stehen, wird es die nötige Vielfalt geben. Es bleibt nur zu hoffen, dass Politik die Entwicklung nicht wieder verschläft, um sie eines Tages, wenn andere sie längst umsetzen, im Hauruckverfahren durchzupeitschen.

Unser Rat an alle Unentschlossenen lautet deshalb: Wenn Ihnen Ihr Heizöl wichtig ist, sollten Sie daran festhalten und mit Zuversicht auf die Lernfähigkeit der Politik setzen. Auch sie wird begreifen, dass Öl- und Gasheizungen zukünftig vollständig mit Klimaschutz vereinbar sein werden.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

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