Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Atomverhandlungen tauchen wieder auf

Internationaler Markt

Die USA, Libyen und der Iran stehen derzeit im Fokus der Öl- und Finanzszene. Die Länder haben das Potenzial, die Ölpreise zu bewegen. Damit endet bereits die Gemeinsamkeit. Der Rest ist politische Feindschaft. Zwischen den USA und dem Iran hat sie eine bis 1979 zurückgehende Tradition. Diese könnte nun an der Maxime, der Feind meines Feindes ist mein Freund, aufgebrochen werden. Der gemeinsame Feind ist der IS (Islamische Staat), der im Begriff steht, sich das unter westlicher Hilfe destabilisierte Libyen anzueignen.

Die Ölpreise bewegen diese Länder, weil sie zu den großen Anbietern gehören, wobei nur die USA ihre Ölfähigkeiten derzeit voll ausspielen können. Sie gehören zu den Top Drei der Welt. Der Iran und Libyen könnten, wenn man sie ließe, die Nummer vier und fünfzehn sein. Das brachliegende Potenzial dieser beiden Länder hat das Äquivalent von Venezuela, der Nummer elf weltweit mit einem Anteil von 3,3 Prozent. Die USA bewegen die Preise darüber hinaus durch ihre Nachfragemacht, die fast doppelt so hoch ist wie ihre Produktionskraft, und durch ihre Finanzindustrie.

In den USA droht das Zentrallager aufgrund der wachsenden Rohölproduktion überzulaufen. Derzeit wird gefragt, ob die Förderung demnächst am Mangel an Lagervolumen oder am Rückgang der Exploration nachgeben wird. Und es wird gefragt, ob der erste Fall bullisch oder bärisch zu bewerten sei. Der Iran könnte plötzlich und unerwartet die gegen ihn verhängten Sanktionen loswerden. Momentan sieht es so aus, als sollten die Verhandlungen um das Atomprogramm mit den UNO-Vetomächten plus Deutschland erfolgreich abgeschlossen werden. Wenn es so käme, flösse noch mehr Rohöl in den Markt. Libyen ist als Öllieferant praktisch abgeschrieben. Das Land zerfällt am Bürgerkrieg und nun am IS. Dennoch gelingt es immer wieder, die zerbombte Ölproduktion temporär flottzumachen. Denkbar wäre sogar ein nennenswertes Fördervolumen im Kriegszustand. Beide Perspektiven haben bärische Qualitäten. Sie können die Heizölpreise sinken noch einmal lassen. Zu einem soliden Abwärtstrend werden sie allerdings kaum führen.

Gestern lieferten die Ölbörsen einen Vorgeschmack auf die Ereignisse. Sie gaben spürbar nach. Heute Morgen zeichnet sich eine lapidare Gegenbewegung dazu ab. Der Dollar schwingt derweil munter auf und ab. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 575,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 50,03 Dollar und in London zu 60,35 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8927 Euro . Damit kostet der Euro 1,1202 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise annullieren die Steigerung der Vortage. Dabei bleiben sie ihrem Aufwärtstrend treu, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Der Trend könnte in Kürze angetastet werden. Ein Übergang in die Abwärtsrichtung mutet als Prognose verwegen an. Aber für einem Seitwärtstrend mit ordentlichen Höhen und Tiefen könnte es reichen.

Der Binnenmarkt ist eine ruhige Veranstaltung geworden. Er verliert die Attraktivität der großen Preisbewegung. Es gibt nur noch wenige Bestellungen und etwas Hoffnung. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen das entsprechend an. Das eine steht auf einem mittleren Wert für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Neben ein paar Spontankäufern sind noch Beobachter im Markt, die bei tieferen Preisen zu kaufen gedenken.

Diese Beobachter werden sich eventuell vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das gibt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Diese Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung steckt weiterhin in einer 50/50 Situation.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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