Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Der Dollar ist Schuld

Internationaler Markt

Die EU-Sanktionen gegen Russland lassen auf sich warten. Das, was bisher verkündet wurde, verdient allenfalls den Titel Behinderungen. So ist es zu erklären, dass die Ölnotierungen trotz der angespannten Lage im Ost-West-Konflikt um die Ukraine gestern wieder nachgaben. Die Fieberkurve der Rohölsorte Brent lässt nicht erahnen, dass hier ein Krieg geführt wird.

Man akzeptiert ihn, diesen Krieg, einschließlich der sogenannten Kollateralschäden. Das ist die unzweifelhafte Wahrheit der Ereignisse. Niemand in Ost und West hat die Absicht, den Menschen in der Ostukraine ihr würdiges Leben zurückzugeben. Sie werden im Namen territorialer Unversehrtheit versehrt. Hier wird Völkerrecht über Menschenrecht gestellt. Dabei ist nicht einmal sicher, ob die, in deren Namen das Völkerrecht hoch gehalten wird, überhaupt ein Volk im nationalstaatlichen Sinn sind. Es sind Menschen. Also sollte man ihr Recht auf ein menschliches Leben hoch halten, egal ob der Boden unter ihren Füßen ukrainisch oder russisch genannt wird. Hier kämpfen die Menschen nicht für das Hoheitszeichen auf ihrem Pass. Hier bangen sie nur um ihr Leben.

Während in der Ostukraine sinnlos gekämpft und gestorben wird, tobt in den scheinbar bedeutungsvollen Instanzen Politik und Medien eine heftige Auseinandersetzung über die Frage, wer die Schuld trage am Geschehen und welche Konsequenzen das haben müsse. Die Antwort lautet, die schärfsten, solange sie nicht gegen eigene Interessen stehen. Ist das moralisch verwerflich? Im Prinzip Ja! Aber es die grundlegende Moral einer Welt, deren oberste Maximen Wachstum und Wohlstand sind. Es ist unsere alltägliche Moral, die hier zum Ausdruck kommt. An den Ölbörsen hat man das Prinzip begriffen und aufgehört, den Ost-West-Konflikt um die Ukraine besonders zu bewerten. Man könnte hinterherwerfen, was soll auch geschehen, wenn Kiew im August sowieso pleite ist und das eigenes Militär nicht mehr bezahlen kann. Viele Ostukrainer werden diesen Moment wahrscheinlich herbeisehnen.

Gekämpft wird neben anderen Ländern auch in Libyen und im Irak. Selbst das ist an den Ölbörsen kaum von Bedeutung, da die Gesamtversorgung sehr entspannt gesehen wird. Bedeutsamer ist hingegen, was sich am Devisenmarkt abspielt. Hier legt der US-Dollar seit geraumer Zeit zu. Das war bereits Anfang des Jahres zu erahnen. Nun ist es Realität. Sie drückt einerseits ein wenig auf die Ölpreise und andererseits auf das Portemonnaie der Verbraucher. Hierzulande werden Ölprodukte dadurch nämlich teurer.

Heute Morgen bewegen sich die Ölnotierungen nahezu perfekt seitwärts. Es ist Ausdruck eines impulslosen Markts und Bestätigung, dass die Ukraine keinen Einfluss auf die Preisbildung mehr hat. Dieser Umstand mag sich in besonderen Momenten kurzzeitig ändern. Die Tonne Gasöl kostet 887,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,97 Dollar und in London zu 107,99 Dollar gehandelt. Für einen Euro erhält man 1,3466 US-Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise setzen ihren kurzfristigen Aufwärtslauf fort. Er ist weniger der Entwicklung im Ost-West-Konflikt als der des Dollars geschuldet. Im 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz sieht das recht unfreundlich aus. Die anderen Zeiteinstellungen zeigen aber, dass die Situation nicht sehr bullisch ist.

Der Binnenmarkt steht mittlerweile ziemlich still. Der Handel wünscht sich mehr Geschäft. Dafür lässt er die Rabatte in den Preisen spielen. Das ist sinnlos, weil der Effekt zu wenig bringt, um Kunden zum Kauf zu animieren. Er hilft allenfalls, das eigene Angebot besser aussehen zu lassen als das des Wettbewerbs. Laut unserem Schwarm-O-Meter für Heizöl bringt die Masse der Kunden durch ihr Verhalten zum Ausdruck, dass es bessere Kaufpreise gibt als in diesen Tagen.

Das mathematische Tiefpreis-System unterstreicht das. Einen starken Kaufgrund stellt der aktuelle Preis tatsächlich nicht dar. Das heißt nicht, dass er schlecht ist. Man muss ihn im politischen Kontext und in Zusammenhang mit dem eigenen Heizölvorrat bewerten. Unsere Leser sind hinsichtlich ihrer Preiserwartung sehr besorgt. Sie fürchten offensichtlich ernsthafte Sanktionen gegen Russland und Konsequenzen für unsere Energieversorgung. Wer dennoch auf günstigeres Heizöl setzt, sollte sich des Risikos der Wette bewusst sein und das Geschehen eng verfolgen.

Die aktuelle Preisbewegung ist im kurzfristigen Bereich aufwärts gerichtet. In allen anderen Zeitstufen sind die Abwärtstrends intakt. Mit etwas mehr Toleranz könnte man die kurzfristige Entwicklung auch noch als Seitwärtstrend interpretieren. Insbesondere der längerfristige Trend macht weiterhin Hoffnung auf einen erneuten Preisabgang. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise deutlich unter dem Niveau der letzten drei Jahre zum gleichen Zeitpunkt liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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