Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Verheißungsvoll

Internationaler Markt

Die Rohölvorräte in den USA stiegen in der abgelaufenen Woche auf ein 82-Jahres-Hoch. Das letzte Mal wurde dieser Wert während der großen Depression in den USA im Jahr 1931 erreicht. Damit ist die aktuelle Marktlage in einen respekteinflößenden Bezug gesetzt. Die Finanzszene bemüht sich nach Kräften, eine eigene Depression zu vermeiden. Sie wird dabei gut durch die Politik therapiert. Das erhält ihr, anders als in den 1930er Jahren, den spekulativen Höhenflug.

Problematisch wird die Ölschwemme für die OPEC im Allgemeinen und für Algerien, Angola und Nigeria im Besonderen. Die Exporte der drei Länder fielen im vergangenen Jahr um 41 Prozent, nicht aus Mangel an Öl, sondern aus Mangel an Nachfrage. Die Kartellmitglieder lassen wissen, dass sie den Kollegen nicht helfen können. Sie empfehlen ihnen, nach neuen Kunden zu suchen. Die Lage macht eine Diskussion über Quotensenkung auf dem heute in Wien stattfindenden Treffen obligatorisch. Herauskommen wird dabei nichts. Die Staatshaushalte der OPEC-Mitglieder hängen an Ölerlösen wie der Junkie an der Nadel. Ein Ausbleiben der Einnahmen verursacht heftige Schmerzen. Selbst die eventuell proklamierte Einigung auf ein reduziertes Angebot wäre wertlos. Zum einen werden die Mitglieder in der Not einzeln und nicht im gemeinsamen Interesse handeln. Zum anderen kann ein Hochhalten der Ölpreise nicht im Interesse der OPEC liegen. Je teurer Öl ist, umso mehr Öl wird in Nicht-OPEC-Ländern gefördert. Mit dem Preis lassen sich die höheren Kosten für die aufwendigere Förderung kompensieren. Im Kartell hat man also über einen kaum auflösbaren Zielkonflikt zu diskutieren.

Die Selbstauflösung der Problematik durch ein Anspringen der Ölnachfrage ist nicht zu erwarten. Die alten Industrieländer zeigen eher gegenteiliges Verbrauchsverhalten. Ihre volkswirtschaftliche Datenflut ist überwiegend enttäuschend. Und selbst China, das als Hoffnungsträger der Freunde des grenzenlosen Wachstums gilt, kommt in diesen Tagen mit Konjunkturzahlen heraus, die unterhalb der selbst gesteckten Ziele liegen. Finanzjongleure müssen ihre Blicke extrem fokussieren, um ein bullisches Element in den täglichen Impulsen zu identifizieren. Gestern war es die US-Benzinnachfrage, die sie für kurze Zeit zu Preistreibern werden ließ. Eigentlich ist diese mit ihrer für die USA so untypischen Rückläufigkeit eine Ermutigung, Wachstumsgrenzen als real zu verstehen. Finanzjongleure glauben an das Gegenteil. Da sie nicht selbst soviel fahren können, um den Benzinverbrauch nennenswert zu fördern, bemühen sie sich mit der Festigkeit ihres Glaubens zur Sache beizutragen. Für einen Moment wurden sie erhört. Die US-Benzinnachfrage hat den höchsten Wert seit August 2012 erreicht.

Das war bereits der gesamte bullische Gehalt des gestrigen Handelstags. Der Rest ist Bärensache. Dazu gehören auch die US-Bestandsdaten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten folgende Zahlen zur wöchentlichen Veränderung vor:

Rohöl: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,4 (DOE) bzw. 9,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung sank auf 85 Prozent. Der Wert ist zwar schwach, angesichts der noch schwächeren Produktennachfrage aber mehr als ausreichend.

Die Preisentwicklung hätte gestern bärischer sein können. Das wird möglicherweise heute nachgeholt. Der Auftakt ist zumindest verheißungsvoll. Die Notierungen fallen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 851,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,23 Dollar und in London zu 101,67 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,75 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Ursächlich sind dieses Mal Öl- und Dollarnotierungen gemeinsam. Der Binnenmarkt setzt die Vorgabe ohne Widerstand um. Es ist gut möglich, dass nun der erwartete Ausbruch zu tieferen Preisen aus dem kurzfristigen keilförmigen Trend erfolgt. Sowohl die physische Marktlage als auch der mittelfristige Abwärtstrend sprechen dafür. Man darf allerdings nicht den Widerstand der mit Geld vollgepumpten Finanzszene unterschätzen. Sie ist hoch in Öl investiert und wird das Feld nicht locker preisgeben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Nigerias Öllieferungen auf Vier-Jahres-Tief
Einige kleine Infrastrukturstörungen
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea
Notenbankgeld fließt noch locker

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: OECD und IWF senken Wachstumsprognosen
EIA-, OPEC- und IEA-Monatsberichte
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Sehr viel Öl am Markt
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik ungewiss

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