Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Neues von der Konzernregierung

Von Revolution spricht man, man macht sie nicht. Das ist das Credo schwarz-gelber Energiepolitik in Deutschland. Mit ihrem Energiekonzept bleiben sich die Regierung und ihre Chefin bemerkenswert treu. Sie pflegen die pompöse Ankündigung und die stille Folgenlosigkeit. Premiere hatte diese Art zu regieren unter der Überschrift Klimakanzlerin. Es folgten Bildungsoffensive, Finanzmarktregulierung, Gesundheitsreform und anderes mehr. Nun liegt das endgültige Energiekonzept vor. Gegenüber der Fassung von Anfang September wurde es in der entscheidenden Passage der Beliebigkeit preisgegeben. Damit enthält es nichts, was über die Proklamation von Umweltschutzzielen hinausgeht. Es gibt kein verbindliches Konzept zur energetischen Erneuerung unserer Volkswirtschaft.

Der abgesicherte Teil des ursprünglichen Energiekonzepts betraf das Thema Raumwärme. Dieser Bereich wäre im Laufe der zur Verfügung stehenden Zeit aus technischer Sicht mit den anspruchsvollen Zielvorgaben in Deckung zu bringen. Die Vorgaben lauten Einsparung von 80 Prozent der heute für Raumwärme aufgewendeten Energie. Wie man das machen muss, weiß man und man beherrscht es technisch. Dass entsprechende Maßnahmen eine positive Gesamtenergiebilanz haben, d.h. dass sie einschließlich der für die Durchführung der Maßnahme selbst aufgewendeten Energie die gewünschten Einsparungen erzielen, ist abgesichert. Regelungsbedarf gibt es allenfalls juristisch, da Menschen ökonomisch in die Pflicht genommen werden müssen. Eine derartige „In die Pflichtnahme“ wurde im Rahmen der Finanzkrise in Rekordzeit durchgesetzt, um überkommene Wirtschaftmodelle zu retten. Nun aber, da es auch um ein neues Geschäftsmodell für unser Land geht, scheut die Regierung die Verpflichtung seiner Bürger.

Der Bereich Raumwärme bietet die Chance auf eine neue, den Menschen näherstehende Wirtschaft. Die ambitionierte Zielsetzung erlaubt es, die zur Deckung des Restbedarfs nötigen Energieträger in den Regionen der Nutzung zu erzeugen. Diese werden aus nachwachsenden Rohstoffen als Feststoff (Holzpellets und Hackschnitzel), Flüssigkeit (Bioöl) und Gas (Biogas) gewonnen.

Auf diese Möglichkeit verzichtet die Regierung. Stattdessen ebnet sie vier großen Stromkonzernen den Weg in den Wärmemarkt, indem sie ihnen erlaubt, durch längere Laufzeiten der Atomkraftwerke das hohe Stromangebot aufrecht zu erhalten, mit dem der Markt erobert werden soll. Sie erweist sich damit einmal mehr als Steigbügelhalter von Konzerninteressen. Und sie zeigt mangelnden technischen Sachverstand. Als Physikerin sollte Frau Merkel wissen, dass Strom ein zu wertvoller Energieträger ist, um diesen zur Deckung des minderwertigen Bedarfs Raumwärme einzusetzen. Das Missverhältnis von Aufwand und Nutzen wird nicht zuletzt an den Heizungsanlagen deutlich. Der Preis für eine elektrische Wärmepumpenheizung ist aufgrund der aufwendigen Technik um ein Vielfaches höher als der einer Öl- oder Gasheizung. Dieser Preis macht das Heizen mit Strom bei Vollkostenbetrachtung sehr viel teurer als das Heizen mit Öl oder Gas. Eine bessere Umweltbilanz erhält man für den höheren Preis keinesfalls. Denn zum Vergleich stehen zukünftig Strom und Biobrennstoffe mit einer ausgeglichenen CO2-Bilanz. Strom kann und soll in Zukunft ebenfalls klimaneutral erzeugt werden. Wie den Biobrenn- und Kraftstoffen sind regenerativem Strom Mengengrenzen gesetzt. Diese gilt es zu respektieren. Sie zu planen ist Aufgabe eines Energiekonzepts. Darin muss beschrieben werden, welche Energieträger in welcher Anwendung am sinnvollsten zum Einsatz zu bringen sind. Strom sollte dabei als teuerster und aufwendigster Energieträger in seiner Bedeutung eher reduziert als ausgeweitet werden.

Das Hoffnungsszenario Solarstrom ist zwar außerordentlich populär. Hierzulande entbehrt es aber realistischer und vor allen Dingen sinnvoller Einsatzmöglichkeiten. Seine Erzeugung wird immer die mit Abstand teuerste bleiben. Solarstrom als Geschäft ist heute eher eine Frage eines Finanzinvestments als eine Maßnahme für Nachhaltigkeit. Ähnlich verhält es sich mit der Elektromobilität. Ihre Gesamtenergiebilanz passt nicht zu einer umweltgerechten Wirtschaft. Konventionelle Techniken bieten kurz- und mittelfristig weit mehr Effizienzpotential. Langfristig wird Mobilität ohnehin neu definiert werden müssen, um einer nachhaltigen Wirtschaft gerecht zu werden.

Das Energiekonzept wurde nicht für die gesamte Gesellschaft geschrieben. Es wurde für ein paar Konzerne erstellt. Seine endgültige Form ist ein Déjà-vu-Erlebnis politischer Realität. Es passt in die Zeit wie der Plan für den Stuttgarter Bahnhof. Es passt aber nicht zum Klimaschutzanspruch, der dem Energiekonzept zugrunde liegt. Und wie der Plan für einen neuen Stuttgarter Bahnhof, stammt seine Grundlage aus einer vergangenen Zeit. Zwischen dem Heute und dem Damals liegen eine Finanzkrise und der still gewachsene Unmut breiter Bevölkerungskreise, das „Weiter wie bisher“ als Lebensmodell zu goutieren. Vieles deutet darauf hin, dass das Volk seinen Politkern weit voraus ist.

Voraus gilt derzeit auch für den Ölmarkt. Dort betrifft es den Preis. Der ist der fundamentalen Marktlage vorausgeeilt. Finanzjongleure hoffen, dass ihre Positionen unter anderem durch eine rückläufige Entwicklung der hohen Lagerbestände gerechtfertigt werden. Sollte die Entwicklung anders eintreten, werden die Preise nicht gehalten werden können. Dann wäre ein Rückschlag zu erwarten. Die Tonne Gasöl kostet 720 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 81,73 Dollar und in London 83,45 Dollar. Der Dollar wird zu 72,62 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise halten sich trotz des jüngsten Anstiegs wacker im Seitwärtstrend. Gestern lockerte sich der Drang nach oben aufgrund der Vorgaben von den Ölbörsen. Die Gefahr eines Ausbruchs aus dem Trend existiert. Ihre Wahrscheinlichkeit schätzen wir derzeit aber gering ein. Die reale Wirtschaftslage insbesondere der USA sollte dem Aufwärtsstreben eine klare Grenze setzen. Dennoch, auf tiefere Heizölpreise zu spekulieren, birgt das Risiko, später teurer kaufen zu müssen. Dessen sollten sich alle Heizölspekulanten bewusst sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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