Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Peak Oil ist elastisch

Das Hilfspaket mit dem Titel Griechenland ist abgesegnet. Anderes war nicht zu erwarten. Das Geld daraus geht an Banken. Ihr Finanzsystem ist zum x-ten Mal gerettet. Der griechische Staat ist nicht pleite. Er hat nur kein Geld. Das haben die, die es am wenigsten brauchen. Sie werden es mit Öltiteln und anderen Wertpapieren zu mehren versuchen. In Kürze wird die nächste Staffel der Bankenrettung starten.

In der Iranaffäre verschärfen die Parteien die Tonart stetig. Die Inszenierung der Kommunikation läuft auf Krieg hinaus. Wenn die Beteiligten nicht aufpassen, entgleitet ihnen die Sache genauso, wie das Geld- und Finanzsystem. Einstweilen dient die Lage der Geldmehrung mit Öltiteln.

Ohne Verbindung zum realen Wirtschaftsgeschehen ist der Vorgang nicht. Öl ist tatsächlich von Knappheit bedroht. Wenn sie spürbar wird, sind Preissteigerungen Ausdruck der Marktwirtschaft. Derzeit sind sie Ausdruck der Spekulation auf den Ernstfall. Diese ist ein jahrhunderte alter Teil der Marktwirtschaft. Neu ist nur die Menge an Geld, die dafür zur Verfügung steht. Sie ist nicht zuletzt deshalb so groß, weil mit (zu) billigem Öl über viele Jahrzehnte gewaltiger Mehrwert geschaffen wurde. Als absehbar war, dass das System wegen der Endlichkeit des Öls an seine Grenzen stoßen wird, erfand man das Generieren von Mehrwert aus dem Geldsystem selbst.

In den Industrienationen beginnt man den realwirtschaftlichen Teil der Lektion zu adaptieren. Der Ölverbrauch sinkt in den reifen Staaten. Die neuen Industrienationen steigern ihn langsamer als wir es einst für eine vergleichbare Konjunkturentwicklung taten. Gelehrte streiten noch darüber, ob der Nachfragerückgang ursächlich auf die Schuldenkrise oder den hohen Ölpreis zurückzuführen ist. Langsam bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass beide Ereignisse miteinander zusammenhängen.

Der Streit um die Frage der Knappheit wird weniger verbissen geführt als vor Jahren. Während früher eine harte Front zwischen dem Lager der Endlichkeitstheoretiker und dem Lager der Grenzen negierenden Wachstumsapologeten bestand, gibt es heute nur noch die Diskussion über die Frage, wann die Endlichkeit spürbar wird. Sie gipfelt in der Proklamation von Peak Oil, dem Überschreiten der maximal möglichen Ölförderung. Je nach Definition stehen wir davor oder dahinter. Die Frage ist nicht naturwissenschaftlich klärbar. Sie ist eine Sache der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, weil sie durch das Wirtschaftsverhalten der Menschen beeinflusst wird. Es gibt die plausible Aussage, dass Peak Oil für das leicht zu fördernde Öl vor einigen Jahren überschritten wurde. Es gibt aber keine wissenschaftliche Definition, was das leicht zu fördernde Öl ist. Insofern ist die Aussage wenig griffig.

Am Beispiel Russlands lässt sich die Definitionsproblematik erläutern. Russische Ölfelder werden zu 20 Prozent ausgebeutet. Im Fachjargon heißt das entölt. Eine höhere Entölung lohnt sich nicht, weil sie zu teuer ist. Hierbei spielen nicht nur die Kosten der Förderung eine Rolle, sondern auch die Steuern auf die Ölerlöse. In den USA werden Ölfelder heute zu 43 Prozent entölt. In Norwegen erreicht man 50 Prozent. Jede Steigerung des Entölungsgrads erhöht die Kosten pro gefördertes Barrel Öl. Natürlich erhöhen die Steuerabgaben, die die Förderer zu leisten haben, ebenfalls die Kosten. Die Menge förderbaren Öls ist also grundsätzlich eine Frage des Preises, der Förderkosten und der Steuerabgaben. Der richtige Dreh an diesen Schrauben bestimmt die verfügbare Ölmenge. Darüber hinaus sind geopolitische Zusammenhänge bedeutend, wie uns derzeit am Beispiel der Iranaffäre aufgezeigt wird. Die Frage, wann welcher Typ von Peak Oil eintritt, ist eine, die für Massenmedien und Talkshows taugt. Mit ihr wird kein Problem gelöst, sondern allenfalls plakatiert. Die Problemlösung muss sich der Frage annehmen, wie wir die reichlich aber keineswegs grenzenlos vorhandenen und vor allen Dingen immer schwieriger zu bergenden Ölmengen maßvoll einzusetzen gedenken. Es geht auch um die Frage, wie die Gesellschaft sich der Tatsache stellen will, dass Öl (wie alle Energie) und damit die veritable Lebensgrundlage des modernen Menschen unausweichlich teurer wird. In der griechischen Tragödie wird uns das Thema drastisch vor Augen geführt: Die schmerzvolle Wiederherstellung des Gleichgewichts nach maßloser Übertreibung.

In Russland wird es übrigens kaum gelingen, die Ölfelder bis 40 Prozent oder mehr zu entölen. In der Vergangenheit wurden schwere Fehler bei der Ausbeutung gemacht, die einen nennenswerten Teil des Öls unwiderruflich verschließen. Es wurde unsachgemäß mit Wassereinschüssen umgegangen, die das Herausdrücken des Öls bewirken. Solche Techniken werden überall in einer frühen Phase nach Abbau des Eigendrucks in den Ölfeldern eingesetzt. Stünde es besser um die russischen Ölfelder, wäre der Preis vielleicht etwas niedriger, weil das Gefühl von Endlichkeit ein wenig Aufschub bekäme.

Heute Morgen pendeln die Ölnotierungen auf hohem Niveau. Eine Tagesrichtung ist noch nicht erkennbar. Der langfristige Trend weist aufwärts. Beim Dollar darf man noch auf einen Abwärtstrend hoffen. Die Tonne Gasöl kostet 1.025 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 104,79 Dollar und in London zu 120,04 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,40 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Das geschieht auf höchstem Niveau. Etwas Dollar, ganz wenig Ölnotierung und die Entspannung im Binnenmarkt sind ursächlich. Von den Ölnotierungen erwarten wir kaum eine anhaltende Besserung, sondern eher das Gegenteil. Beim Dollar könnte die Freundlichkeit fortschreiten. Im Binnenmarkt ist auch noch mehr Abgang drin. Alles in allem wird kein großer Wurf beim Preisrückgang anstehen. Man muss mit Kleinigkeiten zufrieden sein. Deshalb sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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