Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Poetisch aber nicht zutreffend

Da war mal eine Krise. Nach dieser Krise sollte alles anders sein als vor ihr. Nun ist die Krise vorbei, jedenfalls in weiten Teilen der Welt. Deutschland gehört dazu. Da liegt die Frage auf der Hand, ist nun alles anders?

Anders ist sicher, dass die Staatsverschuldungen heute höher sind als vor der Krise. Nicht nennenswert anderes ist, dass die hohen Staatsverschuldungen immer weniger Spielraum bei der Erfüllung von Sozialaufgaben lassen. Dieses Problem stellt sich heute lediglich schärfer dar als vor der Krise. Hierzulande wird das nicht zuletzt an unzureichenden Bildungsausgaben deutlich. Anders ist, dass es der deutschen Wirtschaft heute relativ gut und der US-Wirtschaft relativ schlecht geht. Das deutschte Wirtschaftsmodell „Schnalle den Gürtel enger, um der Welt günstige Produkte anbieten zu können“ ist Nutznießer der Lage. Das amerikanische Wirtschaftsmodell „Jeder kann auf Pump alles kaufen“ ist der Verlierer. Anders ist, dass es in Deutschland zu viele offene Stellen am Arbeitsmarkt gibt und in den USA zu wenige. Anders ist, dass nicht mehr den USA, sondern China die Leitung des Wirtschaftskonzerns Welt zugesprochen wird.

Anders ist der Ölpreis. Rohöl kostet heute etwa halb soviel wie bei Ausbruch der Krise. Nicht anders ist der Ölkonsum. Im kommenden Jahr wird er Vorkrisenniveau erreichen. Anders ist, dass dieser Ölkonsum in den Schwellenländern wächst und in den alten Industrienationen sinkt. Wachstum und Absenkung stehen allerdings noch nicht im Gleichgewicht, so dass der Konsum in Summe zunehmen wird. Anders ist das Verständnis der OECD-Staaten im Umgang mit fossilen Energieträgern. Man will ihren Verbrauch drastisch einschränken. Nicht anders ist die Tatsache, dass alle in die Wege geleiteten Maßnahmen unzureichend sind. Das stellt die IEA (Internationale Energie Agentur) in ihrem diesjährigen World Energy Outlook fest. Die Agentur ist der energiepolitische Think Tank der OECD. Anders ist, dass der zukünftige Spitzenverbrauch innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahrzehnte nicht mehr 130 Mio. Barrel pro Tag erreichen soll, sondern „nur noch“ 99 Mio. Barrel. Dazu tragen auch Schwellenländer bei, indem sie Subventionen auf Ölkonsum abbauen. Anders ist, dass man heute nicht mehr ausschließlich über Peak Oil, das Erreichen des Fördermaximums, spricht, sondern gleichermaßen über Peak Demand, das Erreichen eines Verbrauchsmaximums. Anders ist deshalb, dass man nicht mehr zwangsläufig explodierende Ölpreise prognostiziert. Anders ist, dass der Ölmarkt nicht mehr für jedermann erkennbar durch die USA dominiert wird, sondern durch die unsichtbare Hand Chinas.

Nicht anders ist der Einfluss der Finanzszene auf die Ölpreise. Das Engagement in Ölpapieren ist heute so hoch wie nie zuvor. Gleiches gilt für die bullische Einstellung der Spekulanten. Anders ist, dass Gewinnerwartungen aus Finanztransaktionen sinken. Nicht anders ist der Einfluss der Finanzindustrie auf Regierungen und ihr ausschließlich am eigenen Nutzen orientiertes Handeln. Nicht anders sind die sogenannten systemischen Gefahren, die von Banken ausgehen. Nicht anders ist schließlich die ursächliche Krisenbekämpfung. Zuviel billiges Geld gilt als Ursache der Krise. Diese wurde mit noch mehr billigem Geld bekämpft.

Anders ist die Art der Kommunikation zwischen Lenkenden und Gelenkten. Die Krise hat nicht zu mehr, sondern zu weniger offener Kommunikation geführt. Ausdruck findet das in einigen politischen Brennpunkten. Das betrifft auch unzeitgemäße Unternehmenskommunikationen. Ein Beispiel: Raffinerien müssen periodische Wartungsarbeiten durchführen. Diese zwingen sie zum längeren Abschalten der Produktion. Hierdurch können unter Umständen Lieferengpässe und regionale Preissteigerungen hervorgerufen werden. Für Verbraucher wäre es hilfreich, über turnusmäßige, also geplante Abschaltungen informiert zu sein, um nicht in eine mögliche Engpasssituation hinein Heizöl kaufen zu müssen. Gleichwohl sind Raffineriegesellschaften nicht willens, diese Informationen vorab öffentlich bekannt zu geben.

Das Fazit zu Veränderungen in Folge der Krise fällt dürftig aus. Viele Richtungswechsel wurden nicht ursächlich durch die Krise eingeleitet. Das Bewusstsein gab es schon vorher. Allenfalls wirkte die Krise ein wenig beschleunigend. Dort, wo die Krise den dringendsten Handlungsbedarf offenbarte, im Finanzsystem und in der Finanzindustrie, hat sich bis heute fast gar nichts verändert. Insofern ist der Satz, nach der Krise ist nichts mehr wie vorher, sehr poetisch aber nicht zutreffend.

Heute Morgen setzt sich die Lage an den Öl- und Devisenbörsen unverändert zu den letzten Tagen fort. Öl kommt vom hohen Niveau zurück. Der Dollar legt weiter zu. Der Ölmarkt ist weiterhin überversorgt. Am Devisenmarkt beschäftigt man sich mit Pleitegefahren in der Eurozone. Die Tonne Gasöl kostet 725,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 84,48 Dollar und in London 86,52 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,51 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise gaben zuletzt auf Grund des Ölpreisrückgangs an den Börsen nach. Der steigende Dollar bremste die Bewegung. Der übergeordnete Seitwärtstrend der Heizölpreise ist weiterhin gültig. Die Tagespreise befinden sich im Bereich seiner oberen Grenze. Wir gehen davon aus, dass sie von dort zurückkommen werden. Der Devisenmarkt birgt derzeit unkalkulierbare Gefahren. Die können zu plötzlichen Richtungswechseln führen. Dabei kann es auch in die für Verbraucher falsche Richtung gehen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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