Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Preise laufen heiß

Die Ölpreisrallye geht weiter. An der New Yorker Börse markierten Rohöl und Heizöl neue Rekorde. In London übertraf Gasöl den jüngsten Höchstwert. Nordseeöl Brent steht nur knapp unter seinem historischen Hoch, das im Juli erreicht wurde. Negative US-Bestandsdaten hatten Anteil am Lauf der Preise. Entscheidend ist aber die Euphorie der Chartisten. Das Bild des Preisanstiegs speist seinen weiteren Anstieg. Die Situation ist überhitzt und doch ist kein Ende der Rallye abzusehen. Der Dollar zeichnet das Gegenbild zur Ölpreisentwicklung. Er unterbietet das historische Tief gegenüber dem Euro. Es datiert ebenfalls aus dem Juli. Der Arbeitsmarkt und die Zinserwartung in den USA entziehen der Währung jedwede Attraktivität. Die hoffnungsvolle Einstellung zur US-Wirtschaft gerät erneut ins Wanken.

Einen so glatten Durchmarsch der Preise hätte man gestern nicht unbedingt erwarten müssen. Die IEA (Internationale Energieagentur) streute den Bullen etwas Salz in die Suppe. Sie senkt die weltweite Nachfrageprognose für dieses und das kommende Jahr. Die Veränderung beträgt allerdings nur 0,1 Prozent. Der Wert ist geringer als die natürliche Unschärfe einer Prognose. Daher ist er vernachlässigbar. Gut bedient werden die Bullen hingegen mit den beiden folgenden Angaben. Die Nachfragesteigerung Chinas wird weiterhin mit 5,9 Prozent angegeben. Der OPEC-Ausstoß sank im August, weil die irakischen Lieferungen einbrachen.

Trefflich diskutieren lässt sich über die OPEC-Entscheidung vom Vortag, die quotierten Öllieferungen um 0,5 Mio. Barrel pro Tag zu steigern. Im Kartell rang man heftig um die Entscheidung. Die eigene Marktbeurteilung spräche eher für eine Senkung der Quote, da man die weltweite Rohölbevorratung als sehr hoch einschätzt. Dass dennoch eine Liefererhöhung angekündigt wird, ist als Zeichen gegen den Preisauftrieb zu verstehen. Dieses Zeichen wird vom Markt allerdings anders aufgenommen. Spekulanten sehen in der schwachen Anhebung eine Bestätigung für den Verdacht, dass die OPEC an ihrer Grenze produziert. Dieser Verdacht ist derzeit das stärkste fundamentale Argument für den rasanten Preisanstieg. Eine konservative Gruppe von Ölanalysten hält die Hypothese für absurd. Nach ihrer Interpretation gibt sich das Kartell zurückhaltend, weil dem Markt mittlerweile neue Quellen unkonventionellen Öls zur Verfügung stehen, wozu auch Bioöle zählen. Die OPEC sei lediglich bemüht, eine Ölschwemme zu vermeiden. Aktuell findet das Argument keine Mehrheit an den Börsen. Es könnte aber Bedeutung bekommen, wenn die Übertreibung abgebaut wird.

Die US-Lagerdaten bestätigen das OPEC-Postulat hoher Vorräte nicht mehr. Sie zeigen für die letzten Monate einen heftigen Abbau. Die berichtenden Institutionen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) sind sich in der Lagebeschreibung allerdings nicht einig. Folgende Zahlen wurden geliefert:

Rohöl: -7,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 6,0 (DOE) bzw. ein Aufbau von 3,8 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sanken unter die Werte der Vorwoche und des Vorjahrs. Die Raffinerieverfügbarkeit fiel auf 91%. Damit bleiben die Raffinerien in der Diskussion. Sie helfen der bullischen Spekulation.

Der langjährige Vergleich der absoluten Bestandswerte lässt unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten. Im Zeitraum der letzten fünf Jahre sind die Vorräte immer noch überdurchschnittlich hoch. Im Zeitraum der letzten zwanzig Jahre liegt der Rohölvorrat auf Durchschnittsniveau und der Heizölvorrat unterdurchschnittlich tief.

Charttechnisch ist der Preisauftrieb sehr stark, aber auch von deutlicher Übertreibung gekennzeichnet. Wohin er noch führen wird, obliegt dem Reich der Spekulation. Wir halten 85 Dollar für das Barrel WTI (US-Rohöl) für realistisch. Danach dürfte allerdings ein Einbruch zur Konsolidierung kommen. In Situationen wie dieser pflegt man an Börsen die Binsenweisheit zu verwenden, der Trend läuft solange, bis er bricht. Heute Morgen ist von Trendbruch nichts zu erkennen. Gasöl hält sein Rekordniveau. Die Tonne kostet 692,00 $.

Unsere Heizölpreise steigen und steigen. Sie übertreffen die durchaus bullischen Erwartungen. Da in der ersten Jahreshälfte, in der die Preise konstant unter den Vorjahreswerten lagen, Kaufboykott herrschte, kommen Verbraucher nun in eine sehr unangenehme Situation. Es muss ein Bedarf gedeckt werden. Aber die Bedingungen sind schlecht. Der einzig sinnvolle Rat in diesem Fall ist, nur geringe Mengen zu kaufen, und auf rückläufige Preise im Winter zu hoffen. Dieses Vorgehen kann, muss aber nicht aufgehen.

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