Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Zweifel am Zweifel zum Wirtschaftswachstum

An den Börsen gibt man sich philosophisch. Es wird gezweifelt. Der doppelte Zweifel löst den Zweifel auf. Wenn täglich ein Zweifel hinzukommt, steigt der Zweifel nur scheinbar. Tatsächlich bleiben Zweifel und Zuversicht im Mittel konstant. Wen interessiert das? Solange es um den reinen Zweifel geht, interessiert das so gut wie niemanden. Wenn sich der Zweifel auf die Wirtschaftsentwicklung bezieht, findet die Sache ein breiteres und vor allen Dingen ein preisrelevantes Interesse. Wir reden hier von marktrelevanten Zweifeln. Gestern hatte der Zweifel am Zweifel zum Wirtschaftswachstum steigende Kurse an den Börsen und beim Öl zur Folge. Nach Lage der Dinge könnte heute erneut gezweifelt werden. Dann fallen die Notierungen wieder. Das Ganze ist eine zweifelhafte Gegenbewegung zum letzten Anstieg der Preise. Längerfristig folgen diese einem Aufwärtstrend, dessen Ursache auf die nicht minder zweifelhafte Ausstattung der Krisengewinnerbanken mit staatlichen Hilfsgeldern zurückzuführen ist, die ihnen vornehmlich über die Krisenverliererbanken zugeflossen sind. Weil diese Gelder keine bessere Anlage finden, werden sie in ein reines Wettgeschäft auf den Ölpreis gesteckt. Einziges Ziel ist es, die Wette zu gewinnen. Dabei ist es vollkommen belanglos, ob es realwirtschaftliche Gründe für die Wettausrichtung gibt. Nebenbei bemerkt, es gibt keine auf Angebot und Nachfrage basierenden Gründe für den aktuellen Aufwärtstrend der Ölpreise.

Solche Gründe kann es allerdings in Zukunft wieder geben. Zum einen ist die sich abzeichnende Endlichkeit der Ölvorkommen ein solcher Grund. Dieser dürfte in fünf bis zehn Jahren ernsthaft preisrelevant werden. Vorher könnten bereits sinkende Investitionen in die Ölinfrastruktur zu Verknappungen führen, die nichts mit dem generell endlichen Ölangebot der Erde zu tun haben. Diese sind eine Folge des im Abschwung befindlichen Wirtschaftszyklus und der Gewinnvorstellungen, denen börsennotierte Unternehmen ausgesetzt sind. Da solche Unternehmen ebenfalls Wettobjekte der Finanzindustrie sind, schließt sich hier der Kreis zum ansteigenden Ölpreis. Aus der ungezügelten Forderung nach Unternehmensgewinn folgt in einer endlichen Ökonomie, um eine solche handelt es sich grundsätzlich bei fossilen Rohstoffen, der Zwang zur Kostensenkung. Das schließt die Reduzierung von Investitionen ein. Hierdurch wird der Stoffstrom, konkret der Ölstrom reduziert. Damit gibt es einen realwirtschaftlichen Grund für steigende Preise, zumindest wenn die Nachfrage nicht weiter einbricht. Die Wette der Finanzindustrie geht auf. Die Gewinne steigen. Die Wirtschaft aber lahmt weiter. Der Zusammenhang scheint dort zwangsläufig zu sein, wo mit endlichen Stoffen gehandelt wird. Solange die Endlichkeit nicht begriffen ist, werden Gewinne im Allgemeinen aus Wachstum generiert. Sobald aber klar ist, dass Wachstum ein Ende finden muss, ist es naheliegend, Gewinne aus dem stofflichen Mangel zu erzielen. Wer die Möglichkeit hat, wird den Mangel forcieren. Die Finanzindustrie hat die Möglichkeit hierzu, sowohl über die Hebel der Kreditvergabe als auch über die Einflussnahme als Aktionär von Öl- und Gasunternehmen. Der große Gewinn einer solchen Politik wird schließlich über die Wette an den Rohstoffmärkten eingefahren.

Wie könnte man nun das Missverhältnis steigender Finanzgewinne und einer tendenziell sinkenden Realwirtschaft auflösen. Ein Weg wäre es, Abschied von der Idee des unendlichen Wachstums zu nehmen, die Versorgungsindustrie, die mit endlichen Ressourcen operiert, zu verstaatlichen, und so einen politisch geregelten stabilen Zustand herbeizuführen. Endliche Ressourcen sind unter anderem Öl und Gas aber auch Geld. Mit einem solchen Weg gibt es vielfältige Erfahrungen in der Geschichte. Wirklich befriedigend waren sie bisher nicht. Man sollte also mindestens eine Alternative zu diesem Weg suchen. Eine solche Alternative kann darin bestehen, unsere Wirtschaft konsequent auf Felder auszurichten, die kein absehbares Ende des Wachstums haben. Alles, was Ausgewogenheit innerhalb der Menschheit und mit ihrer Umwelt bewirkt, ist ein nicht absehbar zum Ende führendes Handeln. Es bietet somit langfristiges Wachstumspotenzial. Die Ausrichtung der Wirtschaft auf ein derartiges Ziel ist in einer am wegwerfenden Konsum orientierten Gesellschaft unvorstellbar. Konsumismus wird derzeit als eine natürliche Bestimmung des Menschen verstanden. Er ist es natürlich nicht. Menschen haben sich dafür entschieden, so wie sich manche Menschen für Rassismus entschieden haben. Gewöhnlich erfolgt eine solche Entscheidung unbewusst. Sie wird durch Propaganda bewirkt und gefestigt.

Die energiepolitische Ausrichtung der neuen Bundesregierung behindert Veränderungen zu neuen Wachstumssektoren. Sie ist leider kein mutiger Schritt in eine neue Zukunft. Damit steht die Regierung nicht allein da. Sie schwimmt im Mainstream der Politik anderer Industrienationen. Diese hat nicht erkennbar vor, Nennenswertes an den bestehenden Verhältnissen zu ändern. Und so wird die Entwicklung der Ölpreise den mehr oder weniger absehbaren Lauf nehmen. Der wird sie mit Einbrüchen garniert aufwärts spülen. Nach derzeitiger Lage der Dinge wird sich die Geschichte bis zum Erreichen des historischen Preishochs im letzten Jahr wiederholen. Ob das Hoch bereits im nächsten Jahr geknackt wird, wagen wir nicht zu prognostizieren.

Heute Morgen setzen sich übrigens wieder die Zweifel durch. Die Preise geben nach. Die Tonne Gasöl kostet 613 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 77,63 Dollar. Der US-Dollar wird zu 67,83 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zeigen eine leichte Abwärtstendenz. Sie spiegeln den Mittelwert des Hin- und Her am Weltmarkt wider. Nennenswerte Preisverschiebungen nach unten erwarten wir nicht. In den kommenden Tagen sollte es tendenziell seitwärts gehen. Die Preisunterschiede innerhalb Deutschlands auf Grund der Behinderungen auf den Wasserstraßen sind immer noch zu erkennen. Steigende Pegel sollten sie in Kürze aufheben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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