Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Ängste regieren den Markt

80 Cent trennen den New Yorker Rohölpreis von den Höchstpreisen im Jahr 1990, als Saddam Husseins Truppen Kuwait besetzten. Die Benzinpreise sind auf einem Allzeithoch. Nur die Heizölpreise stehen noch deutlich unter ihren historischen Topps. Weil der Sommer naht, ist das Produkt nicht im Fokus. Der Dollar vollzieht nicht zuletzt wegen der Stärke des Öls eine Gegenbewegung. Er verbilligt sich zum Euro.

Die Erklärungen variieren kaum. Der angespannte US-Benzinmarkt mit seinem Mangel an schwefelarmen Treibstoff und einem erwarteten Nachfrageboom im Sommer werden als Haupttriebfeder genannt. Sorgen vor Terroranschlägen auf internationale Öleinrichtungen wirken nicht minder stark. Und der kräftige Nachfrageanstieg für Öl durch China, Indien und andere Boomländer in Fernost erwecken den Eindruck, dass die Märkte unter Langzeitstress bleiben.

Die Fonds setzen auf Preissteigerungen und locken immer neue Investoren in diesen Markt. Der erlebt einen soliden Aufwärtstrend. Zwar zeigt er in diesen Tagen eine Überhitzungserscheinung, die eine kurzfristige Erholung erwarten lässt. Längerfristig betrachtet ist der Preisanstieg zumindest aus charttechnischer Sicht aber äußerst stabil.

Die auf fundamentale Daten bauende Psychologie lässt ebenfalls keine rasanten Rückschläge erwarten. Im Gegensatz zu den Preisspitzen vor Beginn des Irakkriegs im letzten Jahr, die durch Kriegshysterie getrieben waren, gibt es jetzt mehr belastbare Fakten, die auch bei nüchterner Betrachtung kein gutes Bild der Ölversorgung zeichnen.

Wie fest der Preisanstieg derzeit verankert ist, zeigen die gestern veröffentlichten Zahlen über die US-Vorräte und die Reaktion der Märkte darauf. API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) lieferten folgenden Zahlen:

Rohöl: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)

Die Zahlen sind gut. In Summe werden Zunahmen von 6,5 bzw. 4,6 Mio. Barrel ausgewiesen. Insbesondere das so kritisch betrachtete Benzin zeigt einen erfreuliche Zuwachs. Den Händlern reicht das nicht aus. Der Vorrat bleibt unter den Zahlen des Vorjahres. Also bleibt die Richtung der Preisbewegung wie sie war, aufwärtsgerichtet.

Die Importe gingen in der letzten Woche zurück. Dafür laufen die Raffinerien besser als in den Vorwochen. Das ist allerdings immer noch unbefriedigend. Insgesamt reichen die Kapazitäten in den USA bei weitem nicht für die eigene Versorgung aus. Deshalb muss der weltgrößte Benzinverbraucher sich weltweit mit dem Kraftstoff eindecken. Das treibt nicht nur die Benzinpreise anderer Länder in die Höhe. Es zieht den gesamten Ölkomplex aufwärts. Kurzfristig wird es kaum einen Weg aus dieser Kreise geben. Langfristig müssen mehr Raffinerien gebaut werden. Noch gibt es große Zurückhaltung, die riesigen Summen zu investieren. Es herrsche ungenügende Planungssicherheit für den Kapitaleinsatz, heißt es.

Die dramatische Lage, in die sich die USA im Irak u.a. durch Folterungen von Gefangenen manövriert haben, und die Sorge, dass zunehmend Ölanlagen Ziel von Terroranschlägen werden könnten, sorgt momentan für ein mindestens so starken Preisauftrieb wie das Benzindilemma. Die jüngsten Anschläge in Basra und in Saudi Arabien, wo fünf ausländische Ingenieure umgebracht wurden, werden als Hinweis für die neuen Ziele von Al Kaida & Co. genannt.

Angesichts der aktuellen Aussichten der Ölpreisentwicklung samt der Auswirkung auf die Wirtschaft wendet sich der Dollar von seinem Aufwärtstrend ab. Mit Kursrückgängen dämpft er den dramatischen Preisanstieg des Öls für Europäer.

Gasöl verteuert sich heute Morgen weiter. Die Tonne kostet 326$.

Unsere Heizölpreise steigen unaufhaltsam. Der inzwischen wieder fallende Dollarkurs schafft nur ungenügend Gegenkraft. Wir erwarten in den nächsten Tagen kleine Preisrückgänge auf Grund eines kurzfristig heiß laufenden Ölmarktes. Mittelfristig wird Heizöl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch teurer werden. Sowohl die Trends als auch die Faktenlage um die Ölversorgung lassen kaum eine andere Einschätzung zu. Trotz des relativ hohen Preises erscheint es uns daher sinnvoll, eine Teilmenge Heizöl zu ordern, wenn in den nächsten Monaten Kaufzwang besteht.

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