Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Öl fehlt Geld

Ölnotierungen verteuerten sich in den letzten fünf Wochen um zehn bis fünfzehn Prozent. Analysten geben rückläufige Lagerbestände als Grund hierfür an. In Europa ist die Ölversorgung seit dem Ausfall Libyens angespannt. In den USA galt sie lange als üppig. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Lagerbestände sind auch dort bestenfalls durchschnittlich. Finanzjongleure erwarten im Winter eine Verschärfung der Lage. Das mag aus ihrer Sicht Zweckoptimismus sein. Schließlich gehört die Steigerung der Ölnotierungen zu ihrem Kerninteresse. Diese ist vor dem Hintergrund von Finanzkrise und Konjunkturschwäche keine Selbstverständlichkeit, wenngleich die stetig steigende globale Nachfrage ein triftiger Grund für die Teuerung ist. Daran ändert der moderate Nachfragerückgang in den alten Industrienationen nichts.

Die Aktienindizes in den USA und in Europa erlebten eine ähnliche Wertsteigerung wie die Ölnotierungen. Hierfür eine auf realwirtschaftliche Zusammenhänge zurückzuführende Begründung zu finden, ist deutlich schwieriger als beim Öl. In den USA lahmt die Konjunktur seit drei Jahren. Besserung ist nicht in Sicht. Für Europa prognostizieren Volkswirte eine ähnliche Entwicklung. Die Indikatoren verschlechtern sich seit Wochen stetig. Erklären lässt sich die Entwicklung nur über die geschlossene Welt der Finanzen. Aktienindizes sind kein Indikator der Realwirtschaft mehr. Sie sind ein Indikator der Rentenversorgung. Wertsteigerung von Aktien sichern den gesellschaftlichen Gruppen, deren Pensionen und Renten kapitalgedeckt sind, die Bezüge im Alter. Zudem liefern sie der schnelllebigen Finanzindustrie Gewinn aus Spekulationsgeschäften. Das Finanzdesaster stellt all das infrage. Das Rentenmodell einer ganzen Generation und das Geschäftsmodell der Finanzindustrie drohen zu implodieren. Das ist ohne Zweifel ein Problem. Die Politik kämpft für ihren Erhalt. Das geschieht auf Kosten derjenigen, die nichts von den Modellen haben und vor allen Dingen auf Kosten nachfolgender Generationen. Sie müssten die Schulden, die nicht bezahlbar sind, bezahlen. Sie werden es nicht tun. Ein offener Konflikt ist unvermeidbar. Ähnlich wie im Fall Griechenlands wird es auch bei diesem Sachverhalt zu einem Schuldenschnitt kommen.

Die Rückzahlung staatlicher Schulden hat gemäß vielen Politikerstatements oberste Priorität. Eine Rückzahlung ist in der bestehenden Finanzordnung allerdings nicht möglich, zumindest nicht, wenn gleichzeitig Wirtschaftswachstum verordnet ist. Denn Wachstum kann nur über die Erhöhung von Krediten generiert werden. Das ist nun mal das Prinzip des Geld- und Finanzsystems. Wenn sich die Wirtschaft selbst aus welchen Gründen auch immer weigert, neue Kredite aufzunehmen, springt der Staat ein. Dann wachsen die Schulden noch schneller. Bestenfalls handelt die Wirtschaft so, wie Politik sich das wünscht. Dann muss die Staatsverschuldung nicht wachsen. Dass sie dann sinkt, ist aus historischer Sicht extrem unwahrscheinlich. Selbst wem die Geld- und Finanzzusammenhänge vollkommen fremd sind, kann die geschichtliche Absurdität der Forderung des Schuldenabbaus im bestehenden System erkennen. Solider Schuldenabbau geht nur über Schuldenschnitt und Umverteilung.

Ein weiterer Grund, der gegen die Forderung des Schuldenabbaus im bestehenden System spricht, ist die Verteuerung von Energie. Billige Energie war die Grundlage für das rasante Wirtschaftswachstum der letzten eineinhalb Jahrhunderte. Indem die billige Energie nicht mehr zur Verfügung steht, entfällt ein wichtiger Teil des bisher erfolgreichen Geschäftsmodells.

Die Internationale Energie Agentur (IEA) macht sich große Sorgen über die zukünftige Energieversorgung. Dabei geht es nicht nur um den stetig steigenden Preis, sondern auch um die angebotene Menge. Um die adäquat vorhalten zu können, müssten in den kommenden 25 Jahren 38 Billionen Dollar investiert werden. Dass die angeschlagenen Finanz- und Gesellschaftssysteme das ermöglichen, bezweifeln die Auguren der IEA. Allein die Ölindustrie benötigt ein gutes Viertel der Summe. Ihr Finanzbedarf wächst schneller als in anderen Energiebranchen, weil sie die erste ist, die ihren Förderhöhepunkt erlebt. Nach dem Peak wird es immer schwieriger und teurer, zu Nachschub zu gelangen. Die nötigen Finanzmittel werden vermehrt in das Finanzsystem selbst und in die instabilen Gesellschaftssysteme Nordafrikas und des Nahen Ostens gesteckt. Dort werden sie verwendet, um Schlimmeres abzuwenden.

Die Tatsache, dass Öl- und Aktiennotierungen trotz der unterschiedlichen Rahmenbedingungen ihrer jeweiligen Systeme im gleichen Maß steigen, lässt vermuten, dass sie beide den gleichen Einflüssen ausgesetzt sind. Es sind die Einflüsse der Finanzindustrie. Diese Einflüsse beflügeln den Preis und verhindern wirtschaftliche und gesellschaftliche Gestaltung. Sie zeigen, wie real die Befürchtung der IEA ist. Die Finanzindustrie macht aus der Knappheit des Öls ein Geschäft. Die Realwirtschaft wird mit dieser Knappheit einbrechen.

Heute Morgen verlaufen die Geschäfte der Finanzwirtschaft gut. Ihre Investments steigen. Öl ist auf dem besten Weg, in den alten Aufwärtstrend zurückzukehren. Aktien steigen ebenfalls, obwohl die jüngsten Konjunkturindikatoren schlecht aussehen. Das Finanzdesaster ist für Börsianer zur Randnotiz verkommen. Die Tonne Gasöl kostet 1.024,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,54 Dollar und in London 115,83 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,53 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Heute kommt der Auftrieb von den Ölnotierungen. Die Dollarbewegung leistet keinen wesentlichen Beitrag. Heizöl befindet sich im Aufwärtstrend. Das gilt sowohl kurz- als auch langfristig. In der mittelfristigen Betrachtung gibt es noch einen Funken Hoffnung, dass es vielleicht doch eine Seitwärtsbewegung bleiben könnte. Diese Hoffnung schwindet aber gegen Null. Wer auf Preisminderung spekuliert, muss mit ganz kleinen Brötchen zufrieden sein. Die einzig größere Hoffnung spielt mit dem totalen Finanzknall. Der ist momentan sehr unwahrscheinlich. Wer eine solide Einsparung will, muss am eigenen Verbrauch arbeiten. Das geht nicht ohne Anfangsinvestition. Dafür ist der Erfolg garantiert. Hier ist ein Beispiel für so eine Einsparungsinvestition.

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