Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Öl oder was anderes

Die Schonzeit zwischen Weihnachten und Drei Könige ist vorbei. In Deutschland verschwindet der Staatspräsident von den Titelseiten der Zeitungen, denn dort macht sich die Krise wieder breit. Den Sachverhalt in der Einzahl zu benennen, ist mitteleuropäisch unterkühlt. Besser ist die italienische Verwendung des K-Wortes. Es existiert nur in der Mehrzahl. Und in der Tat handelt es sich um ein Konglomerat von Krisen: EU-Krise, Schulden-Krise, Geld- und Finanzkrise, Bankenkrise, Konjunkturkrise, Ölkrise, Koalitionskrise etc. Was dem Präsidenten recht ist, ist dem Volk keineswegs billig. Es bekommt keine Sonderkonditionen. Es muss zahlen. Für Öl verteuert sich die Rechnung seit Monaten ausschließlich aufgrund des krisengeschüttelten Euros. Ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, die Lage wird sich verschärfen. Um das vorherzusagen, muss man kein Prophet sein. Die Feststellung, dass kein Plan zum Ausstieg aus den Krisen existiert, ist eine hinreichende Erkenntnis. Das politische Handeln diente bisher einzig dem Zeitgewinn, nicht der Lösung. Man darf darüber streiten, ob es notwendig war.

Heizölkonsumenten müssen in dieser Lage entscheiden, wann sie sich mit Öl eindecken wollen. Voraussetzung ist, dass ihnen der Tankinhalt die Freiheit lässt. Investitionswillige Hausbesitzer werden fragen, ob sie sich überhaupt noch mit Heizöl eindecken wollen oder ob ein anderer Energieträger ihnen eine weniger teure Zukunftsperspektive bietet.

Vorab sei gesagt, dass die Preisentwicklung, soweit diese vom Euro getrieben ist, nicht vor anderen Energieträgern haltmacht. Gas zum Heizen und Kohle zur Verstromung kommen ebenfalls zum großen Teil aus dem Nicht-Euro-Raum. Beide Rohstoffe unterliegen den gleichen Wechselkursnachteilen wie das Öl. Heimisches Holz ist im Vorteil. Als Zuheizstoff hilft es Geld zu sparen. Den deutschen Wärmehaushalt kann es aber nur partiell bedienen, da sein Volumen begrenzt ist. Heute hat es im Wärmemarkt einen Anteil von ungefähr zwölf Prozent. Selbst in einem ambitionierten grünen Zukunftsszenario wird Holz nicht mehr als 25 Prozent der Wärme liefern können. Sein Preis bildet sich, wie der Preis aller anderen Energieträger auch, auf dem Markt eines begrenzten Angebots und steigender Nachfrage.

Strom wird zukünftig noch mehr aus hier einstrahlender Sonne und hier wehendem Wind erzeugt werden. Solarer Strom hat den Nachteil, dass er im Winter, wenn geheizt wird, kaum zur Verfügung steht. Beim Wind sieht es besser aus. Im Winter häufig anfallende Angebotsspitzen sind bestens zum Heizen geeignet. Zur Verstetigung des Angebots müssen allerdings noch umfangreiche Speicher geschaffen werden. Das kann beim Konsumenten oder beim Versorger geschehen. Die Aussichten sind höchst interessant. Eines ist aber heute schon klar. Der Strompreis wird weiter steigen. Dass der Anstieg geringer ausfallen wird als beim Öl, ist höchst unwahrscheinlich, denn Strom ist der Energieträger mit dem höchsten Nachfragewachstum weltweit. Das Angebot droht durch die enorme Ausweitung der Nachfragemärkte überfordert zu werden. Man denke nur an die Substitution von Öl durch Strom im Straßenverkehr.

Auf Platz zwei des Nachfragewachstums folgt Gas. Das Angebot ist derzeit gut. Der Preisanstieg fiel in den letzten Jahren geringer aus als beim Öl. Seit eineinhalb Jahren ist Gas billiger als Heizöl. Über Jahrzehnte war es teurer. Da Gas das Öl bestens ersetzen kann, muss damit gerechnet werden, dass es sowohl im Verkehr als auch für die Stormerzeugung in den kommenden Jahren im großen Stil eingesetzt wird. Der Fortschritt des Gaseinsatzes entlastet die Ölnachfrage. Das Gasangebot wird zu 75 Prozent von der OPEC und Russland kontrolliert. Beim Öl ist die Anbietervielfalt größer und die politische Abhängigkeit geringer. Heute ist nicht absehbar, wie sich Gas- und Ölpreise langfristig zueinander entwickeln werden.

Ein ähnliches Nachfragewachstum wie Gas hat die Kohle. Die Teuerung war in den letzten Jahren höher. Als Hausbrennstoff ist sie wegen vielfältiger Nachteile uninteressant.

Von den fossilen Energieträgern ist Öl der Stoff mit dem geringsten Nachfragewachstum. Hierin kommt die bereits ausgereizte Verwendung der Ressource zum Ausdruck. Trotz rasanten Konjunkturwachstums weltweit rechnet man beim Öl mit einem vergleichsweise moderaten Anstieg der Nachfrage. Ob dieser bedient werden kann, wird widersprüchlich debattiert. Wahrscheinlich ist die relevante Frage nicht die nach dem Vorkommen der Ressource oder nach dem Peak Oil, sondern die nach den Kosten ihrer Förderung. Die werden definitiv weiter steigen, da das billig zu gewinnende Öl weitgehend verbraucht ist. Insofern ist eine Preissteigerung so gut wie sicher. Dies gilt, wie bereits angemerkt, für alle Energieträger. In den letzten Monaten gab es übrigens keine Ölpreissteigerung. Sowohl Rohöl als auch Gasöl blieben dauerhaft unter ihren Aprilhochs. Das ist bemerkenswert, da die Konjunktur insbesondere in Fernost weiter wuchs.

Die skizzierten Umstände lassen außer Acht, dass jede exzessive Verbrennung fossiler Energieträger kostspielige Folgeprobleme aufwirft. Aus diesem Grund und mit dem Anspruch, hohe Brennstoffkosten zu vermeiden, ist der Königwegs der Debatte immer der, den Verbrauch selbst zu senken. Wenn dieser Weg gegangen wird, ist die unbeantwortbare Frage nach dem langfristig günstigsten Energieträger obsolet. Nicht seine Wahl, sondern die Menge seines Verbrauchs entscheidet über die zukünftige Wärmerechnung. Die Wahl des Energieträgers hat nur für Vielverbraucher hohe Bedeutung. Verbrauchssenkung lässt sich übrigens durch Reduktion von Wohnraum und Dämmung desselben besser und vor allen Dingen günstiger realisieren, als durch ein teures Heizungssystem.

Auch wenn in Zukunft vieles anders sein wird als heute, wird die Frage nach dem Ölpreis erhalten bleiben. Die können wir nur für den Moment beantworten. Der Preis steigt innerhalb des mittelfristigen Seitwärtstrends. Die Tonne Gasöl kostet 980,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,48 Dollar und in London zu 112,95 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 78,41 Eurocent.

Unsere Heizölpreise haben in ihrem strengen Aufwärtstrend einen Stopp eingelegt. Er wird eher ein Tages- als ein Monatsereignis sein. Der Drang nach oben war, ist und bleibt in der mittelfristigen Betrachtung ein Effekt des unter Druck geratenen Euros. Er ist eine Ausgeburt der Krise. Die ist mittlerweile soweit in die Köpfe der Akteure vorgedrungen, dass ihnen sogar der Handel mit Ölpapieren weniger lohnend erscheint. Ihre Aktivitäten sind verglichen mit früheren Zeiten reduziert. Diese Feststellung führt nicht dazu, dass wir günstigere Heizölpreise erwarten. Im Gegenteil, der fallende Euro bzw. der steigende Dollar wird die Teuerung des Heizöls vorantreiben. Insofern sehen wir keinen Grund, zum Aussitzen des Preises aufzurufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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