Unseren neuen Kommentar für den 05.07.20 finden Sie hier.


Ölpreise drehen nach unten

Internationaler Markt

Der wochenlange Ölpreisanstieg kommt seit gestern aus dem Tritt. Das kann nicht überraschen, denn die Warnzeichen sind immer zahlreicher geworden. Zwei davon bestimmten den gestrigen Preisverlauf: China und die US-Lagerbestände.

Der Optimismus bei der Coronavirus-Epidemie verflüchtigte sich gestern, als bekannt wurde, dass China schon wieder die Zählmethode geändert hatte. Der plötzliche Rückgang der Neuinfektionen erscheint dadurch in einem zweifelhaften Licht. Zudem macht sich in Südkorea Panik breit. Die Millionenstadt Daegu kam praktisch zum Stillstand, als die Zahl der Coronavirus-Fälle dort sprunghaft anstieg. Auch in den USA wurden mehrere neue Fälle gemeldet.

Die Auswirkungen auf den Ölmarkt werden jetzt allmählich in konkreten Zahlen greifbar. Chinesische Raffinerien reduzieren ihren Rohölverbrauch derzeit um 3,0 Mio. Barrel pro Tag, melden die Konzerne. Das entspricht 25% des chinesischen Ölverbrauchs und etwa 3% des Weltölverbrauchs. Es ist unklar, wie lange das noch anhält, aber die Größenordnung zeigt, dass der Ölmarkt im Moment massiv Lager aufbaut. Das wird über kurz oder lang auf die Preise drücken.

Der gestrige Wochenbericht des Energieministeriums (DOE) zu den Ölbeständen in den USA fiel auf den ersten Blick neutral aus. Die Rohölbestände stiegen minimal um 0,4 Mio. Barrel; Heizöl/Diesel verloren leicht (-0,6 Mio. Barrel); die Benzinvorräte etwas kräftiger (-2,0 Mio. Barrel). Auf den zweiten Blick belasten die Zahlen aber den Ölpreis, denn die Nettoimporte fielen um etwa 7 Mio. Barrel und die Raffinerien verarbeiteten mehr Rohöl als in der Vorwoche. Das sollte eigentlich zu einer starken Reduzierung der Rohöllager führen.

Da das offensichtlich nicht geschah, hat man nur die Wahl zwischen zwei bärischen Erklärungen: Entweder ist die inländische Ölförderung stärker als vermutet oder die Nachfrage ist schwächer. Beide Thesen belasten den Ölpreis.

Hier die genauen Bestandsveränderungen in der Übersicht:
Rohöl: +4,2 Mio. Barrel (API) bzw. +0,4 Mio. Barrel (DOE)
Heizöl und Diesel: -2,6 Mio. Barrel (API) bzw. -0,6 Mio. Barrel (DOE)
Benzin: -2,7 Mio. Barrel (API) bzw. -2,0 Mio. Barrel (DOE)
Ölproduktion: 13,0 Mio. Barrel pro Tag (9 Prozent höher als vor einem Jahr)

Auf der Habenseite können die Trader auf neue Konjunkturdaten aus den USA verweisen. Die fielen gestern überraschend stark aus. Der USA-China-Handelskonflikt und die zahlreichen anderen handelspolitischen Probleme scheinen spurlos an der US-Wirtschaft abzuprallen.

Doch das ist nicht genug, um eine Korrektur der Ölpreise zu verhindern, zumal auch das OPEC/Russland-Kartell stillhält und anscheinend hofft, dass der Sturm der globalen Überversorgung irgendwie an ihnen vorbeizieht.

Heute Morgen steht die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) bei 53,22 US-Dollar je Barrel . Die Nordseesorte Brent kostet 58,49 US-Dollar je Barrel . Gasöl notiert bei 508,25 Dollar je Tonne . Der US-Dollar ist 0,9265 Euro wert . Damit steht der Euro bei 1,0790 Dollar . Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise geben heute deutlich nach, wie die Heizölpreis-Tendenz zeigt. Der durchschnittliche Preis liegt nur noch knapp über 59 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3000 Liter). Damit folgt der Markt den schwächeren Rohölpreisen.

Der Heizölmarkt ist nun ruhiger geworden. Die Zahl der Bestellungen geht zurück und das Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Zahl der Käufe und Preisanfragen vergleicht, steht nur noch auf der mittleren Stufe.

Der Preispessimismus bleibt auf dem hohen Niveau der letzten Tage. Lediglich 51% der Voten in der täglichen Umfrage erwarten fallende Heizölpreise. Für viele Kunden ist der Preis im Niemandsland: Nicht mehr tief genug, um attraktiv zu wirken, aber gleichzeitig so stabil, dass kein Kaufdruck aufkommt.

Auch die Preischarts geben keine eindeutige Richtung vor: Auf mittlere und lange Frist zeigen die Preiskorridore für Heizöl nach unten. Aber in der kurzen Perspektive ist die Lage undurchsichtig: Der Abwärtskorridor seit Jahresbeginn sieht nicht mehr stabil aus. Die letzten Tage zeigen sogar einen Aufwärtstrend.

Was tun? Die Heizölpreise stehen heute zehn Prozent unter dem Vorjahr. Wer jetzt ordern muss, macht nicht viel falsch. Wer noch Zeit hat und spekulieren will, kann noch immer auf die anhaltende Überversorgung im Ölmarkt setzen. Eventuell kommen noch günstigere Kaufgelegenheiten.

Wenn Sie die Heizölpreisentwicklung optimal ausnutzen wollen, sollten Sie aber in jedem Fall genau wissen, wie viel Platz in Ihrem Tank ist. Der esyoil e-Peilstab plus hilft Ihnen dabei. Mit ihm können Sie Ihren nächsten Heizölkauf noch besser planen.

Doch nichts ist billiger als eingespartes Heizöl: Entwickeln Sie verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen, um Ihre Kosten zu senken und die Umwelt zu schonen.

Übrigens: Es gibt immer wieder Missverständnisse darüber, was das Klimapaket der Bundesregierung für Ölheizungen bedeutet. Die Folgen sind weniger einschneidend als oft dargestellt: Bestehende Ölheizungen können ohne Einschränkungen weiterlaufen. Ab dem Jahr 2026 sollen lediglich neue Ölheizungen (auch Ersatzgeräte) regenerativ ergänzt werden, also etwa mit Solarwärme für Brauchwasser. Aber auch hier gibt es viele Ausnahmen, wenn z.B. kein Gas- oder Fernwärmeanschluss vorhanden ist oder wenn die Kosten unverhältnismäßig hoch wären.

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