Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


80 $ ohne Sturm möglich

Zur Zeit kommen viele negative Umstände zusammen. Sie zwingen die Preise in die Höhe. Es ist durchaus möglich, dass das Barrel Rohöl in Kürze 80 $ kosten wird. Und selbst damit muss das Ende der Preisskala dieser Saison nicht erreicht sein. Noch stehen die angekündigten Hurrikane im Golf von Mexiko aus. Die Wahrscheinlichkeit für ihr Eintreten wächst. Ein preissteigernder Effekt gilt nach der jüngsten Erfahrung mit dem Wirbelsturm Chris, der wirkungslos verpuffte, als sicher. Der Dollar verlor nach schlechten Nachrichten über die US-Wirtschaft an Wert. Der Trend geht gerade noch als seitwärts gerichtet durch.

Die politischen Komponenten im Preisauftrieb liefern weiterhin der Nahe Osten, der Iran, Nigeria und der Irak. Mit Ausnahme des Irans sind es die gewalttätigen Auseinandersetzungen und ihre Folgen, die der Börse bullische Impulse geben. Die Nahostlage wird durch die Drohung Syriens, in den Krieg gegen Israel einzutreten, verschärft. Der Iran erhöht ebenfalls den politischen Druck. Nachdem das Angebot der UN-Vetomächte zu einem Konsensweg im Atomstreit abgelehnt wurde, kündigt er jetzt eine Beschleunigung des Atomprogramms an.

Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es. In diesem Fall können sich die Beine durchaus als lang entpuppen, da in dem Gesamtkonflikt im Nahen Osten und der Golfregion noch viel Eskalationspotential steckt. Lediglich der Fall Nigeria ist ein anderer. Hier geht es um die Volksbeteiligung am Ölreichtum des Landes. Bezeichnend ist die Entführung des deutschen Ölarbeiters. An seine Freilassung sind ausschließlich humanitäre Bedingungen für die armen Bevölkerungsschichten geknüpft.

In die politisch aufgeheizte Situation platzt die Nachricht von der Schließung eines großen Ölfelds in Alaska. Die BP sah sich zu diesem Schritt gezwungen, da beim Transport des Öls durch eine Pipeline Verluste mit erheblichem Umweltschaden auftreten. Vor der Wiederinbetriebnahme wird das gesamte Pipelinesystem repariert. Den USA gehen in dieser Zeit 8 Prozent ihrer Förderung verloren. Das entspricht 2,6 Prozent des Gesamtbedarfs. Angesichts der guten Bevorratungslage dürften die Auswirkungen auf die Versorgung gering sein. Die preistreibende Wirkung wird temporär bleiben.

Die großen Spekulanten sind in der letzten Woche, vor der BP-Nachricht aber mit der Warnung zum Wirbelsturm Chris, wieder in Fahrt gekommen. Sie trieben die Aktivitäten um den Rohölhandel auf ein neues Allzeithoch. Ihre Kontraktverteilung war dabei deutlich bullisch.

Die jüngsten Zahlen über die Investitionsbereitschaft der Ölgesellschaften unterstreichen die Einschätzung einer längerfristigen Hochpreisphase. Der kalkulatorische Ölpreis liegt dabei deutlich tiefer als der reale, was dem Stile eines vorsichtigen Kaufmanns entspricht. Er beträgt im Schnitt 55,70 Dollar pro Barrel. Vor wenigen Jahren lag dieser Preis bei 15 Dollar. Die OPEC geht für dieses Jahr nicht mehr von einem Fall unter 70 Dollar aus. Darin steckt allerdings bereits ein Teil der politischen Spannungen. Die werden die Ölgesellschaften nicht einkalkuliert haben.

Wenn sich die politischen Stürme beruhigen und wenn die Wirbelsturmsaison in den USA vorüber ist, bestehen gute Aussichten, dass die Preise unter 70 Dollar fallen können. Hierfür spricht u.a. der rege Bau bzw. Ausbau von Raffinerien. Das Reizthema der letzten Jahre könnte sich entspannen. Selbst die in dieser Hinsicht schlecht aufgestellten USA werden bis 2010 eine Steigerung der Kapazität von 10 Prozent bewerkstelligen. Darüber hinaus gibt es erhebliche Anstrengungen auf dem Gebiet der Biokraft- und Brennstoffe. In Kalifornien sollen 20 Prozent des Kraftstoffs im Jahr 2010 aus Bioquellen stammen. 2050 sollen sogar 75 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen kommen.

Großen Handlungsbedarf für weniger Verbrauch gibt es nach Meinung der Schornsteinfeger bei den deutschen Ölheizern. Von den 6,5 Mio. Anlagen sind 1 Mio. älter als 23 Jahre. Eine neue Anlage kann 30 Prozent Heizöl einsparen. Hier liegt erhebliches Potenzial zur Senkung der Brennstoffkosten.

Dies Potenzial hat die aktuelle Preisbildung nicht zu bieten. Der Gasölpreis befindet sich heute Morgen auf einem sehr hohen Niveau. Die Tonne kostet 663,50 $, Tendenz steigend.

Unsere Heizölpreise ziehen kräftig an. Der Weltmarkt ist sehr bullisch. Der Binnenmarkt ist ruhig. Wegen geringer Nachfrage stellen die niedrigen Pegel auf den Wasserstraßen z.Z. noch kein Problem dar. Die Aussichten für den Preis sind nicht gut, die preistreibenden Umstände zu vielfältig. Es sieht momentan so aus, als entwickelte sich parallel zur steigenden Preiswelle eine Kaufwelle. Wie im letzten Jahr.

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