Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Atomsstreit hält Ölpreis weiter hoch

Ausgelöst durch eine entspanntere Einschätzung der Benzinversorgung in den USA brach der heiß gelaufene Ölpreis in der letzten Woche deutlich ein. Der Abwärtsbewegung scheinen allerdings klare Grenzen durch die diversen politischen Spannungsherde gesetzt zu sein. Der auffälligste dieser Einflussfaktoren ist nach wie vor der Atomstreit mit dem Iran. Er hält den Ölpreis hoch. Der Dollar durchläuft einen ausgeprägten Abwärtstrend. Gestern setzte er zu einer längst fälligen Gegenbewegung an.

Wie viel Atomstreit steckt im Ölpreis? Über diese Frage lässt sich trefflich spekulieren. Dass der Anteil nennenswert ist, wurde gestern mit der Reaktion auf einen Brief Teherans an die US-Regierung erkennbar. Der Brief sollte ein bedingtes Einlenken im Atomstreit signalisieren. Die Idee sorgte an den Börsen umgehend für einen rasanten Preisrückgang. Beim Rohöl machte er rund zwei Dollar aus. Nachdem aus Washington zu vernehmen war, dass der Inhalt des Briefes die angemahnten Probleme nicht betreffe, scheuchten die Börsianer die Preise wieder hoch. Am Ende des Tages standen sie ungefähr dort, wo sie in der Frühe starteten.

Der Preis wird es schwer haben, nachhaltig zu fallen. Die großen Spekulanten stehen bereit, riesige Geldsummen in den Ölmarkt zu stecken. Jede Absenkung des Preises wird für ein Aufstocken der Kontrakte auf steigende Kurse genutzt. Mehrere Wochen in Folge stieg die Zahl der Engagements in Ölpapieren von einem historischen Hoch zum nächsten. Z.Z. ist ein exponentielles Wachstum der Kontraktzahlen zu verzeichnen. Der Überhang von Kontrakten auf steigende Kurse hat mittlerweile ebenfalls ein historisches Hoch erreicht. Der Atomstreit mit dem Iran ist ein wesentliches Argument der Spekulanten. Wenn es entfiele, könnte der Ölpreis erheblich zusammenbrechen. Er würde dabei schätzungsweise in die Region um 60 Dollar gelangen.

Langfristig gibt es freilich andere Argumente für den hohen Preis. Die kontrovers diskutierte reale Versorgungslage ist angespannt. Daran besteht kaum ein Zweifel. Es fehlt an brauchbarem Rohöl für die bestehenden Raffinerien und es fehlt an Raffineriekapazität. Diese könnte in einigen Jahren allerdings in hohem Maße geschaffen sein. Aktuell ist sie knapp. Knapp ist auch die gesamte Ölinfrastruktur der USA. Sie leidet immer noch unter den Auswirkungen der Hurrikane des letzten Jahres. Viele Pipelines und Ölplattformen sind noch nicht wieder in Betrieb gegangen. Dadurch fehlen 22,3 Prozent der Ölförderung aus dem Golf von Mexiko. Die nächste Hurrikansaison steht schon wieder vor der Tür. Auch dies ist ein Grund, der Spekulanten in den Markt zieht.

Für Preisauftrieb in begrenztem Umfang sorgen einige Staaten. Venezuela wird die Fördersteuer deutlich steigern. Russland erhöht die Zölle auf Ölausfuhren.

Bedenken zur zukünftigen Versorgung verbreitet Claude Mandil, Chef der IEA (Internationale Energieagentur). Er sieht die Nachfrage schneller wachsen als das Angebot. Das riefe eine fortwährende Verknappung hervor. Mandil versucht mit dem punktuellen Einwurf von Negativszenarien eine Erhöhung der industriellen Investitionsbereitschaft zu bewirken. Er wirbt für die breite Nutzung aller Energieträger, fossilen, atomaren und regenerativen. Außerdem wirbt er für Effizienzsteigerung.

Heute Morgen ist noch keine Tendenz für die Tagespreisentwicklung auszumachen. Gasöl kostet aktuell 614 $. Die charttechnische Betrachtung erlaubt durchaus einen weiteren Preisrückgang. Die geopolitische Lage wird ihn nach Lage der Dinge eher verhindern.

Unsere Heizölpreise befinden sich aktuell in einem Patt der Bewegungen. Ölpreis etwas abwärts, Dollar aufwärts. Der wesentliche Preiseinfluss kommt aus dem Atomstreit mit dem Iran. Mit der Entwicklung dieses Einflusses lässt sich auch ohne tiefere Kenntnis über den Ölmarkt spekulieren. Pessimisten sollten umgehend Heizöl ordern. Optimisten setzen auf die Chance weiter fallender Preise.

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