Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Auftriebskräfte am Werk

Die Preise steigen wieder. Ein paar Raffinerieprobleme und die Tatsache, dass die eigentliche Hurrikansaison im August beginnt, brachten sie zurück auf die Bahn des langfristigen Aufwärtstrends. So sehen es jedenfalls fundamental eingestellte Beobachter. Für Charttechniker ist der Weg auch ohne die genannten Umstände naheliegend. Der Trend macht den Preis. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die grundsätzliche Richtung in absehbarer Zeit ändert, ist derzeit gegen Null gehend. Besser sieht es beim Dollar aus. Sein Trend verläuft seitwärts.

Mit der realen Versorgungslage hat die Preisbildung nichts mehr zu tun. Die US-Vorräte konnten im Laufe von 12 Monaten um ca. 5% erhöht werden und das trotz höheren Verbrauchs. Die Rohölpreise stiegen im gleichen Zeitraum um knapp 50%. Gasölpreise kletterten sogar um 66%. Heizöl verteuerte sich für deutsche Haushalte ?nur? um 27%. Einen Tiefpunkt erreichte die Versorgung im Sommer des Jahres 2000. Damals lagen die US-Vorräte ca. 10% unter den aktuellen Mengen. Dennoch ist Rohöl heute 71% teurer als damals. Die Entkopplung der Preisbildung von der Versorgung fand nach dem missglückten Irakkrieg im Sommer 2003 statt. Seitdem hat sich ein stabiler Aufwärtstrend ausgebildet, der Ähnlichkeiten mit dem Internethype der späten 1990er Jahre hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich da eine Spekulationsblase aufbaut, ist groß.

Nutznießer der Preisentwicklung sind Ölgesellschaften, die Öl fördern und Öl raffinieren. Sie fahren exorbitante Gewinne ein. Die Produktionskosten steigen nicht annähernd so stark wie die Preise. Ob Spekulanten, die als Urheber der Preisbewegung gelten, in Summe Geld verdienen, ist ungewiss. Z.Z. ist das Engagement am Ölmarkt zwar sehr hoch. Die Positionen auf steigende und auf fallende Kurse sind aber gleich verteilt. D.h., die Zahl der Gewinner und Verlierer ist ausgeglichen.

Ein immer wieder genannter Grund für den starken Preisauftrieb ist die Nachfrage Chinas. Das Land befindet sich in einer starken industriellen Aufbauphase. Die benötigt Rohstoffe und Energie. Analysten sehen in absehbarer Zeit keine Verbesserung der Lage, da als nächster Schub die Mobilisierung der Gesellschaft mit Autos erwartet wird. Diese Phase ist noch ölintensiver als die Phase der Industrialisierung. Während der Energiebedarf der Industrie im Laufe der Zeit von Öl auf andere Energieträger umgestellt wird, steht für die Mobilisierung keine andere Ressource als Öl zur Verfügung. Nicht zuletzt diese Erkenntnis steckt als Triebfeder im Ölpreishype.

Nach den jüngsten Zahlen des Development Research Center (DRC) sinkt die Steigerungsrate des chinesischen Verbrauchs. Im vergangenen Jahr betrug der Nachfrageanstieg noch 15,6%. In diesem Jahr werden nur 9,7% erwartet. Noch deutlicher fällt die Veränderung bei den raffinierten Produkten aus. Die Steigerungsrate wird mit 8,4% erwartet nach 19,8% im Vorjahr. China kann sich immerhin selbst mit Produkten versorgen. Der Bedarf von 3,5 Mio. Barrel pro Tag ist durch Raffineriekapazitäten gedeckt.

Ein Schritt in Richtung Verbrauchsdämpfung ist die Erhöhung der Kraftstoffpreise. Kraft- und Brennstoffe werden in China subventioniert. Dieselkraftstoff wird nach der Preiserhöhung gut 20% unter dem Marktpreis verkauft. Die Aufwertung der Währung entlastet den Staatshaushalt zusätzlich. Öl kann billiger eingekauft werden.

Für die Ölpreisentwicklung blieben die chinesischen Zahlen folgenlos. Erwartungsgemäß wird diese vom Trend selbst bewegt und von möglichen negativen Nachrichten die beispielsweise die Hurrikansaison liefern wird.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis noch mit Steigerungen zurück. Die Tonne kostet 523,25$. Im Laufe des Tages sind höhere Preise wahrscheinlich.

Unsere Heizölpreise blieben vor und nach dem Wochenende annähernd stabil. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie steigen werden ist groß. Der Weltmarkt gibt entsprechende Signale. Einzig der Umstand, dass die Sorge vor Heizölengpässen im Winter schwindet, könnte eine Preissteigerung dämpfen.

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