Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Bescheiden aber nicht miserabel

Der Verfall hat ein Ende. Derzeit schwingen die Ölpreise seitwärts. Dabei kann es zwar durchaus zu Kontakt mit zuvor erreichten Tiefpreisen kommen. Eine neue Abwärtswelle im Stil des zweiten Halbjahres 2008 ist aber nicht zu erwarten. Wesentlicher Einflussfaktor bleibt die Nachfrage. In den Prognosen pendelt sie mit Hoffnung und Skepsis zur gesamten Wirtschaftsentwicklung. Bemühungen der OPEC, dem wegbrechenden Bedarf mit geringeren Liefermengen zu begegnen, zeigen erste Resultate. Zur Hälfte wurden die ambitionierten Vorgaben umgesetzt. Das half zumindest, den Preisverfall abzubremsen. Für eine Umkehrung der Preisbewegung reichte es indes nicht. Zweifel bestehen fort, dass diese Umkehrung im aktuellen Wirtschaftsklima durch eine Angebotssteuerung überhaupt erreicht werden kann. Unterstützt werden die Ölpreise momentan durch tiefe Temperaturen in den großen Heizölregionen. Der Dollar befindet sich in einer scharfen Abwärtsbewegung innerhalb seines weitläufigen Seitwärtstrends.

Sollte die Wirtschaft weltweit noch deutlicher einbrechen als bisher absehbar ist, wäre ein weiterer Preisverfall denkbar. Dem steht allerdings das Wissen um die Endlichkeit der Ressourcen entgegen. Die Idee, dass das aktuelle Preisniveau ein Kompromiss aus reduzierter Nachfrage und wenig steigerbarem Angebot ist, erscheint plausibel. Weil auf der Angebotsseite keine großartigen Steigerungen zu erwarten sind, ist die Vorstellung, die angeschlagene Wirtschaft durch eine staatlich unterstützte Rückkehr zum zuletzt gelebten Konsumismus zu reparieren, fehl am Platz. Allem Anschein nach kam die Hypothekenkrise einer ohnehin bevorstehenden Wirtschaftskrise zuvor. Wahrscheinlich besteht der Kern der Krise darin, dass das Dogma vom ewigen Wachstum, vom immer Größer und immer Mehr geplatzt ist. Die Welt braucht neben der neuen Finanzordnung neue Wirtschaftsideale.

Stimmen, die der westlichen Welt attestieren, über die Verhältnisse zu leben, werden lauter. Sie kommen naturgemäß aus konservativer Umgebung. In einem Anflug von Selbstreflexion kommen sie aber auch aus der neuen, wohlhabenden Avantgarde. Die Zeichen des Zeitgeistes scheinen eine neue Bescheidenheit zu signalisieren. Ein konsumtives Zurück in die 1970er Jahre wird denkbar. Damit ist keine Rückentwicklung zu alten Verhältnissen gemeint. Damit ist eine Fortentwicklung zur Ausgewogenheit gemeint, ausgewogen für den einzelnen Menschen und ausgewogen für die Menschheit als Ganzes.

Die wesentlichen Aspekte einer solchen Entwicklung sind aus energetischer Sicht in der aktuellen Krise bereits angelegt, ohne dass Menschen diese in vorausschauender Weise beeinflusst hätten. Eine einfache Analyse unserer Energiesituation, hier als Nachfragesituation, zeigt, dass die nennenswerten Stellschrauben im Bereich Wohnen und Mobilität liegen. Beide Segmente sind der realwirtschaftliche Kern der Krise, wobei Wohnen hierzulande nur mittelbar spürbar ist. In den USA sind Bau- und Autoindustrie am tiefsten gefallen. Es ist also nahe liegend, Wohnen und Mobilität neu zu erfinden, um die Krise zu überwinden, zumindest aus energetischer Sicht. Zurück in die 70er kann dabei natürlich nur äußerlich sinnvoll sein. Damals standen einem Einwohner Deutschlands rund 25 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Heute sind es 41,2 qm. Damals wog ein Mittelklasseauto 750 kg. Heute wiegt es rund 1200 kg. Menschen lebten früher gut mit den genannten Kenngrößen. Sie lebten besser als die meisten Menschen auf der Welt heute leben. Seit damals wurde der relative Energiebedarf, also Energie pro Fläche oder Masse, gesenkt. Weil aber Fläche und Masse größer wurden, wuchs der Energiebedarf. Die Herausforderung besteht nun darin, die früher gültigen Flächen- und Massenwerte in zeitgemäßer Weise als Gestaltungsgrundlage anzuwenden.

Wie groß die Herausforderung ist, zeigt der Bereich Wohnen. Die Aufgabe besteht darin, den Wärmeenergiebedarf in den nächsten Jahren deutlich zu reduzieren, um von Öl, Gas und Kohle unabhängiger zu werden und um zukünftig in nennenswerter Weise mit regenerativer Energie leben zu können. Hierzu muss der Wohnwärmebedarf in einem ersten Schritt mindestens halbiert werden. Das erfordert bei deutschen Bestandsimmobilien Investitionen in Höhe von 360 Mrd. Euro. Zum Vergleich, das zweite Konjunkturprogramm hat einen Wert von 50 Mrd. Euro.

Zurück zum Öl, wo es heute Morgen nichts Neues gibt. Die Tonne Gasöl kostet 445 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 46,99 Dollar. Und der US-Dollar selbst wird mit 75,48 Eurocent bezahlt.

Unsere Heizölpreise dümpeln seitwärts. Die Nachfrage im Binnenmarkt flaut deutlich ab. Der Handel hat allerdings noch Altlasten der letzten Wochen abzuarbeiten. Daher sind die Lieferzeiten immer noch nicht überall zur Normalität zurückgekehrt. Abgebaut sind aber die großen Preisunterschiede innerhalb Deutschlands. Wir rechnen damit, dass die Preise weiter seitwärts laufen werden. Etwas Abgabedruck wird über die fallenden Margen kommen, die sich mit der sinkenden Nachfrage ergeben werden. Die Preise sind und bleiben wahrscheinlich in den kommenden Wochen relativ verbraucherfreundlich. Das ist eine gute Ausgangslage, um sich gegen steigende Preise in ferner Zukunft zu rüsten. Schauen Sie hierzu mal auf esytrol.com.

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