Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Birol sieht schwarz

Die OECD-Länder brauchen weniger Öl. In Japan beträgt das Minus zum Vorjahr fast 13 Prozent. So heftig ist der Nachfragerückgang in den USA und in Europa nicht. Er läuft auf knapp zwei Prozent hinaus. Verbrauchern geben solche Zahlen Anlass, die hohen Ölpreise als Ausgeburt spekulativer Machenschaften ohne jede Bindung an reale Marktverhältnisse einzustufen. In der Tat wächst der inflationäre Einfluss des aus dem Ruder geratenen Geld- und Finanzsystems auf die Ölpreise stetig. Öl ist heute mindestens so viel Anlageobjekt wie Energieträger. Die einzige Ursache für die Teuerung ist damit aber keineswegs benannt. Sie hat einen nicht minder wichtigen Grund, den wir in unserem gewohnten Lebensfluss gerne ausklammern. Er liegt in der grenzwertigen Inanspruchnahme der Ressource Öl. Sie wird spürbar knapp.

Erstes Zeichen für einen realmarktbezogenen Teuerungsgrund ist die stetige globale Nachfragesteigerung. Trotz des Rückgangs in den OECD-Ländern wird der weltweite Verbrauch in diesem Jahr um über ein Prozent steigen. Im letzten Jahr betrug das Plus gut drei Prozent. Zweites Zeichen für die hohe Belastung der Fördermöglichkeiten ist die Tatsache, dass die Reservekapazitäten sinken, seit die Nachfrage nach dem Einbruch in 2008 und 2009 wieder anzieht. Heute würden die Reservekapazitäten den Ausfall eines großen Lieferanten nicht mehr kompensieren können. Dieser Umstand macht den Atomstreit mit dem Iran und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Ölversorgung besonders prekär. Drittes Zeichen einer Überforderung der Ressourcen ist die dramatische Zunahme der CO2-Emissionen in den letzten beiden Jahren, also in den Jahren, in denen der Verbrauch wieder zunahm. Ursächlich ist die ungezügelten Nutzung von Öl, Kohle und Gas. Das zwei Grad Klimaziel ist nach Lage der Dinge kaum noch zu halten. Abhilfe könnte nur ein dramatisches Umsteuern in der Energienutzung bringen. Diese Aussage stammt nicht von einem Klimaexperten und auch nicht von einem Umweltaktivisten. Sie stammt von Fatih Birol. Er ist Chefvolkswirt der IEA (Internationale Energie Agentur). Die Institution ist der ausreichenden Energieversorgung der reifen Industrienationen verpflichtet.

Birol sieht die langfristige Energieversorgung der Menschen und ihrer Wirtschaft nur gewährleistet, wenn sie durch einen explosiven Effizienzgewinn entlastet wird. Andernfalls droht nicht nur eine Klimakatastrophe. Es droht auch eine Preiskatastrophe. Für das Gros der Menschen ist die Aussage schockierend. Einzig die am kurzfristigen Gewinn orientierte Finanzindustrie wird daran ihren Spaß haben. Es liegt nicht im Interesse der IEA, durch ihr Handeln oder ihre Aussagen Energiepreise zu verteuern. Im Gegenteil, sie muss den Weg zu einer preiswerten Versorgung beschreiben. Wenn mit dramatischen Worten unter Inkaufnahme einer Preissteigerung für Effizienzgewinn geworben wird, steht offensichtlich das langfristig Notwendige über dem kurzfristig Unerwünschten. Im Umkehrschluss bedeutet das, Schönreden ist keine akzeptable Handlungsoption mehr.

Im Land der Ingenieure und Denker sieht man sich traditionell beim Thema Effizienz in der ersten Reihe. Untermauert wurde der Spitzenplatz mit einer eilig ins Leben gerufenen Energiewende. Seit sie politisch beschlossen wurde, ist der Enthusiasmus verflogen. Weder gibt es eine gangbare Roadmap, noch ist ihre Finanzierung gesichert. Ein Kernaspekt zur Umsetzung ist die energetische Sanierung von Gebäuden. Nirgendwo ist mehr Verschwendung im Spiel und nirgendwo lässt sich Energie einfacher einsparen als beim Wohnen. Angesagt ist somit ein ordentliches Sanierungsprogramm, das mit ausreichend Geld unterfüttert wird, um Menschen den Spaß an der Sache nahe zu bringen. Im Umweltministerium werden fünf Milliarden Euro pro Jahr genannt, die eine Förderung umfassen muss, damit die Wende bei der Wohnwärme glückt. Das Geld ist nicht da. Es ist bei den Banken. Gemessen an dem, was für ihre Rettung ausgegeben wird, sind fünf Milliarden Euro die berühmten Peanuts. Im Moment der erneuten Ölpreisteuerung ist die Erkenntnis, dass Politik nicht einmal die eigenen Beschlüsse für umsetzenswert hält, besonders bitter. Die Preisentwicklung lässt sich mit einer erfolgreichen Energiewende kaum stoppen. Dazu ist die globale Bedeutung Deutschlands zu gering. Ihre unangenehme Wirkung auf Verbraucher lässt sich aber erheblich dämpfen. Bei Raumwärme reden wir immerhin über eine Verbrauchsminimierung von deutlich über 50 Prozent. Technisch ist sogar weit mehr möglich. Derartig reduziert wird der Heizölkauf auch bei über einem Euro pro Liter noch erträglich. Ohne die Reduzierung droht Jahr für Jahr größeres Ungemach.

Heute Morgen machen sich die Ölpreise bereits wieder in höhere Gefilde auf. Der Rückgang der letzten Tage neigt sich anscheinend seinem Ende zu. Dieser Umstand kommt nicht überraschend. Die Tonne Gasöl kostet 975 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,90 Dollar und in London zu 107,67 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,81 Eurocent.

Unsere Heizölpreise gaben drei Tage infolge nach. Vieles deutet darauf hin, dass die freundliche Veränderung Frucht einer Gegenbewegung auf den letzten Preisanstieg ist. Sollte diese These stimmen, wird der nächste Preisanstieg in Kürze folgen. Es empfiehlt sich aus unserer Sicht, den Moment zum Kauf zu nutzen. Es soll unverzagte Menschen geben, die den großen Preiseinbruch abwarten. Sie setzen auf den Kollaps des Finanzsystems. Ein solcher Kollaps liegt tatsächlich in der Luft. Die vielfältigen Rettungsaktionen der Politik können ihn aber noch Monate oder gar Jahre aufschieben. Solange wird man kaum auf Heizöl verzichten können. Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, das Heil in der Senkung des eigenen Verbrauchs zu suchen. Dabei kann die hier vorgeschlagene Einsparinvestition nur ein Teil der Lösungsfindung sein. Der andere Teil muss in der Aufwertung der thermischen Haushülle gesucht werden. Einfacher ausgedrückt, die Dämmung ist der Schlüssel zum Erfolg.

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