Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Blick über den Tellerrand

Wer zum Thema Energie kommentiert, kommt in diesen Tagen an den Ereignissen im Wendland nicht vorbei. Dort vollzieht sich ein beeindruckendes Stück Demokratie, das wir auf Grund unserer räumlichen Nähe zum Geschehen selbst miterleben können. Bürger unterschiedlichster Couleur demonstrieren der Regierung dieses Landes, dass sie den mit vier Stromkonzernen geschlossen Deal, der einen weitreichenden Einfluss auf ihre direkte Nachbarschaft hat, nicht bereit sind hinzunehmen.

Beeindruckend ist die Vielfalt der Protestaktionen. Diese sind fantasievoll und haben teilweise ein hohes technisches Niveau. Der Widerstand ist nicht zuletzt deshalb so stark, weil die Protagonisten die Klaviatur der modernen Technik bestens spielen. Allein dieser Umstand beweist, dass hier nicht rückwärtsgewandte Zeitgeister am Werk sind, sondern Menschen, die fähig sind, ihre Welt zeitgemäß zu gestalten. Das unterscheidet sie von den Regierenden. Beeindruckend ist die Friedfertigkeit des Handels auf allen Seiten. Einige Massenmedien stellen zwar die gut verkäuflichen Gewaltausbrüche, die es in der Tat auch gibt, in den Vordergrund. Diese treten aber so häufig auf, wie Gewalt in dieser Gesellschaft insgesamt auftritt, nämlich selten. Die Suggestion, dass wir eine Zunahme der Gewalt erleben, wird nicht dadurch Realität, dass sie massenhaft zitiert wird. Statistiken belegen das Gegenteil. Quantitativ ist Gewalt seit Jahren auf dem Rückzug. Allenfalls die Qualität von Gewalt nimmt zu. Letztes gilt in gar keiner Weise für den wendländischen Widerstand. Protestierende und Polizei verhalten sich in ihrer überwiegenden Mehrheit vorbildlich. Die Politik könnte von der Dialogbereitschaft beider Gruppen sehr viel lernen, wenn sie lernfähig wäre. Ich konnte mich in vielen Gesprächen mit Polizistinnen und Polizisten an Orten der Blockaden, bei Mahnwachen und auf der Großdemonstration, davon überzeugen, dass hier Bürger in Uniform zu einem Handeln gezwungen werden, dass in gar keiner Weise ihrer Überzeugung entspricht. Mit diesem Widerspruch gehen die meisten von ihnen hervorragend um. Und das sogar noch nach über 30 Stunden Dienst. Die Länge des Einsatzes führt sie nun allerdings über ihre Grenzen hinaus. Die in den letzten Jahren erlernte Deeskalationsfähigkeit unserer Polizei findet auch außerhalb unseres Landes Anerkennung. Kroatien schickte Polizisten zum Studium vor Ort.

Der fantasievolle Widerstand bringt einen Rekord ein. Die Castoren laufen deutlich länger zu ihrem Zwischenlager als alle anderen vor ihnen. Dort müssen sie über dreißig Jahre stehen, bevor sie endgelagert werden können. Das Endlagerproblem ist eins von drei wesentlichen Kritikpunkten an der Atomenergie. Dieses gibt die Regierung vor, nun umgehend lösen zu wollen. Eine entsprechende Anweisung an alle EU-Staaten ergeht aus Brüssel. Angesichts der zeitlichen Dimension des Problems erscheint die Anweisung wie purer Aktionismus. Atommüll ist für Menschen länger gefährlich, als es den Homo Sapiens gibt, also über 130 Tausend Jahre. Es bedarf keines besonderen Wissens, um zu konstatieren, dass eine von Menschen entwickelte Technik mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht den Anspruch an Ewigkeit im menschlichen Sinn erfüllen wird. Zeitlicher Druck macht das Gelingen des Vorhabens nicht wahrscheinlicher. Bisher ist noch keinem Land der Erde die Lösung gelungen. Wir werden auf unabsehbar lange Zeit mit einer Zwischenlagerung leben müssen.

Weil das so ist, muss die Produktion von Atommüll so schnell wie möglich eingestellt werden. Energietechnisch gibt es keinen Grund, den unter der rot-grünen Regierung ausgehandelten Kompromiss des Ausstiegs aufzukündigen. Dieser Kompromiss war bereits ein Entgegenkommen an die Stromwirtschaft. Das darin zugelassene, verbleibende atomare Gefährdungspotenzial ist für nachhaltig handelnde Menschen ein kaum zu akzeptierendes Faktum. Vor dem Müll steht die Produktion. Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt an der Atomenergie. Man kann diesen sowohl auf Grund der damit verbundenen Gefahren als auch auf Grund der fehlerhaften Ausrichtung der Energiewirtschaft benennen. Letzte muss in Richtung Effizienz und Dezentralität entwickelt werden. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Beide Aspekte stehen der Atomenergie diametral entgegen. Sie als Brückentechnologie zu titulieren, ist falsch. Eine Brücke stellt eine Verbindung mit einer anderen Seite, hier zur Seite der regenerativen Energiebereitstellung dar. Die Atomenergie kann nur den Status Quo festschreiben. Mehr geht mit ihr nicht. Eine Brücke für die Stromwirtschaft wird beispielsweise durch Gaskraftwerke mit Kraftwärmekopplung beschrieben. Diese Kraftwerke sind klein, hoch effizient, ideale Partner für die diskontinuierlich verfügbare Sonnen- und Windenergie und sie können dezentral installiert werden. Gas als Energieträger ist unter den drei Optionen Atom, Öl, Gas der mit Abstand am längsten verfügbare. Das Gasangebot in Deutschland erhöht sich bereits heute, weil die Nachfrage im Raumwärmebereich sinkt. Mit der Erhöhung von Effizienz wird dieses Sinken rasant fortschreiten. Am Ende werden die Zuleitungen zu Ein- und Zweifamilienhäusern im Verhältnis zum Arbeitspreis der Energie sogar zu teuer werden, so dass immer mehr Gas aus dem Raumwärmemarkt verschwinden wird.

Der dritte wesentliche Kritikpunkt an der Atomenergie ist der untrennbare Zusammenhang mit ihrer militärischen Nutzung. Diese war ihre Wiege. In den USA wurde sie einst im größten Projekt der Menschheitsgeschichte aus Furcht vor einer entsprechenden Entwicklung in Nazideutschland vorangetrieben. Nachdem zwei Bomben über Nagasaki und Hiroshima gezündet wurden, waren viele in das Projekt involvierte Wissenschaftler derartig entsetzt über das Resultat ihres eigenen Handels, dass sie teilweise verzweifelt nach einer menschendienlichen Anwendung für die Technologie suchten. Sie fanden sie in der Stromerzeugung. In den Reaktoren zur Stromerzeugung entstehen Stoffe, die als bombenfähiges Material aufbereitet werden können. Um diesen Sachverhalt dreht sich der Streit mit dem Iran, dem man vorwirft, Atomkraft nutzen zu wollen, um die Bombe zu bauen. Internationale Überprüfungen können ein Mittel zur Linderung der Probleme sein. Sie werden niemals die Lösung sein. Wie für die Endlagerung wird es auch hierfür keine zufriedenstellende Lösung geben. Enrico Fermi, einer der bedeutendsten Atomwissenschaftler des 20. Jahrhunderts und Mitentwickler der Atombombe sagte nach der ersten erfolgreichen Zündung einer kritischen Masse und tief beeindruckt von dem Gewaltschauspiel, dem er beiwohnte, sinngemäß, nun hat die Menschheit ihre Unschuld verloren.

Nach diesem kleinen Diskurs in ein zum Energieträger Öl verwandtes Gebiet folgt die tägliche Berichterstattung über das Ölpreisgeschehen an den Börsen. Der Aufwärtsdrang der Ölpreise lässt nach. Er wurde durch den fallenden Dollar initiiert. In den letzten Tagen stieg der Dollar allerdings, während Öl das erhöhte Niveau hielt. Die Tonne Gasöl kostet 734,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 86,83 Dollar und in London 88,24 Dollar. Der US-Dollar wird zu 72,20 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten auch gestern zu. Ölnotierung und Dollarkurs trugen beide zum Anstieg bei. Dieser sieht seit wenigen Tagen wie ein Aufwärtstrend aus. Er ist aber kein Aufwärtstrend. Noch hält Seitwärts. Wir vertrauen darauf, dass das so bleiben wird. Vertrauen ist gut. In diesem Geschäft ist es aber nicht zu verwechseln mit Verlässlichkeit. Die gibt es nicht. Insgesamt reden wir immer noch von relativ kleinen Bewegungen bei den Heizölpreisen. Klein dürften sie auch bleiben, wenn sie die Richtung wechseln. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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